«Chilling Adventures of Sabrina»: Feministisches Remake der kultigsten Hexen-Serie
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«Chilling Adventures of Sabrina»Feministisches Remake der kultigsten Hexen-Serie

Mit «Chilling Adventures of Sabrina» bringt Netflix eine der beliebtesten Charaktere der Neunzigerjahre zurück auf den Bildschirm. Inklusive politisch korrektem Make-over.

von
ben
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Es wird wieder gezaubert bei Netflix.

Es wird wieder gezaubert bei Netflix.

Courtesy of Netflix
Der Streaming-Gigant bringt Hexe Sabrina wieder auf den Bildschirm.

Der Streaming-Gigant bringt Hexe Sabrina wieder auf den Bildschirm.

Dies in der neuen Serie «Chilling Adventures of Sabrina».

Dies in der neuen Serie «Chilling Adventures of Sabrina».

Diyah Pera/netflix

Pünktlich zur Halloween-Saison trumpft Netflix mit einem der meisterwarteten Serien-Remakes des Jahres auf und veröffentlichte am Freitag die gesamte erste Staffel von «Chilling Adventures of Sabrina». Wobei «Chilling Adventures» im engeren Sinne gar keine Neuauflage der Neunziger-Comedy «Sabrina – total verhext!» ist, sondern lose auf deren Comic-Vorlage basiert.

Gesellschaftskritik auf Meta-Ebene

Der Charakter der jungen Halb-Hexe Sabrina Spellman wurde erstmals im Jahre 1962 im Archie-Comic «Archie's Madhouse» vorgestellt und erhielt im Jahr 2014 seinen eigenen Ableger im Graphic-Novel-Format. Dabei ist und war Sabrina – ein ganz normaler Teenager mit Schul- und Liebesproblemen und Zauberkräften – seit jeher eine der beliebtesten Figuren des Archie-Universums. Mit der Darstellung durch Melissa Joan Hart erlangte sie insbesondere durch die oben erwähnte Sitcom weltweite Bekanntheit.

Der Trailer zur Serie.

(Video: Youtube)

Anders als der humorige Vorläufer – der zwar damals schon auf einer Meta-Ebene gewisse gesellschaftsrelevanten Themen satirisch behandelte, dabei oberflächlich sehr kinder- und familientauglich blieb – ist die Neuproduktion weitaus düsterer. Sowohl, was die Ästhetik der Sendung angeht, als auch inhaltlich. Die Freigabeempfehlung von 16 Jahren ist somit gut nachvollziehbar.

Kampf gegen das Patriarchat

Sabrina, gespielt von Kiernan Shipka (bekannt dafür, Don Draper's Tochter bei Mad Men zu spielen) ist die zeitgemässe, feministische Version der Halbhexe/Halbsterblichen, die mit ihren Tanten Hilda (Lucy Davis) und Zelda (Miranda Otto) in der Kleinstadt Greendale lebt.

Zu Beginn der Serie nähert sich Sabrina ihrem 16. Geburtstag, der von ihrer «dunklen Taufe» begleitet wird. Nach dem Ritual wird von ihr erwartet, dass sie die «Akademie der unsichtbaren Künste» besucht – eine Entscheidung, die sie fürchtet, da einige mächtige Mitglieder des Hexeninstituts auf sie herabsehen. Sie würde lieber in ihrer normalen High-School bleiben, wo sie zu einer Verfechterin der Political Correctness und des Kampfes gegen das Patriarchat geworden ist.

Zeitgemäss durch Anti-Machismo

So sieht sich Sabrina Spellman schon zu Beginn der Geschichte vor die Wahl gestellt: Unsterblichkeit und fast unlimitierte Kräfte – oder ein normales Leben. Doch so leicht lässt sich die junge Hexe nicht unterkriegen: «Ich will beides. Ich will Freiheit und Macht!». Mit der schwer im Trend liegenden Film-Noir-Ästhetik und mit seiner Sub-Story über die Stellung und Macht der Frauen in der Gesellschaft könnte «Chilling Adventures of Sabrina» zeitgemässer nicht sein.

Es ist einfach, die Serie als Widerstands-Manifest einzuschätzen, voll von nicht-binären Darstellern und Anti-Machismo. Und doch ist die Serie mehr, als ein einziger feministischer Moralkeulenschlag. Die Show steckt voller Beobachtungen über Details und Kompromisse und menschliche Abgründe. Über die Gelegenheiten, bei denen Sabrinas Zauberei sie in moralisch zweifelhaftes Gebiet führt.

Crossover der Kult-Serien

Das führt auch zur grössten Gemeinsamkeit zwischen «Sabrina – total verhext!» und der Netflix-Neuauflage: Die Show funktioniert gleichermassen sowohl als pures Entertainment an langweiligen Sonntagnachmittagen, als auch auf einer tiefergehenden Ebene voller Gesellschaftskritik und satirisch überspitzen Metaphern.

Die neue Version von «Chilling Adventures of Sabrina» wird von Roberto Aguirre-Sacasa betreut, der sich auch für die höchst erfolgreiche Netflix-Produktion «Riverdale» verantwortlich zeigt. Da beide Shows im gleichen Universum angesiedelt sind, sind bereits Gerüchte über Crossover-Episoden im Umlauf – und sehr wahrscheinlich. Fans dürfen sich freuen!

(ben/20 Minuten)

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