Jamaicas Doping-Verdächtige: Fertig eitler Sonnenschein für die Karibik-Sprinter

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Jamaicas Doping-VerdächtigeFertig eitler Sonnenschein für die Karibik-Sprinter

Über den Sprintern der Karibik-Insel Jamaika braut sich durch den Dopingskandal ein mächtiger Tropensturm zusammen. Mit Saisonaufsteiger Yohan Blake (19) und Marvin Anderson (27) befinden sich zwei Klubkollegen von Usain Bolt unter den fünf Verdächtigten.

Blake und Anderson sollen Ende Juni bei den nationalen Meisterschaften in Kingston eine positive A-Probe auf eine noch unbekannte Stimulans abgeliefert haben. Nebst den beiden Sprintern sollen die 400-m-Läufer Lanceford Spence (26) und Allodin Fothergill (22) sowie 100-m-Spezialistin Sheri-Ann Brooks (26) betroffen sein, wie die italienische Zeitung «Gazzetta dello Sport» berichtete. Das Quintett war komplett für die WM in Berlin (15. bis 23. August) selektioniert.

Bolt zeigte sich am Freitagabend in London von den Spekulationen um die zu diesem Zeitpunkt bestätigten, aber noch nicht namentlich bekannten Fälle beunruhigt. «Das ist traurig für unseren Sport, der sich so gut entwickelt hat. Jetzt wird alles hinterfragt, was von Jamaika kommt», sagte der 22-Jährige nach seinem Sieg in 9,91 Sekunden. Obwohl der Superstar ebenso wie Asafa Powell nicht betroffen ist, wirft der Dopingskandal ein schiefes Licht auf die Erfolge des dreifachen Olympiasiegers.

Hinter Bolt war am Freitag Yohan Blake in 10,11 auf Rang zwei gesprintet. Eine Leistung, die ins Bild passte: Denn Blake, der von Bolt-Coach Glen Mills trainiert wird, machte in diesem Jahr einen enormen Leistungssprung und verbesserte sich jüngst in Paris auf 9,93. In London gab sich Blake unwissend. Er sei über nichts informiert worden, antwortete er einem Reporter der «Gazzetta».

Trotz der Verdächtigungen lief Blake zusammen mit Bolt am Samstag mit dem «Racers Track Club» die 4x100 m. Die viertbeste je gelaufene Zeit (37,46) in dieser Disziplin trug nicht dazu bei, die Spekulationen über die jamaikanischen Sprinter abklingen zu lassen.

Am Freitag hatte die nationale Anti-Doping-Kommission Jamaikas die positiven Dopingtests offiziell bestätigt. Dabei nannte sie aber weder Namen noch die Substanz, da es sich nur um positive A- Proben handle, die im Labor in Montreal analysiert worden waren. Die Sportler hätten nun Gelegenheit zu einer Anhörung und der Öffnung der B-Probe, hiess es. Sogar Jamaikas Premierminister Bruce Golding zeigte sich besorgt und verlangte bei einem Treffen mit Sportfunktionären Aufklärung.

Ein wenig erinnert das Geschehen an die WM 2003 in Paris, als Doppel-Weltmeisterin Kelli White positiv auf eine Stimulans namens Modafinil getestet wurde. Es waren die Vorboten des Dopingskandals um das kalifornische BALCO-Labor. Dessen ehemaliger Chef Victor Conte sagte im Vorjahr: «Wenn man sieht, dass die schnellsten Sprinter alle von einer Insel kommen, ist das höchst verdächtig. Ich glaube, in der Karibik wird zügellos gedopt.»

Die jüngsten Erfolge der jamaikanischen Sprinter waren jedenfalls beeindruckend. Fünf von sechs Goldmedaillen über 100, 200 und 4x100 m gewannen sie bei Olympia in Peking. Bolt lief dabei drei Weltrekorde (9,69, 19,30 und 37,10). Ausserdem standen erstmals drei Frauen aus einem Land über 100 m auf dem Podest. Erklärt wurde das alles mit «viel Talent» und gutem Training. Selbst in Jamaika gab es schon immer Zweifler, so wie den ehemaligen Präsident des Leichtathletik-Verbandes JAAA, Teddy McCook. Er gestand jüngst dem englischen Guardian, nicht mehr ruhig schlafen zu können: «Es gibt immer Trainer, die eine Abkürzung suchen.»

(si)

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