Fierz-Rücktritt: Züge einer menschlichen Tragödie
Aktualisiert

Fierz-Rücktritt: Züge einer menschlichen Tragödie

Der Zürcher Regierungsrätin Dorothée Fierz blieb nichts anderes übrig als der sofortige Rücktritt. Dies ist die einhellige Meinung der regionalen und nationalen Medien.

Nachdem sie für den Regierungsrat und die FDP zu einer untragbaren Belastung geworden sei, habe es keinen anderen Weg als den sofortigen Rücktritt mehr gegeben, fand die «Neue Zürcher Zeitung» (NZZ). Fierz habe einen hohen persönlichen Preis bezahlt, aber «einem unwürdigen Trauerspiel ein Ende gesetzt».

Sie habe den Rücktrittsentscheid zu einem Zeitpunkt getroffen, «der es ihr erlaubt, wenigstens halbwegs das Gesicht zu wahren». Trotzdem sei der Abgang ein «Tiefpunkt in der Geschichte des Zürcher Regierungsrats». Für ihre Partei seien nicht alle Probleme gelöst, ist die NZZ überzeugt, denn «der 'Fall Fierz' wird in der Öffentlichkeit auch als 'Fall FDP' wahrgenommen».

Gespenstischer Auftritt

Der «Tages-Anzeiger» (TA) schreibt von einem «kläglichen Abgang». «So befremdlich Fierz' Benehmen in den letzten 14 Tagen war, so gespenstisch geriet ihr der letzte Auftritt vor den Medien.» Gemäss TA hat die Politikerin mit «trostlos strahlendem Lächeln und eisern erzwungener Beherrschung» gesprochen.

Für den TA ist klar, dass Fierz nicht freiwillig geht und nicht wegen der Amtsgeheimnisverletzung eines ihrer Mitarbeiter. Der Grund sei vielmehr, dass sie «die Regierungsarbeit mit ihrem Kampf ums Tiefbauamt über Wochen blockiert und sich mit ihren Anschuldigungen unmöglich gemacht

hatte».

Züge einer menschlichen Tragödie

«Fierz hat - ohne Not, wie es scheint - innerhalb weniger Tage ihre politische Karriere ruiniert, in dem sie alles falsch gemacht hat», schreibt «Der Landbote» aus Winterthur.

Ein Kommentator verschiedener nationaler Zeitungen wundert sich, «warum die FDP-Frau diesen unsäglichen Streit angezettelt hat». Es sei eine Politikerin gescheitert, «die zwar eher glücklos blieb, aber nicht als streitsüchtig galt, die keine Schaumschlägerin war, sondern sonst sachlich und überlegt handelte».

Mit ihrem sofortigen Rücktritt habe sie der Regierung Handlungsspielraum verschafft. Das verdiene Respekt. Für die FDP sei die Affäre aber ein Desaster mehr.

Sie habe es sich in den letzten Tagen «selber unerklärlich schwer gemacht», heisst es auch in der «Mittelland-Zeitung», im «Limmattaler Tagblatt» und «Zürcher Unterländer». «Mit ihrem souveränen Auftritt gestern vor den Medien hat sie aber zumindest noch den letzten Moment erwischt, um erhobenen Hauptes abtreten zu können».

«Mehr als nur ungeschickt verhalten» hatte sich Fierz nach Ansicht des «Zürcher Oberländers» und «Anzeigers von Uster». Sie habe nun mit ihrem Schritt «das Trauerspiel um Macht und Einfluss im Regierungsrat beendet. Dafür verdient sie Respekt.»

Schaden für «alle politisch tätigen Frauen»

«Nicht mit genügend Realitätssinn» hatte Fierz nach Ansicht der «Zürichsee-Zeitung» (ZSZ) im Regierungsrat gestritten. Der Rücktritt sei wohl nicht ganz aus freien Stücken erfolgt, sondern wohl der Preis, um die unselige Affäre «einigermassen unter Gesichtswahrung beenden zu können».

Schaden genommen habe wohl nicht nur die FDP, sondern auch die SVP, und alle politisch tätigen Frauen, «wobei bürgerliche wohl mehr als linke».

Nach Ansicht der «Neue Luzerner Zeitung» wirft die Krise in der Zürcher Regierung «auch ein schlechtes Licht auf den Bürgerblock insgesamt». Und: «Noch tragischer ist das Ganze für die FDP- Frauen.»

(sda)

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