«One Love»-Aktion: Teams kriegen nach Bändeli-Rückzug ihr Fett weg

Publiziert

«One Love»-Aktion«Feige, armselig» – Teams kriegen nach Bändeli-Rückzieher ihr Fett weg

Die Fifa hat für das Tragen der «One Love»-Captainsbinden an der WM in Katar Strafen angedroht. Dass Verbände daraufhin die Aktion abblasen, sorgt für Kopfschütteln.

von
Silvan Haenni
1 / 7
Braucht nun eine andere Captainsbinde: Granit Xhaka. Hier im Spiel im September gegen Spanien.

Braucht nun eine andere Captainsbinde: Granit Xhaka. Hier im Spiel im September gegen Spanien.

freshfocus
Granit Xhaka und St. Gallens Ghana-Goalie Lawrence Ati Zigi.

Granit Xhaka und St. Gallens Ghana-Goalie Lawrence Ati Zigi.

freshfocus
Granit Xhaka könnte wegen seiner Captainsbinde eine Sperre drohen.

Granit Xhaka könnte wegen seiner Captainsbinde eine Sperre drohen.

freshfocus

Darum gehts

  • Die Nati, aber auch England, Deutschland oder die Niederlande verzichten auf das Tragen der «One Love»-Captainsbinde.

  • Grund dafür ist die Drohung der Fifa, das Widersetzen gegen das Verbot könnte zu disziplinarischen Strafen auf dem Platz führen.

  • «Feige, geldgierig, armselig»: Dass die Verbände umgehend zurückkrebsen, zieht in den sozialen Medien viel Kritik nach sich.

  • Andere wiederum bezweifeln, dass sich die Fifa beim «One Love»-Verbot auf ein gültiges Regulatorium beruft. 

«Ein Zeichen, das man nur dann setzt, wenn man dadurch keinerlei Konsequenzen zu befürchten hat, ist kein Zeichen», schreibt Jochen Breyer (40) am Mittwochmorgen auf Twitter. Es sind klare Worte des ZDF-Moderators zu dem, was gerade passiert ist: Der deutsche Fussball-Bund (DFB) hat zusammen mit Dänemark, England, Wales, Belgien, den Niederlanden und auch der Schweiz mitgeteilt, ihre Captains an der WM nicht mit der «One Love»-Binde auflaufen zu lassen. 

Vorausgegangen war am Sonntag ein Verbot der Fifa, wonach die spezielle Captain-Binde gegen das Reglement verstosse. Explizit hob der Verband den Artikel 13.8.1 der Ausrüstungsregeln hervor: «Für Fifa-Finalwettbewerbe muss der Kapitän jeder Mannschaft eine von der Fifa gestellte Armbinde tragen.» Ein guter halber Tag später die Gewissheit: Sämtliche für die WM qualifizierten Verbände der geplanten «One Love»-Aktion krebsen zurück.

«Verbände lassen sich erpressen»

Dies sorgt auf den sozialen Medien für ordentlich Entrüstung. Ähnlich wie Jochen Breyer verweist auch Paul Ronzheimer, Vizechef der deutschen «Bild», direkt auf die Verantwortung der nationalen Verbände: «Deutschland und alle anderen europäischen Nationen lassen sich von der Fifa erpressen», tobt er.

Es sei feige, geldgeil und armselig, dass sie nicht mal durchhielten, eine Pseudo-Binde (ohne Regenbogen) zu tragen, weil die Angst vor den korrupten Funktionären zu gross ist.

Kritik vom britischen Premier

Der geoutete homosexuelle Ex-Fussballstar Thomas Hitzelsperger (40) bedient sich eines ähnlichen Vokabulars wie Ronzheimer, nimmt aber die Fifa in die Mangel und betitelt diese auf Twitter als «armselig».

Auch von hochoffizieller Stelle gibt es Kritik in Richtung des Fussball-Weltverbands. Die britische Regierung etwa teilt mit: «Wir teilen die Frustration des englischen Verband mit der Entscheidung der Fifa, die die Spieler in eine sehr schwierige Position bringt», sagte ein Sprecher des Premierministers Rishi Sunak (42) am Montag in London. «In Bezug auf LGBT-Rechte im weiteren Sinne ist die Politik Katars eindeutig nicht die der Regierung des Vereinigten Königreichs und nicht diejenige, die wir unterstützen würden», heisst es weiter. 

Die Frage nach der Regel

Der deutsche Profi-Schiedsrichter Patrick Ittrich hat sich in der Debatte um die «One Love»-Kapitänsbinde bei der Weltmeisterschaft in Katar ebenfalls deutlich gegen den Fussball-Weltverband positioniert. «Ich suche nach der Regelgrundlage für die Entscheidung seitens der Fifa, das Tragen der Binde mit Gelb zu sanktionieren», schreibt der 43-Jährige auf Twitter. Und: «Ich finde sie nicht.» Alle würden instrumentalisiert. Das sei traurig und unfassbar. 

Auch der kultige deutsche Schiedsrichter-Podcast «Collinas Erben» wirft die Frage nach der regulatorischen Grundlage auf.

Serbien-Tadic von Anfang an dagegen

Wohl oder übel wird das Verbot der «One Love»-Kampagne noch eine ganze Weile für Aufruhr sorgen. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass sich einige WM-Team von Anfang an gegen das Tragen einer «One Love»-Captainsbinde ausgeprochen hatten. So bestätigte etwa Serbiens Captain Dusan Tadic (34) bereits im September, dass er die Binde nicht tragen würde. Auch andere europäsichen Verbände wollten sich von Anfang an nicht an der Aktion beteiligen.

Dein tägliches WM-Update

Verpasse keine Neuigkeiten zur WM 2022 in Katar und erhalte täglich ein WM-Update mit allen News von vor Ort sowie zur Schweizer Nationalmannschaft – direkt von unseren Reportern aus Doha in dein Postfach.

LGBTIQ: Hast du Fragen oder Probleme?

Hier findest du Hilfe:

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Du-bist-du.ch, Beratung und Information

InterAction, Beratung und Information für intergeschlechtliche Menschen, Tel. 079 104 81 69

Lilli.ch, Information und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Deine Meinung

332 Kommentare