Fichten-Sterben: Lage im Glattal stabilisiert
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Fichten-Sterben: Lage im Glattal stabilisiert

Das Fichten-Sterben im Glattal hat sich in den sieben betroffenen Gemeinden stabilisiert. Hinzugekommen ist allerdings die Gemeinde Illnau-Effretikon.

Durch die Förderung von Mischwäldern soll der Schädlingsbefall künftig bekämpft werden.

Das kantonale Forstamt spricht von «schwerwiegenden» Schäden. Die mittlerweile geräumten Waldpartien seien für den Spaziergänger deutlich sichtbar, sagt Kantonsforstingenieur Alain Morier. Der Schädlingsbefall konzentriere sich nicht auf Einzelbäume, sondern auf ganze Flächen.

Betroffen sind seit Ende Juni Wälder in den Gemeinden Dietlikon, Bassersdorf, Nürensdorf, Volketswil, Uster, Fehraltdorf, Russikon und neu auch Illnau-Effretikon. Die Situation scheine auf das Glattal beschränkt zu bleiben, sagt Morier.

Fichtenquirlschildlaus

Ob der Befall durch die so genannte Fichtenquirlschildlaus weiter zunimmt, sei schwierig zu sagen. Aus anderen Gebieten der Schweiz gebe es, so Morier, nur vereinzelt Meldungen. Namentlich sind dies die Kantone Luzern und St. Gallen.

Das Fichten-Sterben im Glattal wird mit Wassermangel begründet, eine Spätfolge der regionalen Trockenperioden im Sommer 2003 und im Frühjahr 2004. In der betroffenen Region wachsen die Fichten ausserdem auf wasserdurchlässigem Schotterboden.

Das Ausmass der Schäden ist noch nicht bezifferbar. Kommt hinzu, dass ein von der Laus geschwächter Baum den Borkenkäfer anzieht. Normalerweise werden im Kanton Zürich pro Jahr 400 000 Kubikmeter Holz geschlagen. Davon waren im 2004 rund ein Viertel vom Borkenkäfer befallen. Laut Morier dürfte dieser Anteil nun höher ausfallen.

WWF: «Naturferne Wälder»

Für die Umweltorganisation WWF kommen die Schäden im Glattal nicht von ungefähr. «Wälder mit standortfremden Fichten sind schlecht an ihre Umwelt angepasst. Sie sind ein gefundenes Fressen für Schädlinge», sagt Damian Oettli, Projektleiter Wald vom WWF Schweiz.

Ginge es nach der Natur, gäbe es im Schweizer Mittelland über 90 Prozent Buchen- und andere Laubmischwälder. In rund der Hälfte der Wälder kämen heute aber Baumarten vor, vorab Nadelbäume, die in dieser Gegend nichts zu suchen hätten, hält der WWF weiter fest. Der naturnahe Waldbau sei deshalb entschieden voranzutreiben.

Kanton: Ziel sind stabilere Wälder

Morier räumt ein, dass der betroffene Hardwald im Glattal einen hohen Anteil an Fichten aufweist. Der Kanton Zürich arbeite aber gezielt auf mehr naturnahe und somit stabilere Wälder hin. Dieses Ziel sei aber nicht einfach zu erreichen, da Waldstücke oft in Privatbesitz sind.

Ein Waldeigentümer kann selber entscheiden, welche Baumarten er halten will. Um Einfluss auf die privaten Wälder nehmen zu können, verfügt der Kanton für die Wiederherstellung der Borkenkäferflächen über einen Kredit von 7,5 Millionen Franken (2001 bis 2006). Das private Bestreben nach Mischwäldern wird finanziell unterstützt. Wer aber nur Fichten pflanzt, bekommt kein Geld.

25 Prozent der Zürcher Wälder gelten als «sehr naturnah», 20 Prozent als «naturnah» und 30 Prozent als «naturfern». Beim Rest werden die Daten gerade neu erhoben.

Aufforstung wie nach «Lothar»

Die im Glattal entstandenen Lücken werden wieder aufgeforstet. Wie nach den verheerenden Sturmverwüstungen durch «Lothar» Ende 1999 beobachten die Förster jetzt zuerst, was die Natur von sich aus spriessen lässt. Tendenziell ist dies Laubholz, wie Morier erklärt.

(sda)

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