Kantonsgericht St. Gallen: Feministinnen zoffen sich erneut vor Gericht
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Kantonsgericht St. GallenFeministinnen zoffen sich erneut vor Gericht

Vor dem St.Galler Matriarchatskongress lieferten sich zwei Feministinnen eine verbale Schlammschlacht. Nun kommt es erneut zum Prozess.

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taw
Heide Göttner-Abendroth, Veranstalterin des St.Galler Matriarchatskongresses. (Bild: youtube)

Heide Göttner-Abendroth, Veranstalterin des St.Galler Matriarchatskongresses. (Bild: youtube)

Am Freitag geht es vor dem Kantonsgericht St. Gallen in die nächste Runde im Streit zweier gemäss ihrer Lebensphilosophien friedliebender Frauen: der St. Galler Theologin Martina Schäfer und der deutschen Philosophin Heide Göttner-Abendroth. Einst setzten sich beide gemeinsam für eine friedliche Frauenkultur eingesetzt – nun sind sie sich spinnefeind.

Göttner-Abendroth ist eine zentrale Figur der Matriarchatsbewegung und Gründerin der deutschen Akademie Hagia. Schäfer war ebenfalls Mitglied dieses Vereins. Dort lernten sich die beiden Frauen kennen. Göttner-Abendroth gilt als Befürworterin friedlicher und gewaltfreier Matriarchatsgesellschaften – im Streit mit Schäfer ist davon allerdings wenig zu spüren.

Eklat am Matriarchatskongress

Der Streit begann bereits 1990. Schon damals deckten sich die Frauen mit schweren Vorwürfen ein: Von Ausbeutung, Betrug und sogar Vergewaltigung war die Rede, auch von Verleumdung.

Im Frühjahr 2011 dann eskalierte der Streit erneut. Die Akademie Hagia lud zum Matriarchatskongress in St. Gallen. An diesem wurde unter anderem von Frieden, Gleichwertigkeit und Konsens als Kern der matriarchalen Vision gesprochen.

Schon im Vorfeld soll Schäfer Briefe verschickt haben, in denen sie schrieb, die Theorien der Matriarchatsforschung gingen auf den deutschen Nationalsozialismus zurück und die Akademie Hagia habe sektenähnliche Züge. Im Rahmen der Berichterstattung zum Matriarchatkongress bezeichnete Schäfer

Göttner-Abendroth zudem als gewalttätige Guru-Frau. Ausserdem verherrliche Göttner-Abendroth Menschenopfer und strebe eine «Priesterinnen-Herrschaft» an, so Schäfer gegenüber der «NZZ am Sonntag». Göttner-Abendroth schoss medial zurück: «Schäfer ist eine latent gewalttätige Denunziantin.»

Schäfer geht ihn Berufung

Vor dem Kreisgericht St. Gallen verlangte Göttner-Abendroth eine Genugtuungsumme von 1o'000 Franken. Die Vorwürfe seien schwer zu ertragen und würden ihr Selbstbild und ihr Selbstvertrauen zerstören. Für die Verhandlung reichte Göttner-Abendroth 109 Seiten und rund 70 zusätzliche Aktenstücke ein. Weil sich deshalb der gerichtliche Aufwand massiv erhöhte, musste die Deutsche einen weiteren Kostenvorschuss zahlen. Schäfer ihrerseits reichte 39 Seiten ein.

Das Kreisgericht St. Gallen sprach Schäfer am 30. Januar 2013 wegen Persönlichkeitsverletzung schuldig. Sie habe mehrfach die Persönlichkeit Göttner-Abendroths verletzt, indem sie durch Aussagen gegenüber Behörden, Medien und Privatpersonen ihr Ansehen herabgesetzt habe. Schäfer sollte Göttner-Abendroth eine Genugtuung in Höhe von 5000 Franken zahlen. Hinzu kommt ein Teil der Gerichtskosten.

Das lässt Schäfer nicht auf sich sitzen. Sie verlangt mit ihrer Berufung die Aufhebung des Entscheids des Kreisgerichtes und die Abweisung der Klage. Deshalb kommt es nun am Freitag erneut zum Prozess, diesmal vor dem Kantonsgericht St. Gallen.

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