Verstopfte Kläranlagen: «Feuchttücher bitte nicht in die Toilette werfen»
Aktualisiert

Verstopfte Kläranlagen«Feuchttücher bitte nicht in die Toilette werfen»

Die Gemeinde Düdingen weist ihre Einwohner an, Feuchttücher im Hauskehricht zu entsorgen. Vielen Schweizer Klärmeistern sind die reissfesten Tücher im Abwasser ein Gräuel.

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gbr
Blick in einen Pumpenschacht bei Schiffenen/Düdingen: Feuchttücher bilden eine deckelartige Schicht auf dem Abwasser und können letztlich zu Verstopfungen führen.

Blick in einen Pumpenschacht bei Schiffenen/Düdingen: Feuchttücher bilden eine deckelartige Schicht auf dem Abwasser und können letztlich zu Verstopfungen führen.

«Feuchttücher bitte nicht in die Toilette werfen», bittet die Freiburger Gemeinde Düdingen in ihrem aktuellen Mitteilungsblatt an die Bevölkerung. Man habe «festgestellt, dass die Feuchttücher in unserem Abwasser stark zugenommen haben. Feuchttücher entsprechen anscheinend je länger je mehr einem Hygienebedürfnis und werden auch entsprechend vermarktet. Hingegen werden die Konsumenten nicht oder zu wenig auf die korrekte Entsorgung dieser Tücher hingewiesen.»

Feuchttücher gehörten nicht die Toilette, so die Gemeinde. Sie bittet ihre Mitglieder, die Tücher «mit dem Hauskehricht zu entsorgen oder generell zu überlegen, ob man nicht darauf verzichten könnte».

Feuchttücher bringen Kläranlagen in Nöte

Den Grund für die Aufforderung nennt die Gemeinde Düdingen ebenfalls: Die Tücher würden sich im Wasser nicht auflösen und müssten darum in der Kläranlage aufwendig aus dem Abwasser entfernt und als Abfall entsorgt werden. «Seit einiger Zeit ist der Wartungsaufwand an den Pumpen stark gestiegen, weil sich die Feuchttücher um die Laufräder der Pumpen wickeln.»

Dieses Problem kennt Klärmeister Martin Lehmann von der Abwasserreinigungsanlage Sensetal bei Laupen BE ganz genau. Die Tücher bildeten Klumpen, es entstünden bis zu 60 Zentimeter lange «Zotteln», wie er es in der «Berner Zeitung» beschreibt. Diese können in den Pumpen zu Verstopfungen führen. «Der Arbeitsaufwand ist definitiv gestiegen, wir haben heute mehr Probleme als früher», sagt Lehmann zu 20 Minuten.

Das feste Material müsse mit grossem Aufwand aus den Pumpen entfernt werden, oder es werde mit Rechen aus der Kläranlage gefischt. Die Tonnen von Material landen am Ende im Müll. «Ich bin mit der Gemeinde absolut einverstanden», sagt Klärmeister Lehmann: «Die Feuchttücher gehören von Anfang an in den Kehricht, nicht ins Abwasser.»

Andere kleine ARAs kämpfen mit dem gleichen Problem

Martin Lehmann ist nicht der einzige Klärmeister, der die Tücken der neuen Tücher kennt. Gemäss der Zeitung «Murtenbieter» mussten auch die Mitarbeiter der ARA Murten im letzten Jahr überdurchschnittlich oft in Pumpschächte steigen, um zu putzen und die Werke wieder zum Laufen zu bringen. Oft hätten sie das sogar nach wenigen Tagen wiederholen müssen. Der Grund auch hier oft: die Feuchttücher.

Chef-Klärmeister Hans Huser der ARA Murten erklärt, was in den Wasserpumpen passiert: «Da wird Wasser in Rotation versetzt. Die Feuchttücher treffen sich im Verbund, bilden reissfeste Klumpen und können dann Abwasserpumpen und Rohre verstopfen», sagt er zu 20 Minuten.

Auch Huser stellt fest: «Anscheinend werden diese Produkte heute mehr gebraucht.» Er ist der Ansicht, Feuchttücher müssten gleich behandelt werden wie Wattestäbchen oder Damenbinden: «Sie gehören nicht ins WC, wenn sie sich im Wasser nicht auflösen.»

Grosse Pumpen weniger betroffen

Wie sieht das Problem in Städten aus? Stehen in Zürich wegen zu vieler Feuchttücher womöglich bald ebenfalls Pumpen still? «Im Klärwerk vom ERZ haben wir das Problem nicht», sagt Leta Filli, Sprecherin von Entsorgung und Recycling Zürich.

Betroffen seien eben vor allem kleinere Pumpen, erklärt der Murtener Chef-Klärmeister Hans Huser: «Je näher man an einer grossen Kläranlage ist, desto grösser werden die Pumpen, desto kleiner die Verstopfungsgefahr. Aber je weiter weg von einer Kläranlage man sich befindet, desto grösser wird auch das Problem mit den Feuchttüchern in den Pumpen.»

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