Grünes Licht für AKW: Fessenheim bleibt weiterhin am Netz
Aktualisiert

Grünes Licht für AKWFessenheim bleibt weiterhin am Netz

Frankreichs 58 Atomreaktoren, darunter auch das älteste AKW Fessenheim nahe der Schweizer Grenze, sollen weiterhin betrieben werden. Die Atomaufsicht verlangt lediglich eine Verbesserung der Sicherheit.

Das nahe der Schweizer Grenze gelegene AKW Fessenheim ist der älteste Atomreaktor Frankreichs.

Das nahe der Schweizer Grenze gelegene AKW Fessenheim ist der älteste Atomreaktor Frankreichs.

Nach Ansicht der fränzösischen Atomaufsichtsbehörde ASN können alle Atomreaktoren Frankreichs bedenkenlos weiter betrieben werden. Die Reaktoren hätten eine ausreichende Sicherheit, teilte die Behörde nach einem AKW-Stresstest mit.

Bei keinem einzigen Kraftwerk gebe es daher die Notwendigkeit einer sofortigen Stilllegung. Voraussetzung seien aber Verbesserungen, die im ASN-Bericht aufgelistet wurden.

Die Betreiber in Frankreich haben insgesamt sechs Monate Zeit, um Vorschläge für ihre Umsetzung zu unterbreiten. Sie sollen die Anlagen materiell wie organisatorisch krisenfester machen und deren Widerstandsfähigkeit bei Extremfällen stärken.

Dazu zählen neben weiteren Hilfsaggregaten und Betonverstärkungen auch die Aufstellung einer «schnellen Einsatztruppe», die in weniger als 24 Stunden an einem Unglücksort aktiv werden könne. Sie soll bis Ende 2014 einsatzbereit sein. ASN-Präsident André-Claude Lacoste schätzte die Kosten der Massnahmen auf «mehrere Dutzend Milliarden Euro».

Der Bericht wurde am Dienstag der französischen Regierung übergeben. Der Stresstest war nach der Atomkatastrophe in Japan für alle 143 Strommeiler in der EU angeordnet worden. Frankreichs Kabinett hatte im Vorfeld den Entscheid über eine mögliche Stilllegung von Atommeilern stets von den Testergebnissen abhängig gemacht.

Premierminister François Fillon versprach am Dienstag, dass seine Regierung über die Umsetzung der Empfehlungen wachen werde. Energieminister Eric Besson wollte am Montag mit dem Stromriesen EDF, dem Atomkonzern Areva und dem Zentrum für Atomenergie CEA über die Vorgaben der ASN sprechen.

Zweifel an Unabhängigkeit

Der Bericht stiess auch auf Ablehnung. AKW-Gegner kritisierten die Sicherheitsprüfungen der französischen Meiler als unzureichend. Bei den angeordneten Stresstests seien «kombinierte Risiken» nicht ausreichend bewertet worden, sagte Sophia Majnoni von der Umweltschutzorganisation Greenpeace.

Die ASN habe zum Beispiel keinen Fall wie Fukushima geprüft, wenn ein Atomkraftwerk gleichzeitig von einem Erdbeben und einer Überschwemmung getroffen wird.

Opale Crivello vom französischen Netzwerk für Atomausstieg «Sortir du Nucléaire» kritisierte, die Stresstests seien ohne Beteiligung internationaler und unabhängiger Experten vorgenommen werden. Zudem sage sie einerseits, die Anlagen seien sicher, fordere aber zugleich «enorme Investitionen» für die Verbesserung der Sicherheit. «Das Ganze ist absurd.»

Kritik der Anrainer

Atomkraftgegner hatten auch vergebens auf eine sofortige Schliessung des AKW Fessenheim gehofft. Dieses ist mit zwei Reaktoren seit 1977 in Betrieb und liegt etwa 35 Kilometer von Basel entfernt. Kritiker verwiesen auf das Erdbebenrisiko im Rheingraben und die Gefahr einer Überschwemmung bei einem Deichbruch.

Auch ist die Betonplatte unter dem Reaktorbehälter von Block 1 nur eineinhalb Meter dick und somit die dünnste aller französischen Reaktoren. Bei einem schweren Unfall mit Kernschmelze könnte die Platte bersten und eine radioaktive Rhein-Verseuchung nach sich ziehen, fürchten Kritiker.

Seit der Atomkatastrophe in Fukushima schlossen sich zahlreiche schweizerische, deutsche und elsässische Gemeinden der Forderung nach Stilllegung an. Im Elsass verlangten rund 400 Regionalpolitiker in einem offenen Brief an Staatschef Nicolas Sarkozy, das «veraltete» Kraftwerk zu schliessen.

(sda)

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