Aktualisiert 13.08.2009 17:16

GeschäftsreisenFertig Luxus

Immer mehr Firmen sparen bei Geschäftsreisen. Economy statt Business Class, Bahnfahren statt Fliegen, Pauschal- statt Luxushotel und Videokonferenzen statt persönlicher Begegnung sind die Trends. Selbst Staranwälte müssen sich einschränken.

von
Elisabeth Rizzi

Geiz ist in Krisenzeiten geil. Wenn Kurzarbeit und Entlassungen Hochkonjunktur haben, wird auch bei Geschäftsreisen vermehrt auf die Finger geschaut. Firmen straffen ihre Reiserichtlinien.

Bei ABB Schweiz etwa gibt es bei Flugzeiten von unter fünf Stunden konsequent keine höhere Klasse als Economy. Und auch bei längeren Reisen dürfen die Mitarbeitenden nur dann Business fliegen, wenn sie gleich nach der Landung einsatzfähig sein müssen. Ohnehin kommt statt Fliegen zunehmend Bahnfahren zum Zug. «Die Mitarbeitenden werden vermehrt angehalten, in Städte wie Paris, Mailand oder Mannheim per Zug zu reisen», sagt ABB-Sprecherin Melanie Nyfeler.

Striktes Kostenmanagement

Auch die Grossbank Credit Suisse hält ihre Angestellten dazu an, in Europa auf Schienen zu reisen. Zudem werden elektronische Hilfsmittel wie Video-Konferenzen gefördert. Laut Mediensprecherin Daniela Häsler werden die internen Reiserichtlinien regelmässig überprüft und angepasst. Das konsequente Kostenmanagement, das schon vor der Finanzkrise begonnen wurde, habe zu einem Rückgang der Reise- und Spesenkosten geführt. Auch 2008 habe eine weitere Senkung erreicht werden können, so Häsler.

Sparen ist auch bei Zurich Financial Services angesagt. Der Versicherungskonzern hat sich ein Sparziel von 400 Millionen Dollar für das Jahr 2009 gesetzt. Reisekosten gehören ebenfalls dazu. «Es wird vor jeder Reise geprüft, ob sie notwendig ist oder Sitzungen über eine Video- oder Telefonkonferenz abgehalten werden können», sagt Mediensprecherin Tatjana Domke. Vor allem Konferenzschaltungen seien inzwischen bei Zurich weit verbreitet und würden häufig eingesetzt. Bei Novartis wurden die elektronischen Hilfsmittel schon vor der Finanzkrise bevorzugt. «Geschäftsreisen werden prinzipiell nur dann bewilligt, wenn sie absolut notwendig sind», so Novartis-Sprecher Satoshi Sugimoto.

Obwohl eine neue Studie von Carlson Wagonlit Travel weltweit 21 Prozent Sparpotenzial bei Hotelbuchungen von Firmen sieht, fühlen sich Schweizer Unternehmen davon nicht betroffen. Mit ausgewählten Reisebüros oder Hotels zu arbeiten und entsprechende Rabatte auszuhandeln gehört hierzulande zur Normalität. So meint etwa Nyfeler von ABB Schweiz: «Gebucht wird immer über ein bestimmtes Reisebüro. Dieses hat den Auftrag, den Reisenden als erstes Angebot die kostengünstigste Variante aus dem Angebot der Vertragspartner für Hotelübernachtungen und für Flugreisen anzubieten.»

Staranwälte ohne Luxus

Selbst das renommierte Schweizer Anwaltsbüro Lenz & Staehelin mit über 140 Anwälten, scheut vor Rabatt-Agreements nicht zurück. «In Zürich arbeiten wir mit einer Reihe von Hotels zusammen, mit denen wir Pauschalen aushandeln», sagt Michael Roth, der Zürcher Office Manager der Kanzlei. In den letzten Jahren sei der Kreis der Unterkünfte halbiert worden, um die Buchungskonditionen zu verbessern.

Die Staranwälte selbst betten ihre Häupter nach anstrengenden Fusionsverhandlungen auch nicht auf goldbestickten Fünfsternkissen. Bei vier Sternen ist in der Regel Schluss.

Die Zahl der Geschäftsreisen hat Lenz & Staehelin allerdings nicht reduziert. «Bei gewissen Dingen muss ein Anwalt einfach persönlich zu seinem Klienten gehen», sagt Roth. Deshalb würden auch Video-Konferenzen höchstens zwei bis dreimal wöchentlich und vor allem intern eingesetzt.

Weniger Business Flüge

Laut einer Erhebung des Beratungsunternehmens AirPlus ist in der Schweiz die Zahl der Buchungen bei der Economy Class im ersten Halbjahr 2009 auf 79,79 Prozent gestiegen (Vorjahr 75,11 Prozent). Business Class-Buchungen machten dagegen nur mehr 19,3 Prozent aus (Vorjahr 23,51 Prozent). Zudem werden die Reisen besser ausgenützt. So verlängerte sich die durchschnittliche Dauer der Geschäftsreisen von 3,17 Tagen im Jahr 2008 auf 3,37 Tagen 2009. Bei den gewählten Airlines ist zwar noch immer Swiss an der Spitze. Doch auch Easy Jet und Air Berlin haben es bereits unter die meistgebuchten 20 geschafft.

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