Fieberhafte Arbeit vor der Vogelgrippe-Welle
Aktualisiert

Fieberhafte Arbeit vor der Vogelgrippe-Welle

Die Vogelgrippe kommt bestimmt zurück. Deshalb machen die Forscher die Hausaufgaben. Neu im Gepäck sind mathematische Modelle, wie sich die Tierseuche ausbreiten wird.

Vogelgrippetests lassen bei Schwänen nur den Nachweis zu, dass sie mit den Viren in Berührung gekommen sind. Der Virentyp könne damit nicht bestimmt werden, sagten Verantwortliche des Forschungsprojekts «Constanze».

Als gefährlich gilt der Virentyp H5N1. Man wisse inzwischen, dass einige von insgesamt 80 untersuchten Bodenseeschwänen mit Vogelgrippeviren Kontakt gehabt hätten, hiess es nach einer Tagung in Friedrichshafen (D) zu dem am Bodensee laufenden Forschungsprokjekt «Constanze».

Forscher aus allen Bodensee-Anrainerländern haben am Dienstag eine stärkere Zusammenarbeit im Kampf gegen die Vogelgrippe vereinbart. Dank ihrer Arbeit würde ein erneuter Ausbruch schon heute schneller entdeckt als bei der Epidemie Anfang 2006, sagte «Constanze»-Leiter Christian Griot vom Schweizer Institut für Viruskrankheiten und Immunprophylaxe (IVI).

Grössere Rolle der Enten

Vergangenen Winter fanden die Forscher trotz intensiver Tests keinen neuen Fall von Vogelgrippe am Bodensee. Bei Constanze arbeiten 30 Forscher aus Deutschland, der Schweiz und Österreich zusammen. Der Bodensee soll dank der Zusammenarbeit zu einem der am besten untersuchten Gewässer Europas werden.

Acht Monate nach Start von «Constanze» deuten erste Ergebnisse auf eine grössere Rolle heimischer Enten beim Ausbruch der Vogelgrippe hin. So verfolgten Forscher der Vogelwarte Radolfzell (D) zwölf mit Sendern ausgestattete Enten.

Anders als erwartet hielten sie sich nicht nur in der Region auf, sondern flogen bis nach St. Petersburg. Die Vogelwarte Sempach zeichnete Wege beringter Vögel nach. «Die Tafelenten in Europa kommen aus von der Vogelgrippe betroffenen Regionen», stellten die Sempacher Experten fest.

Schweine mit Vogelgrippe

Die Forscher verbesserten auch Labortests. Dazu gehört auch, dass der ursprünglich für Hühner entwickelte Vogelgrippentest so angepasst wurde, dass er nun auch bei Schwänen Viruskontakte anzeigt. Allerdings lässt er noch keine Bestimmung der Virusart zu.

Derzeit entwicklt das IVI in Mittelhäusern bei Bern einen Bluttest, mit dem gleichzeitig jeder Typ der Vogelgrippe bestimmt werden kann, hiess es am Dienstag. Dazu seien auch Infektionsstudien mit Schweinen vorgesehen.

Experten des Tropeninstituts in Basel entwickeln in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich mathematische Modelle zur Ausbreitung der Vogelseuche. «Wir sind jetzt besser gerüstet», sagte Griot. Constanze läuft noch bis 2009 und ist mit drei Millionen Franken ausgestattet.

Am gesamten Bodensee und am Hochrhein hatte es im Frühjahr 2006 rund 80 Fälle gegeben, in denen das aggressive Virus H5N1 bei Wildvögeln nachgewiesen wurde. (sda)

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