Lancia Thema 8.32: Ferrari-Pferdestärken für die ganze Familie
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Lancia Thema 8.32Ferrari-Pferdestärken für die ganze Familie

Auch früher war es teuer, Ferrari zu fahren. Aber mit dem Thema 8.32 hatte man immerhin einen Ferrari-Motor unter der Haube. Schön ist der Wagen bis heute.

von
Bruno von Rotz
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Natürlich untersteuert der Lancia Thema 8.32 ein wenig, das war für Frontantriebslimousinen damals der Normalfall.

Natürlich untersteuert der Lancia Thema 8.32 ein wenig, das war für Frontantriebslimousinen damals der Normalfall.

Daniel Reinhard / www.zwischengas.com
Auch heute noch ist der Lancia Thema 8.32 ein schnelles Auto.

Auch heute noch ist der Lancia Thema 8.32 ein schnelles Auto.

Daniel Reinhard / www.zwischengas.com
Fast 240 km/h beträgt die Höchstgeschwindigkeit des Lancia Thema 8.32.

Fast 240 km/h beträgt die Höchstgeschwindigkeit des Lancia Thema 8.32.

Daniel Reinhard / www.zwischengas.com

Der Thema war die erste von vier Limousinen, die aus der durch die Hersteller Lancia, Fiat, Alfa Romeo und Saab entwickelten Plattform «Tipo 4» resultierte. Es war eine Oberklasse-Limousine, die nicht nur den Beta und den Gamma ersetzen konnte, sondern sich auch zu einem bis 1995 in drei Serien gebauten Erfolgsmodell für den Turiner Hersteller entwickelte.

Den Lancia Thema gab es mit verschiedenen Motoren und dank Turbo mit bis zu 201 PS Leistung. An Pferdestärken mangelte es der italienischen Limousine also nie. Auch das Design überzeugte mit Eleganz, Giugiaro verantwortete die Linienführung der klassischen Dreivolumenlimousine.

Eine Marketing-Idee

1986 präsentierte Lancia die Variante 8.32. Die sperrige Bezeichnung – lieber hätte man den Wagen wohl Lancia-Ferrari Thema genannt – deutete auf das neue Triebwerk hin, das aus dem Ferrari 308 GTB stammte und 2927 cm3 Hubraum und 32 Ventile aufwies.

Vor der «Transplantation» hatte man allerdings intensiv in die Motormechanik eingegriffen, änderte Kurbelwelle und Zündfolge. Das liess das Aggregat turbinenartiger und weniger aggressiv klingen. Damit taugte es dann auch für den Limousineneinsatz.

Auf 215 PS brachte es der kultivierte Sportwagenmotor in der ECE-Ausführung, auf 205 in der Katalysatorversion. Die Höchstleistung lag bei 6750 Umdrehungen – ganz abgelegt hatte der Motor seine Sportorientierung also trotz der Anpassungen nicht. Alleine wegen der Leistungssteigerung wäre der neue Motor sicher nicht nötig gewesen, hier ging es um Prestige.

Noble Ausstattung

Dies zeigte sich auch an der Ausstattung, die nobel und luxuriös daherkam. Teppiche, viel Leder und Edelholz strahlten Wohnzimmer-Atmosphäre aus. Eine vollautomatische Klimaanlage war genauso vorhanden wie elektrische Sitzverstellung, Fensterheber, Sitzheizung oder ein umfangreiches Überwachungsinstrumente-Inventar. Ein elektronisches Fahrwerk oder ein elektrisches Schiebedach konnten ebenfalls bestellt werden.

Eine serienmässige Besonderheit war der ausfahrbare Heckspoiler, der mittels Drehschalter am Lenkrad rechts aktiviert wird und die Kofferraumgrösse von nun 470 Litern leicht reduzierte. Ein Erkennungszeichen der Spitzen-Limousine waren im Übrigen die von Hand aufgemalten Zierstreifen sowie Kühlergrill und Räder, die in Anlehnung an Ferrari konzipiert wurden.

Nicht superschnell

Annähernd 70'000 Franken oder rund doppelt so viel wie einfachere Varianten des Lancia kosteten 1,5 Tonnen 8.32. Heute reichen gut 15'000 Franken für einen «Lancia-Ferrari» in gepflegtem Zustand.

Immer noch bereitet der Wagen viel Fahrfreude. Er ist überraschend handzahm. Und wer je den Vergleich mit dem Ferrari 308 GTB machen konnte, ist überrascht von der gänzlich anderen Tonkultur des 32-Ventilers, der vor allem im unteren Drehzahlbereich mehr an BMW-V8-Motoren als an solche von Ferrari erinnert.

Das Interieur strömt so viel Wohlfühlatmosphäre aus, dass man fast schon im Heck Platz nehmen möchte, wo einst auch Enzo Ferrari in seinen letzten Tagen sass, um die Soundanlage mit den einzeln regelbaren Kopfhörern zu testen. Doch vorne macht der Lancia einfach mehr Spass, und man geniesst die überlegenen Fahrleistungen, die mühelose Bedienung und die gute Rundumsicht. Allein die Anzeigen-Vielfalt macht ein wenig ratlos.

Weitere Informationen und Bilder sowie ein Tonmuster finden sich auf www.zwischengas.com.

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