1:0 gegen Spanien: Fernandes: «Ein Traum ist in Erfüllung gegangen»
Aktualisiert

1:0 gegen SpanienFernandes: «Ein Traum ist in Erfüllung gegangen»

Nach dem historischen 1:0-Sieg gegen Europameister Spanien herrschte im Schweizer Lager zurecht überschäumende Freude und Stolz, etwas Grosses geschafft zu haben.

von
Sandro Compagno
Durban

Matchwinner der Partie war natürlich Torschütze Gelson Fernandes, der sich nach Spielschluss gerne den Medien stellte: «Ein Traum ist in Erfüllung gegangen. Wir haben sehr solidarisch gespielt. Jetzt gilt es, auf dem Boden zu bleiben. Heute Abend können wir uns freuen, aber bereits morgen geht die Arbeit weiter. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir noch zwei weitere Spiele haben. Gegen Chile wird es sehr schwer, denn jetzt wissen die Chilenen, wie wir spielen.»

«General» Ottmar Hitzfeld war nach Spielschluss zurecht stolz auf seine WM-Truppe: «Ja träumen darf man immer, ich hatte ein gutes Gefühl, die Mannschaft war sehr konzentriert. Wir hatten nichts zu verlieren, und waren von Anfang an gut organisiert. Es war sehr wichtig, dass wir nicht zu offen spielten, um nicht ausgepielt zu werden.»

Keine Bänderverletzung bei Senderos

Philippe Senderos erlitt nach einer ersten Diagnose keine Bänderverletzung. Der Verteidiger erhielt einen Schlag auf das Sprunggelenk. Natürlich macht sich Coach Hitzfeld Sorgen um seinen Abwehr-Haudegen: «Wir können noch keine klare Diagnose machen, der Fuss ist geschwollen, es sieht nicht so gut aus, aber wir müssen noch bis morgen abwarten.»

Entwarnung gab es bei Eren Derdiyok. Der Stürmer erlitt bei der Aktion, die zum Schweizer Siegestor führte eine leichte Prellung an der Hüfte. Die Verletzung ist gemäss Wetzel nicht gravierend.

Diego Benaglio, der eine einwandfreie Leistung ablieferte, gab sich nach dem Sieg trotz aller Freude auch realistisch: «Wir wussten, dass uns ein schweres Spiel erwartet, aber der Trainer machte uns klar, dass wir gegen die Spanier nicht der Favorit waren und entsprechend befreit aufspielen konnten. Ich freute mich enorm auf dieses Spiel, im Grossen und Ganzen ist mir ein gutes Spiel gelungen.»

Ein Sieg der Mannschaft

Mittelfeld-Läufer Tranquillo Barnetta war nach den gloriosen 95 Minuten ziemlich erschöpft: «Ich bin ziemlich erledigt, wir haben alles gegeben und können es noch kaum realisieren, dass wir das geschafft haben. Kaum einer hat uns das zugetraut - jetzt haben wir es den Kritikern gezeigt.»

«Ein fast perfektes Spiel», sah Aussenverteidiger Stephan Lichtsteiner. «Es war ein fast perfektes Spiel. Defensiv waren wir hervorragend und mit einigen Kontern konnten wir für Gefahr sorgen. Wir liessen die Spanier spielen, wo es ungefährlich war. Und sobald sie in die Gefahrenzone kamen, haben wir sie abgebissen. Dieses 1:0 ist ein Traum - aber der Traum soll jetzt weitergehen. Gegen Chile wollen wir wieder gewinnen. Wir dürfen jetzt nicht zu euphorisch werden, sondern konzentriert weiter arbeiten. Wir haben eine Super-Mannschaft.»

Zu seinem Rencontre mit Senderos, das zum Ausscheiden des Sportkameraden führte: «Natürlich habe ich das mitbekommen, schliesslich spürte ich ihn ja am Fuss. Es ist dumm gelaufen, es tut mir leid für ihn, Ich hoffe, es ist nichts schlimmes.»

Und auf die Frage, ob das sein bestes Länderspiel gewesen sei: «Ich habe keine Lust, über persönliche Leistungen zu sprechen. Die ganze Mannschaft war super.»

Zu euphorischen Aussagen nach diesem historischen, ersten Sieg im 19. Duell mit Europameister Spanien liess sich kein Akteur verleiten.

Nicht Captain Gökhan Inler: «Das war erst ein Teilerfolg, das erste von drei Spielen. Ich bin mega-stolz, dass wir das erste Mal überhaupt gegen Spanien gewinnen konnten. Es war nicht so einfach. Aber wir haben noch zwei Spiele vor uns, wir haben noch nichts erreicht. Wir haben Moral und Stärke bewiesen. Das Spiel gegen Chile wird sicher ganz ähnlich. Mit drei Punkten wirst du nicht Gruppensieger. Die Kommunikation war heute sehr wichtig. Der Lärm im Stadion zwang uns aber dazu, zu schreien, wenn wir kommunizieren wollten. Schlüssel war, dass wir das Zentrum dicht gemacht haben, die Spanier kamen kaum einmal über die Mitte.»

Nicht Steve von Bergen: «Wir müssen jetzt kühlen Kopf bewahren.» Nicht Stéphane Grichting: «Wir haben nicht die Qualität der Spanier. Aber wir haben unsere Schwächen mit grossem Herzen wettgemacht.»

Auch der für den verletzten Senderos ins Spiel gekommene Von Bergen bewahrt trotz der Sensation kühlen Kopf. «Bei meiner Einwechslung ging mein Puls schon höher und meine ersten zwei Aktionen waren auch nicht gut. Dann lief es aber immer besser. Die Mannschaft hat eine tolle Moral und ausgezeichnet gearbeitet. Wir müssen jetzt kühlen Kopf bewahren und konzentriert bleiben.»

Auch der bärenstarke Derdiyok blies ins gleiche Horn: «Als Mannschaft haben wir sehr gut gearbeitet. Man sah, dass wir nicht der Favorit waren. Spanien hatte mehr als 60 Prozent Ballbesitz, aber wir waren sehr effizient: 2 Chancen, 1 Tor - die Effizienz hat entschieden. Das Zusammenspiel mit Blaise hat sehr gut geklappt. Vor allem in der zweiten Halbzeit, als die Spanier mehr Druck machten. Das gab uns mehr Raum. Über den Pfostenschuss würde ich mich ärgern, wenn es jetzt 0:0 ausgegangen wäre.»

Spaniens Coach Vicente Del Bosque konnte sein Staunen über den Auftritt der Schweizer nicht verbergen: «Das war eine Überraschung. Es war nicht unser Tag. Uns hat auf den letzten Metern die Präzision gefehlt, obwohl wir dominiert haben.»

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