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Ferienstimmung trotz Bombenterror

Fünf Bombenanschläge in der Türkei haben die Stimmung an den Stränden und in den Clubs nicht trüben können. Bestes Beispiel dafür ist Antalya, wo wenige Stunden nach einem tödlichen Bombenanschlag schon wieder türkische Popmusik aus den Discotheken auf die Promenade dringt.

Die Reiseveranstalter in Antalya verzeichnen nur vereinzelte Stornierungen, die Gäste wollen sich ihre Urlaubspläne offenbar von Terroristen nicht durchkreuzen lassen. «Wir haben keine Veränderungen bemerkt und wir erwarten auch keine Veränderungen», sagte der 20-jährige Necip Murat, der in einem Reisebüro im Stadtzentrum arbeitet. «Terroranschläge passieren überall auf der Welt. Das ist normal.»

Diese Eindruck bestätigt die Chefin der Kundenbetreuung beim britischen Veranstalter Anatolian Sky Holidays, Karen Brian. «Die meisten Leute finden offenbar, dass solche Dinge überall geschehen können und dass ihnen niemand den Urlaub verderben kann.» Obwohl das britische Aussenministerium vor der Bedrohung durch terroristische Anschläge in der Türkei warnt, sagten nur wenige Briten ihren geplanten Urlaub ab.

Zu dem Anschlag in Antalya bekannten sich am Dienstag die Rebellen der Freiheitsfalken Kurdistans. Sie verübten nach eigenen Angaben auch Anschläge in Marmaris und Istanbul, bei denen es keine Todesopfer gab. In Marmaris wurden jedoch 21 Menschen verletzt, darunter zehn Touristen aus Grossbritannien. Mit ihren Anschlägen will die Gruppe nach eigener Aussage den türkischen Staat treffen.

Antalya ist der grösste türkische Touristenort. In der Stadt leben 600.000 Menschen, in der Hauptsaison können es bis zu zwei Millionen werden. Ein Anschlag dort trifft die türkische Tourismusindustrie ins Herz - und damit eine der wichtigsten Einnahmequellen der Wirtschaft.

Die Explosionen ereigneten sich allerdings zum Ende einer ohnehin schwachen Saison für die Hoteliers in der Türkei. Zum ersten Mal seit 1999 ging die Zahl der Besucher zurück. Schon vor den Anschlägen blieben die malerischen Strände und schicken Bars häufig leer. Der Tourismus wurde gestört von vorangegangenen Anschlägen, Warnungen vor weiteren sowie einem Ausbruch der Vogelgrippe in diesem Jahr.

Die Regierung scheint bemüht, die öffentliche Warnungen der Anschläge möglichst zu beschränken. Während internationale Medien ausführlich über die Bombenexplosionen berichteten, erwähnten örtliche Fernseh- und Radiosender sie nur am Rande. «Ich wusste, dass es das Problem gibt», sagt der Italiener Stefano Mincu, der mit seiner Freundin in Antalya Urlaub macht. Von den Anschlägen habe er erst in einem Telefongespräch mit seiner besorgten Mutter erfahren.

Im Jahr 2005 nahm die Tourismusindustrie in der Türkei umgerechnet 14 Milliarden Euro ein. Knapp elf Millionen davon stammten von ausländischen Besuchern. Die Zahl der Touristen in der Türkei fiel im Vergleich zum Vorjahr um 2,2 Prozent. (dapd)

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