Terrorismus mit Flugzeugen: Fehlende Jets ängstigen vor dem 9/11-Jahrestag
Aktualisiert

Terrorismus mit FlugzeugenFehlende Jets ängstigen vor dem 9/11-Jahrestag

In Libyen sollen elf Passagiermaschinen verschwunden sein. Planen Terrormilizen einen neuen Flugzeuganschlag wie vor 13 Jahren in New York und Washington?

von
sut

Fast ein Dutzend Passagierjets sollen in Libyen spurlos verschwunden sein. Als Erste berichtete dies die konservative Website Washington Free Beacon unter Berufung auf ungenannte US-Informanten. «In Libyen fehlt eine Anzahl von kommerziellen Maschinen», sagte ein Offizieller und fügte hinzu: «Wir haben am 11. September 2001 herausgefunden, was entführte Flugzeuge anrichten können.»

Konkret behauptet der «Beacon», islamistische Extremisten hätten die elf Flugzeuge in ihre Gewalt gebracht, als sie den Flughafen der Hauptstadt Tripolis eroberten. Der Artikel zeigte Fotos von Kämpfern der Gruppe Libyan Dawn (Libysche Morgenröte), die auf den Flügeln erbeuteter Jets herumtanzen. Die Bilder wurden über Twitter verbreitet.

Milizen auf dem Flughafen

Libyan Dawn ist eine von vielen Milizen, die sich zurzeit in Libyen einen erbitterten Kampf um Macht und Ressourcen liefern. Die Gruppe siedelt sich im Umfeld von Ansar al-Sharia an, der wichtigsten zur Al Kaida gehörenden Terrorgruppe in dem Land. Vom Verschwinden der Jets berichtete laut «Beacon» bereits im August der Militärexperte Abderrahmane Mekkaoui gegenüber dem Al-Jazeera-Fernsehen. Mekkaoui behauptete allerdings, eine Gruppe namens Masked Men Brigade (Brigade der maskierten Männer) habe sich der Flugzeuge bemächtigt.

Solche Unterschiede spielen eine kleine Rolle in New York und Washington, wo am Donnerstag der 13. Jahrestag der Terrorangriffe vom 11. September 2001 begangen wird. Vor zwei Jahren wurde zudem am gleichen Datum das US-Konsulat im libyschen Bengasi angegriffen. Damals töteten Milizen den US-Botschafter Chris Stevens und zwei Sicherheitsleute. Laut «Beacon» befürchten Geheimdienstkreise allerdings, dass in erster Linie ein anderes Land im Maghreb das Ziel eines Flugzeuganschlags werden könnte.

Wahrheitsgehalt unklar

Nicht viele andere Medien haben die Meldung des «Beacon» aufgegriffen. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass sich die Informationen rund um das Verschwinden der Flugzeuge nicht bestätigen lassen.

Bezüglich der Gefahren, die von einem Terrorakt mit den Flugzeugen ausgehen, geben Aviatikfachleute eher Entwarnung. In einem Beitrag in der Zeitschrift «The Aviationist» sagte der frühere Airline-Mitarbeiter Tom Meyer, das Starten der Jetliner würde den Terroristen Mühe bereiten. Dazu seien nicht nur Piloten und ausreichend lange Pisten nötig, sondern auch Bodenoperationen zur Stromversorgung, zum Betanken und zur Gewichtskontrolle. «Wenn etwas davon fehlt oder nicht korrekt durchgeführt wird, fällt alles auseinander. Sorry, Airline-Operationen sind komplex.»

Gefahr bleibt bestehen

Schafft es eine Maschine in die Luft, bedeutet dies nicht, dass sie es auch ans Ziel schafft. «Aviationist»-Autor Meyer hält es für unwahrscheinlich, dass ein Passagierflugzeug in nördlicher Richtung nach Europa fliegen könnte, ohne vom Küstenradar erfasst und abgefangen zu werden. Dennoch warnt er: «Ein entführtes Flugzeug ist auch heute noch eine sehr ernste Gefahr auch für die beste Luftverteidigung.»

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