PR-Aktion statt Ernstfall : Feuerwehr-Kommandant kassiert Busse wegen illegaler Blaulichtfahrt 
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PR-Aktion statt Ernstfall Feuerwehr-Kommandant kassiert Busse wegen illegaler Blaulichtfahrt 

Im Rahmen einer Solidaritätsaktion fuhren Andreas Fähndrich und seine Feuerwehrleute mit Blaulicht und Sirene durch Konolfingen. Nun wurde der Kommandant verurteilt. 

Im Dezember fuhren über zehn Feuerwehr-Fahrzeuge durch Konolfingen – gebrannt hatte es aber nicht.

Video: Bern-Ost/bearbeitet durch 20min

Darum gehts 

Die Feuerwehr Konolfingen (Konofire) rückte am Freitag den 3. Dezember mit einem Grossaufgebot aus: Mehr als zehn Fahrzeuge brausten mit Blaulicht und Wechselklanghorn durch das Dorf. Auch benachbarte Feuerwehren fuhren mit. Beim Einsatz handelte es sich allerdings nicht um einen Ernstfall, sondern um eine PR-Aktion. 

Das Problem: Der Einsatz von Blaulicht und Sirene ist nur im Ernstfall erlaubt, weshalb die Berner Kantonspolizei den Vorfall abklärte. Nun ist das Ergebnis dieser Abklärungen bekannt: Feuerwehrkommandant Andreas Fähndrich muss eine Busse von 200 Franken bezahlen, wie das Nachrichtenportal «Bern-Ost» berichtet. 

Gemäss Strafbefehl habe es der Beschuldigte unterlassen, seine Mannschaft anzuweisen, ohne Sirene und Blaulicht zu fahren. Zumindest habe er nicht eingegriffen, als die beiden Warnsignale aktiviert wurden. Gemäss Strassenverkehrsordnung dürfen Blaulicht und Wechselklanghorn «nur solange gebraucht werden, als die Dienstfahrt dringlich ist und die Verkehrsregeln nicht eingehalten werden können».

«Ich akzeptiere den Strafbefehl und werde die Busse bezahlen», sagt Fähndrich zu 20 Minuten. «Ich trage die Verantwortung für diese Aktion und stehe dazu.» 

«Wir haben eine sehr gut aufgestellte Mannschaft»

Die Konofire geriet letztes Jahr immer wieder in die Schlagzeilen. Zwischen Andreas Fähndrich, der im Juni 2021 den Posten des Kommandanten übernahm, und einem Teil des Korps kam es zu Differenzen. Nachdem der Gemeindepräsident den Feuerwehrleuten Mobbing vorgeworfen hatte, quittierten bis November deren 27 ihren Dienst. Im Dorf war die Sorge um die Sicherheit nach so vielen Abgängen gross. Mit der Blaulichtfahrt am 3. Dezember wollte Fähndrich die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr demonstrieren.

«Wir haben heute eine sehr gut aufgestellte Mannschaft und erfüllen alle Anforderungen der Gebäudeversicherung», versichert Fähndrich. Klar, mit den Abgängen sei ein Verlust an Einsatzerfahrung verbunden, räumt er ein – «aber das Know-how ist nach wie vor da». Wie viele Neuzugänge die Konofire seit den Abgängen verzeichnete, konnte der Kommandant nicht genau sagen; es seien vermutlich aber mehr als zehn. Von den Feuerwehrleuten, die letztes Jahr ausgetreten seien, sei aber niemand zurückgekommen. 

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(sul)

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