Korruptionsskandal: Fifa-Blatter macht die Deutschen rasend
Aktualisiert

KorruptionsskandalFifa-Blatter macht die Deutschen rasend

Wieder einmal gerät die Fifa wegen Korruption stark unter Beschuss. Statt die Krise auszusitzen entscheidet sich Präsident Sepp Blatter zum Gegenangriff – und macht alles nur noch schlimmer.

von
fbu

Seit vergangener Woche ist belegt, dass bei der Fifa Schmiergelder in grossen Dimensionen geflossen sind – und dass Fifa-Präsident Sepp Blatter davon wusste. Mit dem neuen Korruptionsskandal rückt der Schweizer Vorsteher des Weltfussballverbandes wieder einmal in den Fokus. Nicht zum ersten Mal werden Rücktrittsforderungen laut. Dieses Mal hat der Fifa-Boss vor allem die deutschen Fussball-Mächtigen verärgert.

Kritisiert wird nicht nur, dass Blatter von den Schmiergeldzahlungen wusste, sondern auch dass er sich dazu etwas gar salopp äusserte. Reinhard Rauball, der Präsident der Deutschen Fussball Liga, forderte Blatter sogar zum Rücktritt auf. Das liess der Walliser Patron nicht einfach so auf sich sitzen und schoss heftig zurück. Blatter deutet in einem Interview mit dem «SonntagsBlick» an, dass die WM 2006 in Deutschland gekauft worden sei. Damals, bei der Wahl des Gastgeberlandes, habe der Neuseeländer Charles Dempsey im entscheidenden Moment der Stimmabgabe den Raum verlassen. Blatter deutet an, dass nur deshalb der Wahlsieg der deutschen Kandidatur zustande gekommen sei.

«Andeutungen sind völlig haltlos»

Bei unserem nördlichen Nachbarn schlägt das hohe Wellen. Sauer reagierte insbesondere Franz Beckenbauer. Der Chef der WM 2006 zeigte sich empört über die Äusserungen Blatters: «Ich kann die Äusserung und Andeutungen von Sepp Blatter nicht nachvollziehen.» Auch der Generalsekretär des Deutschen Fussballbundes Helmut Sandock ärgert sich über Blatters Vorwürfe: «Diese nebulösen Andeutungen sind völlig haltlos und scheinen vor allem den Zweck zu haben, von den aktuellen und aktenkundigen Vorgängen ablenken zu wollen.»

Ganz falsch liegt Sandock damit sicher nicht. Ob es vom Fifa-Präsidenten schlau war, sich so unvorsichtig zu äussern? Blatter begibt sich da auf heikles Terrain. Auch wenn bei der WM-Vergabe 2006 nicht alles sauber verlaufen sein sollte, rückt der Fifa-Boss die bizarren Geschehnisse rund um die WM-Doppelvergabe an Russland und Katar wieder ins Zentrum. Schon damals kamen Vorwürfe auf, dass ein Betrag von 20 Millionen Dollar an Fifa-Exekutivmitglieder gezahlt worden sei, damit diese ihre Stimme für Katar abgeben.

Nicht die ersten Rücktrittsforderungen

Damit hat der Walliser die Büchse der Pandorra geöffnet - was er wohl besser nicht getan hätte. Zumindest hätte er der Fifa damit einige Negativschlagzeilen ersparen können. Aber auch wenn sich viele für einen Rücktritt von Sepp Blatter als Fifa-Präsident aussprechen: An der Tatsache, dass der Schweizer aus dem Amt gedrängt werden kann, scheint trotzdem niemand so richtig zu glauben. Zu oft wurden solche Stimmen laut und doch sitzt der Schweizer nach wie vor auf dem Fussballthron.

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