Brandy Butler an der Mode Suisse: «Fette Menschen sind in der Schweiz nicht willkommen»
Brandy Butler auf dem Laufsteg der Mode Suisse in einem Look von Jacqueline Loekito in Zusammenarbeit mit Tobias Gutmann.

Brandy Butler auf dem Laufsteg der Mode Suisse in einem Look von Jacqueline Loekito in Zusammenarbeit mit Tobias Gutmann.

Alexander Palacios
Publiziert

Plus Size an der mode Suisse«Fette Menschen sind in der Schweiz nicht willkommen»

Brandy Butler war an der Mode Suisse das einzige mehrgewichtige Model auf dem Laufsteg. Im Interview erzählt Brandy vom Alltag als Plus-Size-Person in der Schweiz und wo es in der Modeszene hierzulande noch Aufholbedarf gibt.

von
Johanna Senn

In einem wunderschönen grünen Kleid der Designerin Jacqueline Loekito schritt Brandy Butler an der diesjährigen Mode Suisse über den Laufsteg – als einziges Plus-Size-Model. Auf Instagram bedankt sich Brandy am Mittwoch nach der Show für die vielen positiven Rückmeldungen. Und schreibt in der Caption darüber, wie unsichtbar dicke Menschen in der Schweiz sind.

Nebst den Auftritten als Model macht Brandy Musik und Kunst. Und bezeichnet sich selbst als fett. Wieso dieser Begriff kein Schimpfwort ist und was sich in der Schweiz für die Sichtbarkeit von Plus-Size-Menschen tun muss, darüber haben wir mit Brandy gesprochen.

Brandy, wie war es für dich, an der Mode Suisse zu laufen? Es war eine tolle Erfahrung für mich. Ich habe den Ort als sehr schön und angenehm empfunden und mich wohl, angenommen und als Teil der Produktion gefühlt.

Du sprichst in deinem Post auf Instagram darüber, dass dicke Menschen in der Schweiz unsichtbar gemacht werden. Wie ist es, als Plus-Size-Person in der Schweiz zu leben? Fette Menschen sind in der Schweiz nicht willkommen. Du hörst viele abwertende Sachen und bekommst von der Gesellschaft das Gefühl, dass du nicht wertvoll und dein Körper kein Teil von ihr ist.

Kannst du ein Beispiel nennen? Du kannst beispielsweise nicht einfach in einen Laden gehen, sondern musst Kleidung aus anderen Ländern bestellen, was zusätzlich Zoll kostet. Du wirst so gesehen dafür bestraft, dass du dick bist. Beim Arzt werden allfällige gesundheitliche Probleme schnell einfach auf das Gewicht reduziert und in den Medien gibt es kaum Präsenz von dickeren Menschen.

Warum ist es in der Schweiz so schwierig, schöne Plus-Size-Mode zu finden? Ich glaube, die Gesellschaft in der Schweiz weigert sich, verschiedene Körpergrössen anzuerkennen. Hierzulande besteht ein grosser Druck auf Gesundheit und Wellness. Fette Menschen passen gar nicht in dieses Bild. Auf sie werden stattdessen gerne Begriffe wie «faul» projiziert und sie werden als nicht begehrenswert angesehen.

Gibts Ausnahmen? Es gibt ein, zwei Orte, an denen du hübsche Kleider finden kannst. Aber die meisten anderen Stücke sind lediglich funktional statt schön. Das vermittelt mir: Du verdienst Kleider, aber nicht etwas Schönes, das deinen Körper feiert und dich selbstbewusst und sexy fühlen lässt. Es ist in der Schweiz beispielsweise auch fast unmöglich, ein Bikini für einen Plus-Size-Körper zu kaufen. Es gibt einen grossen Widerstand gegen den Gedanken, dass fette Menschen attraktiv und gesund sein und sich schön einkleiden können.

Was muss sich verändern, dass sich diese Menschen auch in der Schweizer Modeszene wiederfinden? Sie existieren in der Schweizer Modeszene gar nicht. Auch weltweit nehmen sie sehr wenig Platz ein, das kommt erst jetzt langsam auf. Was aber schon einmal total hilft, sind inklusive Grössen. Ich finde es wahnsinnig, dass es hier meist nur Kleider bis zu einer Grösse 44 gibt.

Du benutzt für dich selbst das englische Adjektiv «fat». Wieso ist es für dich wichtig, diesen Begriff für dich in Anspruch zu nehmen? Ich benutze das Englische «fat» oder zu deutsch «fett». Für mich ist es kein Schimpfwort, sondern beschreibt lediglich ein körperliches Merkmal. Ich weiss aus dem Fat-Aktivismus, dass «fett» auch als Schimpfwort benutzt wird. Wir nehmen uns dieses Wort wieder zurück, indem wir es auch selbst benutzen. So wie «gay» oder «queer» früher Schimpfworte waren und heute Selbstbezeichnung einer Gruppe sind. Das soll mit dem Wort «fett» auch passieren.

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