Der Hype ist tot: Fidget Spinner gibts jetzt gratis
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Der Hype ist totFidget Spinner gibts jetzt gratis

Fidget Spinner waren der Hype des Jahres. Doch so gross der Ansturm auf sie war, so schnell waren sie wieder out. Das zeigt sich auch an den Preisen.

von
Simon Ulrich
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Trendspielzeug des Jahres: Wegen der Fidget Spinner rannten Kinder und Jugendliche den Verkäufern die Bude ein.

Trendspielzeug des Jahres: Wegen der Fidget Spinner rannten Kinder und Jugendliche den Verkäufern die Bude ein.

Stevan Bukvic/Custom Images
In der Hitparade der beliebtesten Suchbegriffe auf Google Schweiz schaffte es das Gadget auf den sechsten Platz.

In der Hitparade der beliebtesten Suchbegriffe auf Google Schweiz schaffte es das Gadget auf den sechsten Platz.

Keystone/Christian Beutler
Doch die Lust am Drehen ist den Schweizern längst abhandengekommen. Anbieter wie Esons in Wetzikon ZH bleiben auf ihrer Ware sitzen.

Doch die Lust am Drehen ist den Schweizern längst abhandengekommen. Anbieter wie Esons in Wetzikon ZH bleiben auf ihrer Ware sitzen.

zvg

Ein kleines Spielzeug liess Schweizer in diesem Jahr buchstäblich durchdrehen: der Fidget Spinner, eine dreiblättrige Drehscheibe mit integriertem Kugellager, die zwischen Daumen und Zeigefinger rotiert. In der Hitparade der beliebtesten Suchbegriffe auf Google schaffte es das Gadget auf den sechsten Platz, in der Kategorie der Aufreger und Skandale holte es sogar Silber – nur die Eröffnung der Mall of Switzerland sorgte für noch mehr Wirbel.

Den Hype um die Hand- oder Fingerkreisel, wie die Spinner etwas weniger sexy zuweilen genannt werden, bekamen insbesondere die Verkaufsstellen zu spüren, die mit den Lieferungen zeitweise kaum nachkamen.

Lieber verschenken als wegwerfen

Das war im Frühsommer. Mittlerweile ist den Schweizern die Lust am Drehen vergangen. «Schon im August gingen die Verkaufszahlen bei uns massiv zurück», sagt Marina Obrenovic vom Onlinehändler Esons in Wetzikon ZH. Während zu Spitzenzeiten im Mai und Juni täglich mehrere Hundert Spinner über den virtuellen Tresen wanderten, seien es aktuell noch deren vier bis fünf.

Der schnelle Einbruch der Verkaufszahlen kam für den Elektronik- und Zubehöranbieter unerwartet. Obrenovic: «Wir haben noch immer einige Tausend Exemplare an Lager und wissen kaum, wohin damit.» Die Folge sind Spottpreise: Spinner für ursprünglich 13 Franken werden nun für weniger als einen Franken vertickt.

Weil selbst das die Nachfrage nicht mehr ankurbelt, hat Esons einige Fingerkreisel an Messen verschenkt. «Zudem möchten wir tausend Spinner an eine wohltätige Organisation spenden», kündigt die Store-Managerin an. Interessierte Einrichtungen könnten sich ab sofort bei Esons melden.

Ärgerlich: Weil die Kinder und Jugendlichen dem Geschäft im Frühsommer die Bude einrannten, eröffnete Esons einen Pop-up-Store allein für Fidget Spinner und stellte zusätzlich zehn temporäre Mitarbeiter ein. «Den Laden mussten wir natürlich wieder dichtmachen», sagt Obrenovic. Weil die Spinner lediglich ein Zusatzprodukt neben dem Hauptgeschäft gewesen seien, sei die Schliessung jedoch kein Weltuntergang.

«Wir sind rechtzeitig abgesprungen»

Bei Franz Carl Weber sank die Nachfrage nach den Drehgeräten bereits im Juni. Dennoch seien die Lagerbestände heute gering, sagt Geschäftsführer Yves Burger. «Wie sind rechtzeitig abgesprungen und haben bereits Ende Mai keine weiteren Produkte mehr bestellt.»

Dass der Fidget-Spinner-Markt rasch zusammenbrechen würde, habe er vorausgesehen. «Bald wurden die Dinger an Kiosken, Tankstellen, ja sogar bei Schuhverkäufern angeboten. Klar, dass da die Nachfrage bald gedeckt war», sagt Burger. Bei früheren Spielzeugtrends habe man sich bei Franz Carl Weber die Finger verbrannt und sei auf den Restbeständen sitzen geblieben. «Heute haben wir aus unseren Fehlern gelernt.»

Fehlende Reize führen zu Langeweile

Dass es auf die Fidget Spinner über die Weihnachtstage noch einmal einen Run geben könnte, daran glaubt Burger nicht. «An Weihnachten werden grundsätzlich wenig Gadgets gekauft.»

Wirtschaftspsychologe Christian Fichter fasst in einem Wort zusammen, weshalb der Hype um die Fidget Spinner schnell wieder abebbte: Langeweile. Die Handkreisel seien zwar für kurze Zeit reizvoll gewesen, weil sie die Funktionslust des Menschen bedient und die Geschicklichkeit gefördert hätten.

«Wenn wir ein Objekt aber verstanden haben, verlieren wir unser Interesse daran», erklärt Fichter. Um dem entgegenzuwirken, brauche es neue Reize, beispielsweise einen höheren Geschwindigkeitsgrad oder weitere Variationen. «Nur sind die Fidget Spinner halt alle relativ ähnlich.»

Im Frühsommer dieses Jahres kam der Trend auf:

Fidget-Spinner: Der neue Pausenplatz-Trend

Die drehenden Teile sind bei Jugendlichen der neuste «heisse Scheiss». (Video: F. Dubler/P. Stirnemann)

(Video: pst)

Diese beiden hatten tolle Tricks drauf:

Tricks mit dem Fidget Spinner

Was man alles mit dem Fidget Spinner anstellen kann, zeigt dieses Video.

Selbst im Bundeshaus wurde mit dem Fidget Spinner gespielt:

Diese Politiker spinnern

Wie fit sind unsere Politiker mit dem Fidget Spinner? 20 Minuten hat den Test in der Wandelhalle gemacht. (Video: Inland/P. Stirnemann)

(Video: bz/daw)

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