Fidel denkt an Rücktritt
Aktualisiert

Fidel denkt an Rücktritt

Vielleicht steht Kuba bald ein Führungswechsel bevor: Erstmals in seiner Amtszeit hat Kubas Staatschef Fidel Castro seinen Rücktritt in Erwägung gezogen.

In einem Brief des 81-jährigen Maximo Lider, der im Staatsfernsehen vorgelesen wurde, erklärte er seine «elementare Pflicht», Erfahrungen weiterzugeben – aber er wolle nicht an Ämtern festhalten und den Weg von Jüngeren behindern. Fidel Castro verglich sich mit dem brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer, der am Samstag 100 Jahre alt geworden war. Auch dieser sei trotz seines hohen Alters noch aktiv.

Nach einer Darmoperation hatte Castro im Sommer 2006 die Amtsgeschäfte seinem fünf Jahre jüngeren Bruder Raúl übergeben. Seither hatte Fidel keinen öffentlichen Auftritt mehr, aber er äusserte sich in diversen Zeitungsartikeln zur Innen- und Aussenpolitik.

Die Nationalversammlung, die Fidels Rücktritt billigen müsste, tagt im März erneut. Dann wählt sie einen neuen Staatsrat, an dessen Spitze Castro formell noch steht. Der kommunistische Staatspräsident hatte 1959 den von den USA unterstützten Diktator Batista gestürzt.

Castros Regierungsbilanz ist ambivalent: Die Zahl der Analphabeten sank markant, die medizinische Versorgung ist gratis. Wer aber das System in Frage stellt, muss mit Haft rechnen. Zudem sind Esswaren rationiert und viele Häuser verfallen. (sda)

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