14.03.2016 05:52

Anzeige wegen TierquälereiFeuerwehr-Chef wollte Büsi totschlagen

Um sie zu erlösen, schlug der Feuerwehrkommandant von Neuhausen SH einer verletzten Katze gegen den Kopf. Nun hat er eine Anzeige wegen Tierquälerei am Hals.

von
ced
Das Büsi ist momentan als vermisst ausgeschrieben - der Besitzer hat sich aber bislang nicht gemeldet.

Das Büsi ist momentan als vermisst ausgeschrieben - der Besitzer hat sich aber bislang nicht gemeldet.

Kein Anbieter/zvg

Ein Anwohner meldete sich am 25. Februar bei der Feuerwehr von Neuhausen am Rheinfall, weil er eine verletzte Katze im Tankraum gefunden hatte. Insider Hannes U.* erzählt: «Als der Kommandant das Tier sah, glaubte er nicht an eine Genesung und erlöste das Büsi mit einem Schlag auf den Kopf von seinem Leiden – so dachte er zumindest.»

Die tot geglaubte Katze habe er in der Waschhalle des Feuerwehrgebäudes deponiert und einen Mitarbeiter mit der Entsorgung des Kadavers beauftragt. Als dieser den Raum aufsuchte, habe vom Büsi aber jede Spur gefehlt. U.: «Erst nach intensiver Suche wurde die Katze gefunden – sie lebte noch und hatte sich Schutz suchend in einer Ecke verkrochen.» Sofort habe der anwesende Mechaniker die Katze zum Tierarzt gebracht. Die Diagnose: Unterernährungs-Erscheinungen, verletzte Pfoten und eine schwere Kopfverletzung.

«Situation falsch eingeschätzt»

Letztlich kam es doch noch zu einem Happy End. Nach einem sofortigen medizinischen Eingriff ist die Katze mittlerweile wieder auf dem Weg der Besserung, wie die Tierklinik Rhenus in Flurlingen bestätigt. Trotzdem erhebt U. schwere Vorwürfe gegen den Kommandanten: «Mir ist schleierhaft, weshalb er die Katze nicht gleich zum Tierarzt gebracht hat. Ihm fehlte das Fachwissen, um über den Gesundheitszustand zu urteilen.» Weil auch der Tierarzt die Handlung als unverhältnismässig beurteilt, hat er Anzeige wegen Tierquälerei erstattet.

«Ich habe die Situation falsch eingeschätzt», sagt der Kommandant auf Anfrage und zeigt sich reumütig. Er habe geglaubt, die Katze sei tödlich verletzt. «Ich wollte, dass sie nicht länger leiden muss – das war ein Fehler, der mir wirklich leid tut. Ich bin jetzt ganz einfach froh, dass die Katze noch am Leben ist.»

Vorfall der Gemeinde bekannt

Im Dorf hat die Geschichte längst die Runde gemacht. Nun beschäftigt sich auch die Gemeinde mit dem Vorfall. «Wir haben eine Personalmassnahme ergriffen», sagt Gemeinderat Dino Tamagni (SVP). Was das genau heisst, will er nicht erläutern. Der Kommandant sei jedoch nach wie vor im Amt. Tamagni betont, dass es sich um einen Einzelfall handelt: «Der Gemeinderat hat seine Schlüsse aus dem Vorfall gezogen.»

Das Büsi befindet sich momentan noch in der Tierklinik Rhenus, wo es wieder aufgepäppelt wird. Was danach mit der Katze geschehen soll, ist noch unklar – es hätten sich jedoch bereits diverse Abnehmer gemeldet, lässt die Klinik durchblicken.

* Name geändert

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