Aktualisiert 18.01.2017 13:30

Kanton Luzern

Festbeizen verkaufen viel Alkohol an Minderjährige

Miserable Bilanz bei Testkäufen: 95 Prozent der Festwirtschaften, über die Hälfte der Restaurants und ein Drittel der Läden verkauften Alkohol an Jugendliche.

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gwa/sda/nk
Schlechte Bilanz: 19 von 20 kontrollierten Festwirtschaften verkauften Alkohol an Jugendliche (Symbolbild/Keystone/Martial Trezzini)

Schlechte Bilanz: 19 von 20 kontrollierten Festwirtschaften verkauften Alkohol an Jugendliche (Symbolbild/Keystone/Martial Trezzini)

Im Kanton Luzern kommen Jugendliche in Festwirtschaften offenbar problemlos an Alkohol, obwohl sie dafür noch nicht alt genug sind. Bei Testkäufen durch die Polizei im Jahr 2016 haben 19 von 20 kontrollierten Betrieben illegal Alkohol an Jugendliche ausgeschenkt.

Dass die Bilanz so schlecht ausfällt, führt Urs Renggli, der Chef der Gewerbepolizei, vor allem auf das ungeschulte Personal zurück: «Dieses ist oft nur einmal im Jahr als Helfer in einer Festbeiz tätig. Sie haben keine Erfahrung und sind grossem Stress ausgesetzt.» Wichtig sei, dass die Verkäufer wirklich den Mut haben, zu kontrollieren und die Ausweise zu verlangen.

Oberstes Ziel: Jugendliche vor Alkoholmissbrauch schützen

Ausserdem gibt es durchaus Möglichkeiten, um das Verkaufspersonal zu entlasten, erklärt Renggli: «Zum Beispiel können am Einlass farbige Bändeli abgegeben werden, je nach Alter.» So sehe man an der Bar direkt, wer was kaufen darf. Weiter bietet der Bund seit neuestem eine Onlineschulung an, bei der man in ungefähr 15 Minuten ein Grundwissen vermittelt bekommt. Diese Möglichkeiten müssten aber offensiv kommuniziert werden, sonst gehen sie oft unter. «Man muss bei der Organisation eines Festes an so vieles denken, der Jugendschutz kann dann leicht vergessen gehen», sagt Renggli.

Wie die Luzerner Gastgewerbe und Gewerbepolizei am Mittwoch mitteilte, wurden die Verantwortlichen der Anlässe verwarnt. Bei erneuten Verstössen gegen den Jugendschutz müssten sie damit rechnen, dass ihnen die Polizei die Bewilligung für künftige Festanlässe verweigert. Dabei gehe es aber keinesfalls darum, die Vereine zu bestrafen, sagt Urs Renggli: «Unser oberstes Ziel ist es, die Jugendlichen vor Alkoholmissbrauch zu schützen.»

Testkäufe sensibilisieren Personal

Die Polizei kündigte derweil weitere Kontrollen an. Aufgrund der immer noch hohen Durchfallquote müsse der Jugendschutz beim Verkaufspersonal stets thematisiert werden, heisst es in der Mitteilung. Wie die Praxis zeige, hätten Testkäufe eine positive Wirkung auf das Verkaufspersonal und sensibilisierten nachweislich für strikte Ausweiskontrollen.

In Restaurants und Verkaufsgeschäften fiel die Bilanz positiver aus. Bei 62 von Jugendlichen mit Begleitpersonen durchgeführten Testkäufen gelangten diese in 28 Fällen oder bei 45 Prozent der Betriebe an Alkohol. Im Vorjahr lag die Quote noch bei 69 Prozent, 2014 bei 37 Prozent. Diese grossen Schwankungen kann sich Urs Renggli nicht erklären. Er vermutet aber, flächendeckendere Kontrollen könnten eine positive Wirkung haben: «Das ist aber immer eine Frage der Ressourcen.»

Beanstandungen auch bei Nachkontrollen

Bei den überprüften Verkaufsgeschäften verstiess rund ein Drittel gegen das Alkoholverkaufsverbot. Bei den Restaurationsbetrieben lag der Anteil gar über 50 Prozent.

Bei insgesamt 22 Nachkontrollen verkauften erneut sechs Betriebe gesetzeswidrig Alkohol an Jugendliche. Die Betreiber erhielten eine Verwarnung. Bei einem weiteren Verstoss müssen sie mit einem zeitlich beschränkten Alkoholverkaufsverbot rechnen.

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