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Bizarrer ParasitFieser Augenwurm manipuliert das Gehirn

Ein Saugwurm beeinflusst das Verhalten von Forellen so, dass sie sich von Vögeln fressen lassen – aber erst, wenn er dazu bereit ist.

von
jcg
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Der Saugwurm Diplostomum pseudospathaceum nistet sich in den Augen von Raubfischen ein. Im Bild: Die Linse eines Dreistachligen Stichlings mit Parasiten in verschiedenen Entwicklungsstadien.

Der Saugwurm Diplostomum pseudospathaceum nistet sich in den Augen von Raubfischen ein. Im Bild: Die Linse eines Dreistachligen Stichlings mit Parasiten in verschiedenen Entwicklungsstadien.

Jörn Peter Scharsack and Martin Kalbe
Russische Forscher untersuchten anhand von Regenbogenforellen, wie der Parasit das Verhalten der Fische beeinflusst. Dabei zeigte sich, dass der Parasit den Fisch, während er heranwächst, vorsichtig agieren lässt.

Russische Forscher untersuchten anhand von Regenbogenforellen, wie der Parasit das Verhalten der Fische beeinflusst. Dabei zeigte sich, dass der Parasit den Fisch, während er heranwächst, vorsichtig agieren lässt.

Engbretson, Eric / U.S. Fish and Wildlife Service
Ist der Parasit dann geschlechtsreif, lässt er den Fisch zur leichten Beute für Raubvögel werden, indem er ihn so manipuliert, dass er sich besonders auffällig verhält.

Ist der Parasit dann geschlechtsreif, lässt er den Fisch zur leichten Beute für Raubvögel werden, indem er ihn so manipuliert, dass er sich besonders auffällig verhält.

/Jeff J Mitchell

Parasiten haben kein einfaches Leben. Manche von ihnen müssen sich für ihr Schmarotzertum ganz schön ins Zeug legen. Besonders, wenn sie im Verlauf ihrer Existenz verschiedene Wirtstiere brauchen. Dann benötigen sie ausgeklügelte Strategien, um von einem Wirt zum anderen zu gelangen. Ein Meister dieser Disziplin ist der Saugwurm Diplostomum pseudospathaceum, wie Forscher in Russland festgestellt haben.

Der Parasit braucht während seines komplexen Lebenszyklus insgesamt drei Wirte. Die Paarung der ausgewachsenen Tiere geschieht im Verdauungstrakt eines Vogels. Von dort gelangen die Eier über den Vogelkot in ein Gewässer. Die Larven schlüpfen aus den Eiern und nisten sich in Süsswasserschnecken ein. Dort reifen sie und vermehren sich zudem ungeschlechtlich durch die sogenannte Knospung weiter.

Haben sie sich zu Schwanzlarven entwickelt, verlassen sie die Schnecke, suchen sich einen Fisch und bohren sich durch dessen Haut. Anschliessend wandern sie in den Augapfel des Tieres, wo sie zu sogenannten Metazerkarien reifen. Wenn dann ein Vogel diesen Fisch fängt und ihn samt Augen verspeist, beginnt der Lebenszyklus des Diplostomum pseudospathaceum von vorn.

Parasit ändert Verhalten des Wirts

Der Saugwurm ist somit darauf angewiesen, dass der Vogel den Fisch erst fängt, wenn er das richtige Entwicklungsstadium erreicht hat. Also hilft er ein bisschen nach. Forscher des Sewerzow-Instituts für Ökologie und Evolution in Moskau haben festgestellt, dass der Parasit bei seinem Wirt zwei unterschiedliche Verhaltensformen auslöst, bedingt durch seine eigene Entwicklung.

In einer ersten Studie infizierten sie 25 Regenbogenforellen mit unreifen Saugwürmern. Dann versuchte einer der Forscher, Regenbogenforellen mit einem Netz zu fangen, ohne zu wissen, welche infiziert waren und welche nicht. Es zeigte sich, dass sich die Fische mit Parasiten im Auge weniger bewegten und schwieriger zu fangen waren. Sie waren auf der Hut.

Chemischer Prozess im Gehirn

Dieses Verhalten änderte sich, sobald die Parasiten ihre Geschlechtsreife erreicht hatten, wie eine zweite Studie zeigte. Die Forellen wurden aktiver und schwammen näher an der Oberfläche. Zwar erstarrten sowohl infizierte als auch gesunde Fische, wenn ein Raubvogel über sie hinwegflog, doch bewegten sich die infizierten schneller wieder. Sie waren für Vögel besser greifbar.

Die Forellen werden also gemäss den Beobachtungen der Forscher dahingehend manipuliert, dass sie möglichst nicht gefressen werden, solange die Parasiten jung sind, und dann zur leichten Vogelbeute werden, sobald diese im fortpflanzungsfähigen Alter sind. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Verhaltensänderungen auf chemischem Weg im Gehirn ausgelöst werden.

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