Aktualisiert 26.07.2011 15:33

Hungersnot in Ostafrika

«Ferienloch» beim Spenden

Angesichts der dramatischen Lage am Horn von Afrika will die EU ihre Nothilfe für die dürregeplagte Region binnen weniger Tage erneut aufstocken. Spenden hingegen fliessen nur spärlich.

Angesichts der dramatischen Lage am Horn von Afrika will die EU ihre Nothilfe für die dürregeplagte Region binnen weniger Tage erneut aufstocken. Es gehe um eine «bedeutende Erhöhung», sagte die für humanitäre Hilfe zuständige EU-Kommissarin Kristalina Georgieva. Vorvergangene Woche hatte die Kommission ihre Hilfe für das Horn von Afrika für 2011 um 5,7 Millionen Euro auf rund 70 Millionen Euro erhöht.

Georgieva äusserte sich zur Bitte der islamistischen Shebab-Miliz in Somalia um internationale Hilfe von Anfang Juli mit gemischten Gefühlen. Dies sei «ein Zeichen von Verzweiflung und von Hoffnung» für die Hungernden, sagte die EU-Kommissarin am Montag in Brüssel.

Die Miliz hatte jahrelang in den von ihr kontrollierten Gebieten ausländischen Helfern die Arbeit verboten, unter dem Eindruck der Hungerkatastrophe ihre Haltung jedoch geändert.

14 Mio. Franken bereitgestellt

Die UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) will kommende Woche ein Sondertreffen zur Lage in Somalia abhalten. Auch die Schweiz hat auf die dramatische Zuspitzung der Not am Horn von Afrika reagiert.

Das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) teilte am Montag mit, der Bund stelle einen zusätzlichen Kredit in Höhe von 4,5 Millionen Franken zur Verfügung.

Die Hilfe richte sich an Flüchtlinge in Äthiopien, Kenia und Somalia. Laut eigenen Angaben hat die Schweiz seit Anfang des Jahres 14 Millionen Franken für die Krisenregion bereitgestellt.

Spenden fliessen nur spärlich

Auf dem vor Wochenfrist eingerichteten Konto der Glückskette zugunsten der von der Hungersnot betroffenen Menschen sind erst spärlich Spenden eingegangen. «Es gibt ein Ferienloch», sagt Alain Geiger, Leiter Projekte der Glückskette.

Bislang trafen auf dem Konto erst etwa 100 000 Franken ein. «Die Aufmerksamkeit für das Thema auch in den Medien entspricht nicht dem Ausmass der Katastrophe», sagte Geiger der sda.

Die Glückskette überlegt derzeit, ob eine zweite Stufe der Sammeltätigkeit eingeleitet werden soll, die dann auch TV- und Radiospots beinhalten würde. Erst wenn mehrere Millionen Franken zusammengekommen sind, können die Hilfswerke neben der Nothilfe auch längerfristige Projekte lancieren, wie Geiger betonte.

Schlimmste Dürre seit 60 Jahren

Bereits der akute Bedarf ist riesig: Fast elf Millionen Menschen sind nach UNO-Angaben von der Hungerkatastrophe bedroht. Tausende Flüchtlinge aus dem auch vom Bürgerkrieg versehrten Somalia suchen täglich Zuflucht in den Nachbarländern. Betroffen sind zudem Millionen von Farmern und Viehhaltern in Kenia und Äthiopien.

Befürchtet wird laut Geiger, dass auch in dem eben erst gegründeten Staat Südsudan eine Hungersnot ausbrechen könnte. Die Dürre in Ostafrika gilt als die schlimmste der vergangenen 60 Jahren.

Fünf Schweizer Hilfswerke vor Ort

Fünf Partnerhilfswerke der Glückskette sind derzeit in einem der Länder der Region tätig: das Rote Kreuz, Médecins Sans Frontières, Caritas, ADRA sowie HEKS, das soeben 300 000 Franken Soforthilfe für die Opfer der Dürrekatastrophe in Äthiopien freigab.

Auch andere Schweizer Hilfswerke gaben die Freigabe umfangreicher Mittel bekannt. Die CBM Christoffel Blindenmission stellte 100 000 Franken für Nothilfe in Kenia bereit, Worldvision setzt nach eigenen Angaben 800 000 Franken zur nachhaltigen Bekämpfung der Dürre und für humanitäre Nothilfe ein. (sda)

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