Zürich: Ferienwohnung bewertet – teure Post vom Anwalt
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ZürichFerienwohnung bewertet – teure Post vom Anwalt

Auf Wimdu.ch bewertete ein Zürcher eine Ferienwohnung in Berlin negativ. Nun will ihn der Vermieter verklagen, falls er den Kommentar nicht löscht.

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som
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Auf dem Internetportal Wimdu buchte J. Sollberger eine Ferienwohnung in Berlin. Als er nach dem Aufenthalt einen negativen Kommentar postete, meldete sich der Vermieter Topflat-Berlin bei Sollberger.

Auf dem Internetportal Wimdu buchte J. Sollberger eine Ferienwohnung in Berlin. Als er nach dem Aufenthalt einen negativen Kommentar postete, meldete sich der Vermieter Topflat-Berlin bei Sollberger.

Blick in ein Apartment von Topflat-Berlin an der Warschauerstrasse in Friedrichshain.

Blick in ein Apartment von Topflat-Berlin an der Warschauerstrasse in Friedrichshain.

Topflat Berlin

Mit einem Freund verbrachte J. Sollberger aus Zürich kürzlich vier Tage in einer Ferienwohnung in Berlin. Diese reservierte er über die Onlineplattform Wimdu, auf der Private und Firmen ihre Wohnung ausschreiben können. Zufrieden war er aber mit seiner Bleibe an der Warschauerstrasse nicht. Deshalb schrieb er nach seinem Aufenthalt, als er von Wimdu zu seiner Bewertung aufgefordert wurde, Folgendes:

«Die Wohnung war sauber, gross und gut platziert. Schlafen war aber fast unmöglich, da es im Zimmer auf der Strassenseite lärmig war. Zudem ist es für den Preis nicht in Ordnung, dass man die Badetücher und Internet zusätzlich zahlen muss. Skandalös finden wir auch, dass wir am Ende noch 25 Euro für die Reinigung bezahlen mussten, obwohl wir dies über Wimdu bereits getan haben und das Geschirr bei der Übergabe noch nicht aus der Abwaschmaschine geräumt und der Abfall nicht entsorgt war. Dann wurden wir am Samstagmorgen vom Vermieter ohne Voranmeldung geweckt, weil er einem Bauarbeiter den Balkon zeigen musste.»

Kommentar muss sofort gelöscht werden

Der Vermieter der Wohnung, die Firma Topflat-Berlin, reagierte prompt. Per Mail schrieb er Sollberger, dass die Bewertung nicht der Wahrheit entspreche. Unter anderem argumentierte er, dass das Apartment, das sich in einem Partyviertel befindet, nicht als ruhig beschrieben wurde. Sich danach zu beklagen, sei Geschäftsschädigung. Auch seien alle Zusatzkosten vorab fair und unmissverständlich in der Beschreibung dargestellt.

Er habe nun einen Tag Zeit, die «Falschdarstellungen» aus Wimdu zu entfernen, schrieb der Vermieter. Sonst habe dies eine «kostenintensive Aufforderung zur Unterlassung» über einen Anwalt zur Folge. Für Sollberger ist diese Drohung unverständlich: «Als Unternehmen muss man damit umgehen können, auch mal eine schlechte Bewertung zu erhalten.»

Abmahnung und teure Rechnung von einem Anwalt

Dies sah man bei Topflat-Berlin offenbar nicht so, denn nach einem Tag erhielt Sollberger tatsächlich Post von einem Berliner Anwalt. «Bei der von Ihnen behaupteten Tatsache handelt es sich nachweislich um eine unwahre Tatsachenbehauptung, die unsere Mandantschaft in dem ihr zustehenden Unternehmenspersönlichkeitsrecht verletzt», hiess es im Schreiben der Kanzlei etwa. Zudem werde dadurch der Kredit des Vermieters gefährdet.

Ebenfalls legte die Kanzlei eine Unterlassungserklärung bei, die Sollberger bis spätestens am 30. Dezember unterschrieben zurückschicken sollte – sonst werde man gerichtliche Schritte einleiten, wodurch für ihn Kosten von mehrere 1000 Euro entstehen würden. Für die Abmahnung stellte die Kanzlei Sollberger 565 Euro in Rechnung.

«Negative Bewertung ist erlaubt»

Der Schweizer Medienanwalt Reinhard Oertli rät, auf dieses Schreiben nicht zu reagieren: «In der Schweiz jedenfalls hätte diese Forderung keine Chance vor Gericht.» Eine negative Bewertung sei erlaubt, solange sie keine falschen Tatsachen enthalte oder beleidigend sei. «Dies hat Herr Sollberger mit seiner Kritik nicht getan.»

Dies sieht man auch bei Wimdu so, wie Sprecherin Rebecca Pendleton auf Anfrage sagt. «Ehrliche und aussagekräftige Bewertungen sind von uns ausdrücklich gewünscht, da sie unseren Kunden eine wichtige Orientierung geben.» Darüber seien sich auch die Gastgeber im Klaren. «Wir sind gerade dabei, den Vermieter und den betroffenen Gast zu kontaktieren, um den Fall zu klären», so Pendleton.

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