Aktualisiert

Amanda Knox im ZeugenstandFiasko vor Gericht

Die Geschworenen in Perugia hegten vor dem Auftritt von Amanda Knox im Zeugenstand grosse Erwartungen. Nach der zweitägigen Anhörung dürften sie allerdings etwas enttäuscht sein.

Würde man die Geschworenen in Perugia fragen, welche Erkenntnisse sie aus der elfstündigen Aussage der US-Studentin Amanda Knox ziehen, würden sie wohl antworten: «Nicht viel Neues.» Die 21-Jährige beteuerte erneut, dass sie nichts mit dem Mord an ihrer Mitbewohnerin Meredith Kercher zu tun habe. Die Anklage liess nicht locker und behauptete weiterhin, dass es doch so sei.

Der Abend des Mordes

Die Anwälte des Opfers zeigten sich zufrieden mit dem Verhör. Amanda Knox habe alle ihre Fragen beantwortet und auch jene des Staatsanwalts. Im Mittelpunkt stand dabei die Nacht, in der Meredith Kercher umgebracht wurde. Zur Tatzeit sei sie in der Wohnung ihres Freundes gewesen, sagte Knox.

Halb auf Englisch, halb in fliessendem Italienisch schilderte die Angeklagte, wie sie die Nacht zum 2. November 2007 bei ihrem damaligen Freund Raffaele Sollecito verbracht hatte. Sie hätten gekifft und miteinander geschlafen, danach sei sie eingeschlafen.

Dass sie zwei Stunden, bevor die Polizei Kerchers Leiche fand, ihre Mutter in Seattle anrief – als es dort drei Uhr in der Früh war –, daran will sich Knox nicht mehr erinnern.

Von der Polizei unter Druck gesetzt

Hingegen konnte die Angeklagte klare Aussagen zum «Druck» machen, unter den die Polizei sie angeblich beim ersten Verhör gesetzt hatte: «Einige Polizisten standen hinter mir, schrien mich an: ‹Erinnerst du dich nicht mehr?›. Dann kam eine Polizistin von hinten und schlug mich zweimal auf den Hinterkopf. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, ich hatte einfach Angst. Sie warfen mir vor, ich würde jemanden schützen wollen – aber das stimmt nicht. Ich war traumatisiert und konnte mich nicht an die Wahrheit erinnern.» Darum habe sie anfänglich den aus dem Kongo stammenden Barbesitzer L. mit dem Mord belastet, erklärte Knox.

Nach ihrer Verhaftung habe sie mehrere medizinische Tests machen müssen – darunter auch einen Aids-Test: «Sie sagten mir, ich sei HIV-positiv. Ich war total schockiert. Ich dachte, das ist einfach nicht möglich», gab Knox zu Protokoll. Sie habe bisher insgesamt sieben Liebhaber gehabt und sich von keinem vorstellen können, dass er sie angesteckt habe: «Ich machte mir wirklich Sorgen, Mamma mia, ich habe nur geweint und dachte, ich muss sterben.» Auf ihre Bitte hin wurde der Test wiederholt. Diesmal war das Ergebnis negativ.

«Ich kann mich nicht erinnern»

Prozessbeobachter aus Grossbritannien sind sich einig: Die Aussagen der 21-Jährigen waren wirr. Auf zu viele Fragen kam die Antwort: «Ich kann mich nicht erinnern.» Die US-Medien, die Angehörigen und Anhänger von Knox zeichnen indes ein völlig anderes Bild: «Sie war grossartig – ich kann nicht sagen, wie stolz ich auf sie bin», sagte Vater Curt Knox nach der Verhandlung.

(kle)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.