Malediven: Ferienparadies unterwegs zur Demokratie

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MaledivenFerienparadies unterwegs zur Demokratie

Die Bürger der Malediven waren heute zur ersten demokratischen Präsidentschaftswahl in der Geschichte des islamischen Inselstaats aufgerufen.

Die Abstimmung wurde von vielen als Referendum über den seit 30 Jahren regierenden Präsidenten Maumoon Abdul Gayoom gewertet, der sich für eine weitere fünfjährige Amtszeit beworben hat. Gegen ihn traten fünf Kandidaten an. Sollte kein Bewerber die absolute Mehrheit erhalten, findet eine Stichwahl statt. Es wurde am Mittwoch mit einer hohen Beteiligung der 208 000 Wahlberechtigten gerechnet.

Der neue Staatschef muss sich unter anderem mit einem wachsenden Drogenproblem unter den Jugendlichen und zunehmendem Fundamentalismus auseinandersetzen. Zudem sind die aus mehreren hundert Inseln bestehenden Malediven besonders stark durch steigende Meeresspiegel aufgrund des Klimawandels bedroht.

2004 mit Reformen begonnen

Maumoon Abdul Gayoom hat angesichts massiver Proteste und internationalem Druck im Jahr 2004 mit Reformen begonnen. Im August wurde eine neue Verfassung ratifiziert, die Mehrparteienwahlen und zahlreiche weitere demokratische Reformen garantiert. Korrespondenten berichteten der BBC von einem harten und lebhaften Wahlkampf mit vielen Kundgebungen in der Hauptstadt Male.

Anhänger des Präsidenten haben im Wahlkampf darauf verwiesen, dass Gayoom die Malediven zu einem auch bei vielen Schweizern beliebten Ferienparadies im Indischen Ozean gemacht hat. Der 71-Jährige betonte, er habe «ein sicheres Paar Hände» und werde die Wirtschaft des Landes – besonders den Tourismussektor – am Laufen halten. Unter seiner Führung seien die Malediven zur reichsten Wirtschaft Südasiens geworden.

Seine Gegner werfen ihm dagegen eine diktatorische Herrschaft vor. Ihr aussichtsreichster Kandidat ist Mohamed Nasheed von dem maledivisch-demokratischen Partei (MDP), ein ehemaliger politischer Gefangener. Er wolle eine Regierung mit Vertretern aller Parteien bilden, erklärte Nasheed. Auch versprach er eine Abkehr der von Gayoom praktizierten Vetternwirtschaft: «Wir haben etwa 44 seiner Familienmitglieder in hohen Ämtern gezählt.»

(pbl/ap)

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