Jugend in der Pandemie – Jungparteien fordern «sofortigen und massiven Ausbau» des psychotherapeutischen Angebots
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Pandemie Ferien, Gutscheine und Betreuung – Politiker fordern Angebote für Junge

Jetzt sei es an der Zeit, etwas für die Jugend zu tun, die in der Pandemie übermässig gelitten habe, sagen Politikerinnen und Politiker.

von
Claudia Blumer
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«Wir haben einen psychologischen Notstand»: Juso-Chefin Ronja Jansen.

«Wir haben einen psychologischen Notstand»: Juso-Chefin Ronja Jansen.

Tamedia
Dass Jugendliche ein Jahr auf eine Behandlung warten müssen, sei der Schweiz unwürdig, sagt Marc Rüdisüli, Präsident der Jungen Mitte.

Dass Jugendliche ein Jahr auf eine Behandlung warten müssen, sei der Schweiz unwürdig, sagt Marc Rüdisüli, Präsident der Jungen Mitte.

Die Mitte
David Trachsel, Präsident der Jungen SVP, fordert eine parlamentarische Untersuchungskommission (PUK), um das «unzumutbare Verhalten» der Politik gegenüber den Jungen aufzuarbeiten.

David Trachsel, Präsident der Jungen SVP, fordert eine parlamentarische Untersuchungskommission (PUK), um das «unzumutbare Verhalten» der Politik gegenüber den Jungen aufzuarbeiten.

SVP

Darum gehts

Kinder und Jugendliche haben in der Pandemie besonders gelitten: Homeschooling, Masken, Zertifikatspflicht an höheren Schulen. Und schliesslich der Befund, dass es viel zu wenig Kinder- und Jugendpsychologinnen und -psychologen hat, wie Tamedia-Zeitungen berichten (Bezahlartikel). Auch hat der Digital-Konsum bei Kindern und Jugendlichen während der Pandemie massiv zugenommen.

Juso-Chefin Ronja Jansen fordert einen «massiven und sofortigen Ausbau» der psychologischen Betreuungsangebote. «Wir haben einen psychologischen Notstand», sagt sie. Gerade viele junge Menschen erhielten im Moment nicht die Unterstützung, die sie brauchen. Diese Investitionen dürften später aber nicht gegen andere Gesundheitsmassnahmen ausgespielt werden.

Auch zusätzliche Ferientage wären begrüssenswert, dies aber nicht nur für Jugendliche, sondern für die ganze Bevölkerung. «Diese Pandemie hat alle Generationen stark belastet.»

Auch Marc Rüdisüli, Präsident der Jungen Mitte, fordert sofortige Investitionen in das psychologische Angebot. «Jugendliche sind über alle Altersgruppen hinweg betrachtet von den Folgen der Covid-19-Krise psychisch am meisten belastet», sagt er. Die Jugendpsychiatrien seien überbelegt, Jugendliche seien auf langen Wartelisten. «Es dauert zum Teil fast ein Jahr, bis sie dran sind.» Momentan könne die Schweiz ihnen also nicht die Behandlung bieten, die ihnen zustehen würde. «Das muss sich sofort ändern. Das ist der Schweiz nicht würdig.» Die Junge Mitte fordere, dass der Zugang zu Hilfs- und Therapieangeboten rasch und unbürokratisch ausgebaut werde. Ebenfalls müssten die Angebote bekannter gemacht werden.

Feiern und Hobbies ausüben

Die Junge SVP fordert gar eine parlamentarische Untersuchungskommission (PUK), um «das unzumutbare Verhalten der Politik gegenüber den Jungen sauber aufzuarbeiten», wie Präsident David Trachsel sagt. Die Jungen brauchten jetzt die Möglichkeit, in Selbstverantwortung und Freiheit ihr Leben in die Hand nehmen zu können. 

Jill Nussbaumer, Vizepräsidentin der Jungfreisinnigen, pocht ebenfalls auf Handlungsfreiheit. Die Lücken in Bildung und Beruf, welche die Pandemie verursacht habe, können nicht vollständig rückgängig gemacht werden, sagt sie. «Schon gar nicht mit kurzfristigen Massnahmen wie Goodies oder Gutscheinen.» Jugendliche müssten wieder die Freiheit haben, auch zu feiern und Hobbies auszuüben sowie am Arbeitsplatz unter Leuten zu sein.

Sportclubs sind übervoll

«Die Jungen gehen in dieser Pandemie vergessen», sagte Gesundheitspolitikerin und Mitte-Nationalrätin Ruth Humbel schon im Dezember. Und sie ist immer noch dieser Ansicht. Um die ältere Bevölkerung zu schützen, habe man die Jungen über Gebühr eingeschränkt. Humbel fordert ein sofortiges Massnahmen-Ende an allen Schulen und Bildungseinrichtungen sowie freien Zugang für unter 25-Jährige in Clubs, Sport- und Freizeiteinrichtungen aller Art. Dies wird nun womöglich für die ganze Bevölkerung schon bald Realität.

«Man musste vor allem die ältere Bevölkerung vor Corona schützen», sagt Pierre-Yves Maillard, SP-Nationalrat und Präsident des schweizerischen Gewerkschaftsbunds. «Doch jetzt ist es an der Zeit, etwas für die Jungen zu tun.» Maillard fordert Investitionen in Sportclubs und Kulturvereine für Jugendliche auf allen Ebenen, Bund, Kanton und Gemeinden. In Renens VD, wo er wohnt, gebe es Jugendliche, die gern Fussball spielen würden, doch die Sportclubs hätten nicht genug Kapazität, um alle aufzunehmen, sagt Maillard, selbst Vater zweier Teenager. «Viele Familien haben das Geld nicht, um Skiferien zu machen. Eine Unterstützung dieser Familien mit Geld oder Gutscheinen würde auch der Tourismus-Branche helfen.»

Auch eine Woche Extra-Ferien könne sinnvoll sein, sagt Maillard. Aber nur bei gleichzeitigem Ausbau des Angebots. Oder verbunden mit einem Gutschein, etwa für einen Aufenthalt im Wintersportgebiet.

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