Fläche von 400 Fussballfeldern: Feuerwehr kämpft weiter gegen Flammen bei Berlin
Aktualisiert

Fläche von 400 FussballfeldernFeuerwehr kämpft weiter gegen Flammen bei Berlin

Evakuierte Dörfer, Ascheregen, explodierende Munition: Die Feuerwehr kämpft gegen die Flammen, die Polizei empfiehlt, Fenster zu schliessen.

von
fal/scl

Schwierige Löscharbeiten: Munitionsreste aus dem zweiten Weltkrieg erschweren die Arbeit der Feuerwehr. (Video: Tamedia/AFP)

Südwestlich von Berlin kämpfen hunderte Feuerwehrleute weiter gegen die Waldbrände. Am Freitagabend brannten bei Treuenbrietzen nach Angaben der Polizei immer noch 300 Hektar Wald, was einer Fläche von über 400 Fussballfeldern entspricht.

Die Bewohner der beiden evakuierten Dörfer Klausdorf und Tiefenbrunnen durften den Angaben zufolge am Abend aber kurzzeitig ihre Häuser betreten, um persönliche Sachen zu holen und ihre Tiere zu versorgen.

1 / 11
Hunderte Einsatzkräfte haben den riesigen Waldbrand südwestlich von Berlin am Freitag zwar eingedämmt, aber noch nicht unter Kontrolle gebracht.

Hunderte Einsatzkräfte haben den riesigen Waldbrand südwestlich von Berlin am Freitag zwar eingedämmt, aber noch nicht unter Kontrolle gebracht.

Keystone/Ralf Hirschberger
Der grosse Waldbrand im Nordosten Deutschlands hat sich in der Nacht zum Freitag weiter ausgebreitet.

Der grosse Waldbrand im Nordosten Deutschlands hat sich in der Nacht zum Freitag weiter ausgebreitet.

Keystone/EPA/Alexander Becher
Der Rauch zog am frühen Morgen auch nach Potsdam und Berlin.

Der Rauch zog am frühen Morgen auch nach Potsdam und Berlin.

Keystone/EPA/Alexander Becher

Am Freitagmittag konnten zumindest die Bewohner von Frohnsdorf wieder zurück nach Hause. Bei den beiden anderen Orten wird nach Angaben des Landkreises Potsdam-Mittelmark alle vier Stunden geprüft, ob eine Rückkehr möglich ist.

600 Menschen mussten Häuser verlassen

Im Kampf gegen den riesigen Waldbrand südwestlich von Berlin hat die Feuerwehr mehrere Schneisen in den Wald gezogen. Am frühen Freitagmorgen setzten die Einsatzkräfte einen Radlader und eine grosse Planierraupe ein, um ein Übergreifen des Feuers auf einen Ortsteil von Treuenbrietzen zu verhindern.

Am Abend zuvor waren bereits drei Dörfer in Brandenburg evakuiert worden – rund 600 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

Der Brand wütet in einem Gebiet südwestlich von Berlin. Die Evakuierten wurden aufgefordert, nur das Wichtigste wie Dokumente und Medikamente mitzunehmen und sich über alle verfügbaren Medien auf dem Laufenden zu halten.

Warnung vor Ascheregen

Die Stadt Treuenbrietzen warnte zudem, auch in weiter entfernten Bereichen könne es zu Ascheniederschlag und Rauchentwicklung kommen. Mehrere hundert Feuerwehrleute waren im Einsatz gegen die Flammen.

Am Donnerstagabend hatte sich der Brand bereits über eine Fläche von 300 Hektar ausgebreitet und war teilweise nur hundert Meter von drei Dörfern entfernt. In der Nacht zum Freitag brannten bereits rund 400 Hektar Land, wie der RBB unter Berufung auf den Bürgermeister von Treuenbrietzen, Michael Knape, berichtete.

An Krieg erinnert

Anwohner in der Gegend wurden ausserdem gebeten, Fenster und Türen wegen der Rauchentwicklung geschlossen zu halten. Die Rauchsäule sei zehn Kilometer weit zu sehen, sagte der Sprecher.

«Sowas haben wir noch nicht einmal im Krieg erlebt», sagte die 76 Jahre alte Anita Biedermann, als sie ihr Haus in Frohnsdorf mit einer kleinen Tasche verliess. Medikamente, Ausweise und eine Jacke – das müsse genügen, sagte die Rentnerin. Angst habe sie nicht. «Es sind ja so viele tolle Männer hier», sagte Biedermann mit Blick auf die Feuerwehrleute und Kräfte vom Technischen Hilfswerk. Die Nacht wolle sie jetzt in der Stadthalle von Treuenbrietzen verbringen.

Explosionen wegen Munition im Boden

Der RBB zitierte den Waldbrand-Beauftragten des Landes Brandenburg, Raimund Engel, wonach die Lage «dramatisch» sei. Die Löscharbeiten würden erschwert, da sich das Feuer im Grenzgebiet der beiden Landkreise Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming ausgebreitet habe – einem munitionsbelasteten Gebiet. Demzufolge gab es bereits Explosionen.

Knape sagte dem RBB später, Klausdorf habe inzwischen vor dem Feuer gesichert werden können. Die Einsatzkräfte bemühten sich demnach derzeit verstärkt darum, Frohnsdorf vor den Flammen zu schützen. Ein Feuerwehrmann habe wegen einer Rauchgasvergiftung behandelt werden müssen.

Gestank in der Hauptstadt

Der Rauch zog in der Nacht weiter nach Potsdam und Berlin. In der Hauptstadt war das gesamte Stadtgebiet von Rauchgeruch betroffen, wie die Feuerwehr im Kurzbotschaftendienst Twitter mitteilte. In Berlin gingen demnach zahlreiche Notrufe ein. In beiden Städten rief die Feuerwehr die Menschen auf, Fenster und Türen zu schliessen und Lüftungs- und Klimaanlagen auszuschalten.

Die Brandursache war zunächst unklar. Wie der Landkreis am Freitagabend mitteilte, sprechen inzwischen aber «alle Hinweise» dafür, dass das Feuer durch Brandstiftung entstanden sein könnte. Details wurden nicht genannt. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit und des heissen Sommers war die Waldbrandgefahr in den vergangenen Wochen stark gestiegen. Brandenburg mit seinen ausgedehnten Kiefernwäldern ist besonders bedroht.

(fal/scl/sda)

Deine Meinung