Betrügerei mit Haustieren: Fiese Tricks mit begehrten Haustieren
Aktualisiert

Betrügerei mit HaustierenFiese Tricks mit begehrten Haustieren

Exotische Haustiere zu Spottpreisen im Internet: Wer auf diesen neuen Trick von Betrügern hereinfällt, zahlt ein teures Lehrgeld. Weder den Bengalkater noch die Tigerpython haben die Anbieter wirklich. Doch von den Inseraten wimmelt es im Internet.

von
Annette Hirschberg

Michaela wollte unbedingt einen kleinen Chihuahua haben. Normalerweise kostet dieses Tier um die 1500 Franken. Doch in einem Online-Inserat fand sie den Welpen für billige 250 Euro. Schnell nahm sie mit dem Anbieter aus Kamerun Kontakt auf. Der forderte sie auf, die 250 Euro zu überweisen, dann würde er den Hund per Flugzeug nach Europa schicken, wie Michaela im Blogg des Schweizer Tierschutzes schreibt.

Kein Tier, dafür weitere Geldforderungen

Danach wartete sie sehnsüchtig auf ihren neuen Freund. Doch statt dem kleinen Vierbeiner erhielt sie einen Telefonanruf: Der Hund sei am Flughafen in London stecken geblieben und brauche Einreise-Papiere. Dafür müsse sie sofort 210 Euro überweisen. Also ging Michaela los und zahlte ein weiteres Mal. Doch auch nach dieser Überweisung wartete die junge Frau vergeblich auf ihren Hund. Die Forderungen des Kameruner Anbieters hingegen wurden immer dreister: Nun wollte er 600 Euro, um den Hund am Flughafen ausreichend zu versorgen. Aber mittlerweile schöpfte Michaela Verdacht und zahlte nicht mehr.

«Sogar Schimpansenbabys werden angeboten»

Mark Rissi vom Schweizer Tierschutz bestätigte auf Anfrage von 20 Minuten Online, dass es im Netz von solchen Kamerun-Inseraten nur so wimmelt. Da ist ein Bulldog-Welpe für 300 Franken zu haben, der herzige Chihuahua kostet ebensowenig, 400 Franken die leopardenartige Bengalkatze oder der seltene Hyazinth-Ara, und selbst die grosse Tigerpython soll schlappe 700 Franken kosten. «In den neusten Anzeigen werden sogar Schimpansenbabys angeboten», so Rissi. Beim seriösen Züchter wäre keines dieser Tiere unter 1000 Franken zu haben. Für die Python müssten gar 5000 Franken hingelegt werden und Schimpansen werden gar nicht erst über Inserate verkauft.

«Wer hier zahlt, sieht sein Geld nie wieder»

Dennoch fallen laut Rissi immer wieder Leute auf die Anzeigen herein und überweisen Geld. «Wer hier zahlt, erhält kein Tier und sieht sein Geld nie mehr», sagt Rissi. Immerhin komme kein Tier zu Schaden, sondern nur diejenigen, die über solche dubiosen Inserate tatsächlich ein Tier kaufen wollen, so Rissi. Denn hinter den Inseraten, deren Anbieter angeblich aus Kamerun stammen, steckt die Nigeria-Connection, die nur aufs schnelle Geld aus ist. Die Afrikaner sind schon seit mehreren Jahren im Internet mit betrügerischen Mails aktiv und verleiteten User dazu, ihr Geld zu überweisen. Ihr neuster Trick sind die gefälschten Tierinserate. Die gekauften Tiere kommen aber nie beim neuen Herrchen an - sie existieren ja gar nicht. Leicht erkennen lassen sich die einschlägigen Inserate am schlechten Deutsch. So wird dort etwa aus der Bulldogge ein «Englisch Stier Welpe».

«Vorsicht bei Vorauszahlungen»

Die Polizei und das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) raten, sich immer vor Vorauszahlungen ins Ausland bei einer Polizeistelle zu erkundigen. «Die zuständigen Fachleute beraten in solchen Fällen gern», sagt Mediensprecherin Stefanie Gerber von der Kantonspolizei Bern. Glaubt man, Opfer eines Betrugs geworden zu sein, sollte unbedingt Anzeige erstattet werden. «Erst dann können wir gegen solche Betrüger vorgehen», so Gerber.

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