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Düsterer ShootingstarFetisch, Bondage und die Aliens-Invasion

Man nennt ihn den «Dark Prince of Fashion». Gareth Pugh liess sich für seine neue Sci-Fi-Kollektion von modernen Amazonen und einem geköpften General inspirieren.

von
Yolanda Di Mambro

Die Fashionszene nennt ihn respektvoll «The Dark Prince of Fashion». Modekritiker feiern ihn als Wunderkind und Visionär. So wie einst Alexander McQueen. Seine Kollektionen stellt der 31-jährige Gareth Pugh oft als kunstvoll inszenierte Videofilme dar. Das behagt ihm mehr als die klassische Fashionshow auf dem Catwalk. «Der Film gibt mir die Kontrolle. Bei einer Liveshow ist die Kontrolle begrenzt. Models können auf dem Catwalk stürzen, Outfits können verwechselt werden und Fotografen können schlechte Fotos machen. Wenn ich in den darauffolgenden sechs Monaten aufgrund dieser schlechten Fotos als Designer beurteilt werde, ist dies alles andere als schmeichelhaft», erklärte Pugh Anfang Jahr der britischen «Vogue».

Trotz seines jungen Alters hat Gareth Pugh für einige schon Ikonenstatus. So liess sich eine Bloggerin ein Bild aus seiner Frühjahrs- und Sommerkollektion 2007 auf den Arm tätowieren. Sie sagte, der Anblick des Looks hätte ihr Leben verändert. Plötzlich wusste sie, was sie mit ihrem Leben anfangen wollte: Sie wollte Modedesignerin werden. Die Bloggerin, die ihn auf ihrem Arm verewigte, inspirierte ihn auch für das Design von «Absolut Mode by Gareth Pugh», der neuen Flasche von Absolut Vodka. Dass sein Name die neue Design-Flasche ziert und ihn als Designer definiert, hat für ihn etwas Ikonisches. «Ich wollte nicht das Gefühl haben, meine Seele zu verkaufen. Doch Absolut Vodka hat mit herausragenden Persönlichkeiten wie Andy Warhol zusammengearbeitet. Der Absolut-Vodka-Flasche wurde die gleiche Bedeutung beigemessen wie Liz Taylor und Marilyn Monroe.»

Die Enthauptung des Mannes als Inspiration

Seine neue Kollektion steht ganz im Zeichen der Frau, die sich Zugang zur Macht verschafft. Die Inspiration dazu holte sich Pugh unter anderem von einem Gemälde des deutschen Renaissance-Malers Lucas Cranach. In «Judith mit dem Haupt des Holofernes» wird die fromme jüdische Witwe Judith als junge schöne Frau dargestellt, die in der einen Hand ein Schwert und in der anderen das blutige Haupt des Generals Holofernes hält.

Die moderne Amazone befreit sich von ihren Fesseln

Während die Designer an der Fashion Week in Paris für Frühjahr und Sommer 2012 vor allem elegante und ultrafeminine Kollektionen zeigten, sorgte Gareth Pugh mit seinen Anti-Mainstream-Kreationen für Furore. Pugh eröffnet seine Show mit einem kunstvoll inszenierten Video, in welchem sich eine nackte Crystal Renn vom Zustand der Unterwerfung bzw. Gefangenschaft befreit und zur übermenschlichen Amazone mutiert.

Statt feingliedriger Models stolzieren moderne Kriegerinnen mit futuristischen Rüstungen über den Runway. Ein Eyecatcher sind der gitterähnliche Kopf- und Gesichtsschutz sowie die Overknee-Plateau-Stiefel. Die skulpturhaften und geometrischen Silhouetten mit einem Hauch Science-Fiction-Glamour faszinieren – u. a. die ultrafemininen, enganliegenden Kleider aus Lederstreifen, die zwar wie Gitterkäfige oder Panzer wirken, die weiblichen Formen und den nackten Körper jedoch auf sinnliche Art und Weise zur Geltung bringen. Ergänzt wird die Kollektion in Schwarz und Weiss durch weitgeschnittene Jersey-Kleider mit horizontalen Streifen in Schwarz-Weiss, Leggings, Plateau-Peeptoes und –Stiefel sowie Tops in Stretchmaterial.

Aliens und insektoide Wesen

Das visuelle Highlight kommt zum Schluss. Während auf der Leinwand purpurfarbene Flammen hochschiessen, stolzieren maskierte insektoide Wesen in glänzenden schwarz-violetten Abendroben über den Runway. Die futuristische Ästhetik der Fashion-Aliens erinnert an den Stil der Kultdesigner Alexander McQueen und Thierry Mugler. Dass sich Gareth Pugh schon bald in die Riege der grossen Kultdesigner einreihen wird, steht für Fashionexperten spätestens seit der Präsentation dieser fantastischen Kollektion definitiv fest. We're overwhelmed!

Frühjahrs- und Sommerkollektion 2012 von Gareth Pugh (Video: YouTube, Gareth Pugh)

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Gareth Pugh

Gareth Pugh (31) wuchs in der Hafenstadt Sunderland, im Nordosten Englands auf. Seine Ausbildung zum Modedesigner schloss er 2003 am renommierten Central Saint Martins College in London ab. Im gleichen Jahr nahm er an der englischen Realityshow «The Fashion House» statt, eine Erfahrung, die er später als «schrecklich» bezeichnete. 2006 hatte er seine erste Solo-Show an der London Fashion Week. 2008 stand er zusammen mit Agyness Deyn als Model für ein «US Vogue»-Shooting vor der Kamera von Starfotograf Mario Testino. Im gleichen Jahr gewann der Designer den Andam Fashion Award im Wert von 150 000 Euro – u. a. für eine erste Show in Paris. Im Januar 2009 folgte bereits seine zweite Show in Paris. Ein Jahr später eröffnete Pugh in Hongkong seine erste gleichnamige Boutique.

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