Laden-Öffnungszeiten: Feierabend-Shopping – Personal macht nicht mit
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Laden-ÖffnungszeitenFeierabend-Shopping – Personal macht nicht mit

Die Liberalisierung der Öffnungszeiten ist in der Schweiz umstritten. Während sich Verkäuferinnen davor fürchten, sprechen ihre Arbeitgeber von neuen Jobs.

von
F. Lindegger

Das Schweizer Verkaufspersonal will nichts vom neuen Ladenöffnungsgesetz wissen. In einer Umfrage der Gewerkschaft Unia sprachen sich 96 Prozent der Befragten gegen das neue Gesetz aus. Am kommenden Montag berät der Nationalrat darüber. Es sieht vor, dass von Montag bis Freitag in der ganzen Schweiz die Geschäfte von 6 bis 20 Uhr geöffnet sein dürfen, am Samstag von 6 bis 18 Uhr. Das Gesetz würde in 14 Kantonen längere Öffnungszeiten als heute erlauben.

Das Thema Ladenöffnungszeiten ist umstritten, wie auch eine Kurzumfrage unter den 20-Minuten-Lesern zeigt: Ein Drittel der rund 7000 Teilnehmenden möchten die Öffnungszeiten am liebsten ganz liberalisieren. Gegen 20 Prozent befürworten, dass die Geschäfte bis 20 Uhr geöffnet bleiben. Knapp 30 Prozent sprachen sich hingegen für fixe Ladenschlusszeiten in allen Kantonen aus und rund 18 Prozent finden, dass jeder Kanton selber entscheiden soll.

Angst vor langen Arbeitstagen

Das von der Unia befragte Verkaufspersonal möchte vor allem abends nicht länger arbeiten. Laut der Gewerkschaft würden liberalere Öffnungszeiten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie noch schwieriger machen. Zudem Verweist die Unia auf die generell tiefen Löhne im Detailhandel.

Anders sieht das hingegen die Interessengemeinschaft Detailhandel Schweiz (IG DHS): «Interne Befragungen zur Mitarbeiterzufriedenheit zeigen keinen signifikanten Unterschied zwischen Mitarbeitenden in Kantonen mit und solchen ohne verlängerte Öffnungszeiten.» Man stelle zudem fest, dass flexible Arbeitszeiten, gerade zu Randstunden, beim Verkaufspersonal auf Interesse stossen würden. Für viele liessen sich so Beruf, Freizeit und Familie oder Studium besser unter einen Hut bringen.

Die IG DHS, der die Migros, Coop, Denner oder Manor angehören, spricht sich klar für das neue Bundesgesetz aus. «Längere Öffnungszeiten verbessern die Rahmenbedingungen für den Detailhandel, der seit geraumer Zeit mit den Folgen des starken Frankens, Stellenabbau und Umsatzverlust konfrontiert ist.» Das neue Gesetz werde helfen, Arbeitsplätze zu erhalten und neue Stellen zu schaffen.

Druck auf kleine Geschäfte steigt

Welche wirtschaftlichen Folgen längere Öffnungszeiten haben, zeigt eine Studie, die das Staatssekretariat für Wirtschaft in Auftrag gab. Darin wurden die Erfahrungen aus verschiedenen Ländern ausgewertet. Am meisten von gelockerten Ladenöffnungszeiten profitieren demnach – wenig überraschend – die Konsumenten. «Zeitrestriktionen» würden entfallen und der «Unterhaltungswert» des Einkaufens steige, so die Autoren der Studie. Zudem stellten sie in den untersuchten Ländern eine schwache Erhöhung des Gesamtumsatzes fest. Der Konsum habe sich tendenziell leicht erhöht – auch, weil sich «das Einkaufen mehr und mehr als eine Art der Freizeitgestaltung durchsetzt.»

Die Beschäftigungseffekte seien ebenfalls «mehrheitlich schwach positiv». In den meisten Fällen würden allerdings die Art der geschaffenen Stellen und Angaben zu den Arbeitsbedingungen fehlen. Für kleine Läden bedeuten längere Öffnungszeiten hingegen oft wenig Gutes: Der Strukturwandel von kleinen zu grossen Geschäften werde durch die Liberalisierung der Öffnungszeiten beschleunigt, so das Fazit der Autoren.

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