SocialSitter: Ferien-Aushilfe fürs eigene Facebook-Konto
Aktualisiert

SocialSitterFerien-Aushilfe fürs eigene Facebook-Konto

Eine deutsche Werbeagentur bietet Babysitter für fremde Facebook-Profile an. Der vor sechs Monaten lancierte Dienst ist zwar nicht ernst gemeint - hat aber ungeahnte «Nebenwirkungen».

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dsc

Immer online sein. Oder wie es im Werbevideo von Socialsitter heisst: «Onliner gehts nicht!» Ob das wirklich der Traum vieler Facebook-Nutzer ist, sei mal dahingestellt. Die Hamburger Werbeagentur Kolle Rebbe hat auf jeden Fall im vergangenen Herbst das Projekt Socialsitter gestartet.

Wer sein Facebook-Profil fremdbetreuen lassen will, kann die Socialsitter-App aktivieren und sich einen persönlichen Profil-Sitter aussuchen. Dieser Pfleger oder die Pflegerin kümmert sich dann während der Abwesenheit des Profil-Besitzers um alles Nötige, veröffentlicht Kommentare und betätigt den Like-Button. Kostenlos. «Obwohl du eigentlich weg bist, bleibst du trotzdem da», heisst es im Werbevideo. Man könne getrost mehrere Wochen in die Ferien fahren und das eigene Facebook-Profil wirke niemals verwaist.

Schräge Typen

Die Video-Porträts der fünf Socialsitter sind dermassen schräg, dass sie gar nicht «echt» sein können. Alle Stereotypen sind vertreten - von der biederen Hausfrau über den Computer-Nerd bis zur ewigen Studentin und dem Fitness-Macker.

Wie wär's mit DJ Lebenslänglich?

Kim ist im 14. Semester . . .

Dustin mag Metal und Games . . .

Die Werbeagentur Kolle Rebbel hat inzwischen offiziell bestätigt, was viele längst vermutet hatten. Es handelt sich um einen PR-Gag, beziehungsweise Werbung in eigener Sache. «Die Socialsitter auf unserer Homepage sind Schauspieler», sagte ein Vertreter der Werbeagentur gegenüber dem deutschen Online-Portal «Der Westen».

Zu Beginn des Projekts im September 2011 seien mehrere hundert Anfragen eingegangen. Mittlerweile nutzten etwa 50 Personen die programmierte Facebook-App. Entgegen dem Werbevideo sind es also nicht Menschen aus Fleisch und Blut, die für Leben in fremden Facebook-Profilen sorgen. Die Einträge werden vielmehr vom Computer generiert. Vor der Veröffentlichung eines Postings müssen die Nutzer aber ihr Einverständnis eingeben.

Socialsitter - ein Traumjob?

Während die Nachfrage nach professionellen Profil-Betreuern nicht gerade gross scheint, träumen offenbar viele Leute davon, selber einmal Facebook-Sitter zu sein. Bei der Hamburger Werbeagentur sind laut Medienbericht viele Anfragen eingegangen.

Die Werbeagentur hat sich den professionell wirkenden Web-Auftritt einiges kosten lassen. Neben dem wertvollen Werbe-Effekt wollen die Verantwortlichen mit ihrer Facebook-App das Nutzerverhalten im Web studieren. Socialsitter wird weiterhin gratis angeboten - und soll es angeblich auch langfristig bleiben.

Die Kommentare bei YouTube reichen von Verärgerung bis Begeisterung. Ein Besucher schreibt: «Eine Person, die man nicht ist, kommuniziert mit Freunden, die man nicht hat. Facebook hat sein Endstadium erreicht.»

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