Aktualisiert 04.05.2006 20:38

Fierz von Partei enttäuscht

FDP-Regierungsrätin Dorothée Fierz rang sich zu dem Schritt durch, der seit Tagen erwartet worden war: Sie gab gestern ihren sofortigen Rücktritt bekannt.

Dorothée Fierz (58) wirkte traurig, aber gefasst, als sie gestern um 14 Uhr das sofortige Ende ihrer Politkarriere verkündete: «Ich trete zurück.» Sie übernehme damit die politische Verantwortung dafür, dass vertrauliche Dokumente aus der Baudirektion an die Öffentlichkeit gelangt seien.

Diesen Entscheid habe sie nicht überstürzt treffen wollen: «Ich habe mich erst heute entschlossen.» Zwar habe die FDP sie unter Druck gesetzt, worüber sie enttäuscht sei. Den Rücktrittsentscheid habe sie aber unabhängig davon gefasst.

Laut Regierungspräsidentin Verena Diener haben erste Untersuchungen ergeben, dass ein Kadermitarbeiter der Baudirektion den Medien Akten zum Konflikt mit Volkswirtschaftsdirektorin Rita Fuhrer zugespielt hatte. Ob sie selber von der Amtsgeheimnisverletzung gewusst habe, wollte Fierz gestern nicht sagen: «Ich äussere mich nicht zu laufenden Verfahren.»

Die Regierung scheint über den Abgang erleichtert zu sein: Verena Diener dankte Fierz dafür, dass sie dem Regierungsrat durch ihren Rücktritt ein «Trauerspiel mit vielen Akten» erspare. Die Baudirektion wird nun von Markus Notter und Ruedi Jeker geführt, bis Fierz' Nachfolger gewählt ist. Die Ersatzwahl findet noch vor den Sommerferien statt.

Marco Lüssi

SVP: «Die FDP sollte auf einen Sitz verzichten»

Kaum hatte FDP-Frau Dorothée Fierz ihren Rücktritt bekannt gegeben, witterten andere Parteien bereits Morgenluft: EVP und Grüne kündigten gestern an, dass sie bei der Ersatzwahl für Fierz mit eigenen Kandidaten gegen die FDP antreten werden, um selber in die Kantonsregierung einzuziehen. «Die FDP hat ihren Anspruch auf zwei Sitze verwirkt», findet etwa die EVP.

Auch die SVP erwägt eine Kandidatur, will aber mit der FDP Gespräche führen, bevor sie sich entscheidet. Am liebsten sähe es die Volkspartei, wenn die FDP freiwillig auf eine Kandidatur verzichten würde: «In diesem Fall würden wir antreten, um den bürgerlichen Sitz zu retten», sagte Alfred Heer, Präsident der SVP-Kantonsratsfraktion. Er glaube nicht daran, dass die FDP ihren Sitz verteidigen könne: «Diese Partei ist am Boden.» Auch Hanspeter Kriesi, Politologieprofessor an der Universität Zürich, sagt: «Es wird sehr schwer für die FDP.» (lüs)

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