11.10.2019 02:53

Umdenken gefragt

«Fehlende Plätze werden zum Pendeln gehören»

Die Zentralbahn steht in der Kritik von Pendlern: Diese fühlen sich gegenüber Touristen benachteiligt. Ein Verkehrssoziologe sagt, dass Pendler umdenken müssen.

von
Daniela Gigor
1 / 8
Pendler fühlen sich in der Zentralbahn gegenüber Touristen benachteiligt.

Pendler fühlen sich in der Zentralbahn gegenüber Touristen benachteiligt.

Janine Bucher
Die Zentralbahn fährt die Touristengruppen hauptsächlich über den Brünig. (Symbolbild)

Die Zentralbahn fährt die Touristengruppen hauptsächlich über den Brünig. (Symbolbild)

Zentralbahn
Auf der Strecke Luzern-Interlaken sind die Passagierzahlen der Zentralbahn (ZB) innert zehn Jahren um gegen 40 Prozent angestiegen. (Symbolbild)

Auf der Strecke Luzern-Interlaken sind die Passagierzahlen der Zentralbahn (ZB) innert zehn Jahren um gegen 40 Prozent angestiegen. (Symbolbild)

Zentralbahn

Auf der Strecke Luzern-Interlaken sind die Passagierzahlen der Zentralbahn (ZB) innert zehn Jahren um gegen 40 Prozent angestiegen. Immer mehr Touristen machen sich auf die Reise über den Brünig, sei es mit oder ohne Sitzplatzreservation.

Weil die Kapazität der Waggons beschränkt ist, nerven sich nun viele Pendler und fühlten sich verdrängt, berichtet die «Luzerner Zeitung».

Touristen ausserhalb der Pendlerzeiten befördern

Darum weichen immer mehr Pendler auf die S-Bahn aus, obwohl die Strecke Luzern–Giswil mit dieser zehn Minuten länger dauert als mit dem Interregio. Die ZB setzt die S-Bahnen gezielt zur Entlastung des Interregios für Pendler ein.

Um die überfüllten Züge zu entlasten, zieht Timo Ohnmacht, Verkehrssoziologe an der Hochschule Luzern, die Möglichkeit in Betracht, Touristengruppen ausserhalb der Pendlerzeiten zu befördern. «Die Verschiebung der Reisezeiten und nicht die Aufstockung der Kapazität ist die Lösung», sagt Ohnmacht. Dies sei auch die Empfehlung der Wissenschaft für eine nachhaltige Mobilität. Um die Reisezeiten der Touristengruppen zu verschieben, seien Gespräche mit den Reiseveranstaltern nötig.

Unangemeldete Gruppen sorgen für Platzmangel

Zu dieser Lösung tendiert auch die Zentralbahn. «Wir sind in stetigem Austausch mit den Touroperators. Dabei wurden bereits Massnahmen zur gezielten Lenkung von Touristengruppen getroffen wie etwa die Kontingentierung der Gruppenplätze auf den Zügen», sagt ZB-Sprecher Ramon Gassmann. Seien die Kontingente ausgelastet, müssten Gruppen abgelehnt oder zu anderen Zeiten befördert werden.

Er betont, dass nicht die reservierten Plätze der Touristen das Problem der Pendler seien, sondern all die unangemeldeten Reisegruppen.

Pendler werden Anforderungen senken müssen

Verkehrssoziologe Ohnmacht glaubt, dass sich das Problem der überfüllten Züge künftig eher noch verschärfen dürfte: «In Zukunft gehören fehlende Sitzplätze zum Pendeln.» Darum gebe es auch Diskussionen, wie das Interieur der S-Bahnen aussehen soll. «Es kann durchaus sein, dass sie nicht mehr wie Züge eingerichtet sein werden, sondern eher wie U-Bahnen, in denen sich die Fahrgäste längsseitig gegenüber sitzen, damit mehr Stehplätze angeboten werden können.»

Eins ist laut Ohnmacht jedenfalls sicher: «Auch die Pendler werden sich wohl oder übel der wachsenden Nachfrage nach dem ÖV anpassen müssen und ihre Anforderungen an die Beförderung in bequemen Sitzplätzen herunterschrauben müssen.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.