Umstrittener Gast: Feministisches Streikkollektiv will Luke Mockridge aus Hallenstadion werfen
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Umstrittener GastFeministisches Streikkollektiv will Luke Mockridge aus Hallenstadion werfen

Nach einer Pause wegen Vergewaltigungsvorwürfen kehrt der deutsche Comedian Luke Mockridge zurück auf die grosse Bühne. Vor dem Auftritt in Zürich formiert sich von feministischer Seite Widerstand.

von
Lisa Horrer
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Nach Vergewaltigungsvorwürfen zog Comedian Luke Mockridge sich aus der Öffentlichkeit zurück. Jetzt steht er wieder auf der Bühne. 

Nach Vergewaltigungsvorwürfen zog Comedian Luke Mockridge sich aus der Öffentlichkeit zurück. Jetzt steht er wieder auf der Bühne. 

Screenshot Instagram/thereallukemockridge
«Keine Show für Täter» fordert zum Beispiel das feministische Streikkollektiv Zürich. 

«Keine Show für Täter» fordert zum Beispiel das feministische Streikkollektiv Zürich. 

Screenshot Instagram/feministischerstreik_zh
Sie wollen, dass der Auftritt im Hallenstadion und die Tour von Mockridge abgesagt werden. Das Hallenstadion und der Veranstalter «Act Entertainment» halten am Auftritt fest. 

Sie wollen, dass der Auftritt im Hallenstadion und die Tour von Mockridge abgesagt werden. Das Hallenstadion und der Veranstalter «Act Entertainment» halten am Auftritt fest. 

Urs Jaudas

Darum gehts

  • Gegen den deutschen Comedian Luke Mockridge wurden im letzten Jahr Vergewaltigungsvorwürfe laut. 

  • Ende Mai tritt Mockridge im Hallenstadion auf. Das sorgt für Unmut. 

  • Das feministische Streikkollektiv Zürich fordert, den Auftritt und die Tour abzusagen. 

  • Das Hallenstadion findet den Auftritt von Mockridge legitim. Es liege keine Anklage gegen ihn vor. 

Am 29. Mai tritt der deutsche Comedian Luke Mockridge im Hallenstadion in Zürich auf. Doch nun regt sich Widerstand: Das feministische Streikkollektiv Zürich fordert in einem Instagram-Post «keine Show für Täter»; der Auftritt und die gesamte Tour sollen abgesagt werden. Zudem ruft die Gruppe zum Protest vor dem Hallenstadion auf. Denn gegen Luke Mockridge wurden in der Vergangenheit Vergewaltigungsvorwürfe erhoben - das Verfahren gegen ihn hat die Staatsanwaltschaft jedoch eingestellt.

Der Post des Streikkollektivs findet Unterstützung. So kommentiert eine Userin: «@hallenstadionzuerich noch ist es nicht zu spät abzusagen. Entscheidet euch dagegen, die Rape-Culture zu unterstützen.»

Auch unter dem Hashtag «Konsequenzen für Luke» formiert sich Widerstand gegen Mockridge und seine laufende Tour. Dort schreibt eine Userin: «Da es leider extrem selten klare Beweise bei sexualisierter Gewalt gibt, heisst ein eingestelltes Verfahren noch lange nicht, dass er unschuldig ist. Jeder, der ihn unterstützt, ist bewusst ignorant.»

Mockridge hat nicht nur Gegner

Trotz des eingestellten Verfahrens ist das feministische Streikkollektiv Zürich überzeugt, dass der Comedian ein «Täter» ist. Auf Anfrage teilte das Kollektiv schriftlich mit: «Bloss weil kein richterliches Urteil gefällt worden ist, heisst das nicht, dass die 12 FLINTAS*, (Anm. der Red. Frauen, Lesben, intersexuelle, nicht-binäre, trans und agender Personen), die sich bisher getraut haben, gegen ihn auszusagen und das gleiche übergriffige Verhaltensmuster beschrieben, nicht Recht haben.» Mockridge verfüge über viele Ressourcen, etwa Geld, gute Anwälte, ein riesiges Team und habe aussergerichtliche Abfindungen vereinbaren können.

Mit dem Protest vor dem Hallenstadion will das Kollektiv Betroffenen von sexualisierter Gewalt Unterstützung bieten, ihnen Gehör verschaffen und zeigen, dass ihnen geglaubt wird. Statt Täterschutz, fordern sie Schutz für die Opfer und dass Veranstalter ihre Verantwortung wahrnehmen.

Doch es gibt auch Rückhalt für Mockridge. Ein User findet es «grossartig», dass Mockridge sein Comeback hat.

Auch von einem andere Nutzer gibt es positive Worte: «Bravo! Genauso ist es richtig. Er will und kommt zurück in sein Luckyland!»

Auftritt ist legitim 

Der Veranstalter hält am Auftritt fest. Philipp Musshafen, CEO vom Hallenstadion, erklärt auf Anfrage, dass keine Anklage gegen Mockridge vorliege, er also rechtlich unbescholten und damit ein freier Mann sei. Für das Hallenstadion ist klar: Solange weder Urteil noch Einreisesperre gegen einen Act vorlägen und keine Gefahr für die Besuchenden von ihm ausgehe, fänden Auftritte der geladenen Acts statt. Zudem sehe sich das Hallenstadion «nur» als Location, so Musshafen. Das Hallenstadion prüfe Vorwürfe jeweils, allerdings betont Musshafen, «dass wir eben keine Richter sind». Die geplanten Proteste am Veranstaltungsort seien bekannt und würden vom Hallenstadion aufmerksam verfolgt.

Der Veranstalter Act Entertainment reagierte nicht auf Anfrage. Auf der Website verteidigt er Mockridge und schreibt: «Auch wenn es dem Berufsoptimisten Luke gerade schwer gemacht wird, gibt er wie immer alles, um mit jedem Lachen die Welt um sich herum ein klein wenig zu verbessern.»

Kommunikationsagenturen wollen sich zu dem Thema nicht mit Namen äussern, das Thema sei zu kontrovers. Ein Berater sagt etwa, der Auftritt sei legitim - da keine Verurteilung vorliege. Er kritisiert die Cancel-Kultur: Wenn jedes Werk mit dem Schöpfer in Verbindung gebracht werde, müsste alles gecancelt werden. Die heutige Cancel-Kultur verhindere es, als Gesellschaft weiterzukommen. 

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