Castros Comeback: Fidel und munter
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Castros ComebackFidel und munter

Fidel Castro sorgt für Erstaunen: Nach jahrelanger Abwesenheit absolvierte Kubas Revolutionsführer vier öffentliche Auftritte in einer Woche. Was steckt dahinter?

von
Peter Blunschi
Wie in alten Zeiten: Fidel Castro doziert vor Mitarbeitern des Zentrums für Weltwirtschaftsstudien in Havanna.

Wie in alten Zeiten: Fidel Castro doziert vor Mitarbeitern des Zentrums für Weltwirtschaftsstudien in Havanna.

Erst besuchte er am vergangenen Mittwoch das Zentrum für Wissenschaftsforschung in Havanna. Dann strahlte das kubanische Fernsehen am Montag das erste Fernsehinterview mit dem 83-jährigen Revolutionsführer seit vier Jahren aus. Am gleichen Tag liess sich Fidel im Zentrum für Weltwirtschaftsstudien blicken, wo er mit Mitarbeitern diskutierte. Und am Donnerstag folgte der Besuch einer Delfinshow im Aquarium in Havanna.

Fidel Castro auf allen Kanälen, fast wie in seinen besten Zeiten, als er die Menschen mit stundenlangen Reden faszinierte oder langweilte. Dabei war er nie mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden, seit er sich Mitte 2006 einer komplizierten Darmoperation unterziehen musste. Die Ursache seiner gesundheitlichen Probleme ist bis heute ein Geheimnis. Seither gab es nur noch Fotos und Videos von Besuchen ausländischer Staatsgäste und anderer Bewunderer sowie seine Kommentare in der Parteizeitung «Granma».

Freilassung von politischen Gefangenen

Anfang 2008 war Fidel Castro von seinen politischen Ämtern zurückgetreten. Rund um das 50-Jahr-Jubiläum der kubanischen Revolution am 1. Januar 2009 verschwand er vollständig von der Bildfläche, was prompt zu Gerüchten führte, er sei gestorben. Auf den danach veröffentlichten Bildern erschien er tatsächlich mehr tot als lebendig. Inzwischen scheint er sich einigermassen erholt zu haben, bei den jüngsten Auftritten wirkte er ziemlich rüstig.

Was hinter der Propaganda-Offensive steckt, bleibt unklar. Wollte die von Fidels Bruder Raúl Castro geführte Regierung einen Kontrapunkt setzen zur Freilassung von 52 politischen Gefangenen, die durch Vermittlung der spanischen Regierung und der katholischen Kirche zustande kam? Die ersten Dissidenten wurden diese Woche nach Spanien ausgeflogen. Sollen Fidels öffentliche Auftritte demonstrieren, dass die Kommunistische Partei die Zügel nach wie vor fest in der Hand hat?

Signal an Unruhestifter?

Gründe dafür gäbe es, denn die wirtschaftliche Lage auf der Karibikinsel ist katastrophal. Berichten zufolge fehlt es in den staatlichen Märkten und Läden an allem, sogar von Hunger ist die Rede. Raúl Castro hat zaghafte Reformen eingeführt, die jedoch nichts an der Misere ändern. Entsprechend gross soll der Unmut im Volk sein. Das Auftreten des Máximo Líder könnte ein Signal an mögliche «Unruhestifter» sein, dass mit der Freilassung der Castro-Gegner kein Kurswechsel verbunden ist.

Aufgefallen ist, dass sich Fidel Castro zu internationalen Themen wie den Spannungen in Korea und einem möglichen Atomkrieg im Nahen Osten geäussert, Kommentare zur Lage in Kuba aber tunlichst vermieden hat. Die meisten Kuba-Kenner sind dennoch überzeugt, dass echte Reformen erst nach Fidels Tod möglich sein werden. Normando Hernandez, einer der nach Spanien abgeschobenen Dissidenten, machte sich gegenüber der BBC keinerlei Illusionen: Die Freilassung der Regimegegner sei «ein Trick», um von der wirtschaftlichen Lage abzulenken: «Eine demokratische Öffnung in Kuba findet nicht statt.»

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