Aktualisiert 13.08.2009 13:54

Kuba in der KriseFidel lebt und das Klopapier ist knapp

Fidel Castro soll es besser gehen. Für Kuba ist das keine gute Nachricht. Die Insel steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise. Jetzt ist sogar das Toilettenpapier knapp geworden.

von
Peter Blunschi

Vertreter staatlicher Firmen teilten mit, dass die Vorräte so gut wie aufgebraucht sind und die Chancen stehen schlecht, dass bis Ende des Jahres Nachschub geliefert wird. Ein Sprecher des Konzerns Cimex versicherte jedoch dem staatlichen Radiosender Rebelde, seine Firma unternehme alles Mögliche, um bis zum Jahresende Toilettenpapier aufzutreiben.

Kuba stellt das so dringend benötigte Produkt selbst her, hat aber gemäss Cimex derzeit nicht genügend Rohstoffe. Und für den Import fehlt das Geld. Das gilt nicht nur für Klopapier. Kuba steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise. Drei verheerende Wirbelstürme haben im letzten Jahr Schäden von rund zehn Milliarden Dollar verursacht. Und die weltweite Rezession wirkt sich massiv auf die Devisenbringer Tourismus und Nickel-Export aus.

Leere Läden und kein Strom

Die staatlichen Kassen sind leer, und das ist katastrophal für ein Land, das stark von Importen abhängig ist. So muss die eigentlich fruchtbare Karibikinsel 60 Prozent der Nahrungsmittel einführen. Die Läden sind noch leerer als sonst. Wegen Energiemangel werden die Klimaanlagen mitten im tropischen Sommer abgestellt und die Produktion wird in den Fabriken jeden Tag während einiger Zeit stillgelegt.

Bereits fühlen sich Kuba-Experten an die «Sonderperiode» zu Beginn der 90er Jahre erinnert. Als die grosszügige Unterstützung der Sowjetunion wegfiel, stürzte die kommunistische Insel in eine tiefe Krise. Den zuvor relativ hohen Lebensstandard haben die Kubaner nie mehr erreicht. Die derzeitige Lage wird als nicht derart gravierend eingestuft, aber «die Leute haben Angst, dass alles noch schlimmer wird», so ein westlicher Diplomat gegenüber dem «Guardian».

Fehlende Reformen

In dieser Situation ist es keine gute Nachricht, dass es Fidel Castro besser gehen soll. Noch zu Jahresbeginn war der Revolutionsführer wochenlang von der Bildfläche verschwunden und bereits totgesagt worden. Nun zeigt ein von seinem Sohn Alex aufgenommenes Foto einen erholten Fidel. Wie echt dieser Eindruck ist, bleibt offen. Seit einer Darmoperation vor drei Jahren ist Castro nie mehr öffentlich aufgetreten.

Beobachter sind überzeugt: So lange der ewige Revolutionär lebt, wird sich nichts ändern. Sein Bruder Raúl, der ihn als Präsident abgelöst hat, stellte zwar Reformen in Aussicht, so die private Nutzung von staatlichem Land und eine verstärkte Anbindung der Löhne an die Produktivität. Und kürzlich gab er zu, dass die Misere nicht allein auf das vor 47 Jahren verhängte US-Embargo zurückzuführen, sondern auch hausgemacht ist. Zu einschneidenden Wirtschaftsreformen scheint Raúl Castro aber nicht bereit.

Warten auf Fidels Tod

Mit Interesse wird deshalb zur Kenntnis genommen, dass der für Herbst geplante Parteitag der Kommunisten – der erste seit 1997 – auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Offiziell wird die Bekämpfung der Krise als Begründung genannt. Doch viele glauben, «dass die Partei auf Fidels Tod wartet, damit sie die umfassenden Reformen beschliessen kann, die für den Revolutionsführer tabu sind», so der «Guardian».

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