Fussball: Fifa führt Geheim-Tests in Zürich durch
Aktualisiert

FussballFifa führt Geheim-Tests in Zürich durch

Drin oder nicht? Diese Frage soll bei «Wembley-Toren» künftig passé sein. Ab nächster Woche testet die Empa für die Fifa 13 einschlägige Technologien.

von
Herbie Egli

BBC-Reporter sind entsetzt über das nicht anerkannte Lampard-Tor. (Video: BBC)

Die Fussballwelt schaut nächste Woche einmal mehr nach Zürich: Am Fifa-Hauptsitz werden ab dem 7. Februar 13 Firmen ihre Technologien vorstellen, wie in Zukunft Fehlentscheide bei umstrittenen Torszenen verhindert werden können. Jedes System muss dabei zwei Kriterien erfüllen, um überhaupt eine theoretische Chance auf Zulassung zu haben: Zum einen muss es eine 100-prozentige Genauigkeit garantieren, zum anderen soll der Schiedsrichter innert einer Sekunde darüber informiert werden, ob der Ball mit ganzem Umfang hinter der Linie war oder nicht.

Die Technologien werden von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa getestet, wie der Weltfussballverband Recherchen von 20 Minuten Online bestätigt. Testresultate werden aber frühestens Anfang März veröffentlicht, wenn sich das für die Änderung der Fussballregeln massgebliche International Board das nächste Mal trifft (siehe unten).

IFAB muss entscheiden

Die Empa testet die 13 Technologien direkt am Fifa-Hauptsitz. Zehn Systeme funktionieren mit gewöhnlichen Kameras, je eines mit GPS, eines mit Funksender im Ball und eines mit einem Magnetfeld. Die Tester ermitteln sämtliche Daten über Sensoren, die etwas ausserhalb der Torpfosten postiert sind. Die Bälle werden mit einer Schussmaschine auf das Tor geschossen. Hinter der Linie steht eine Wand, die das runde Leder abfängt und anzeigt, ob der Ball mit vollem Umfang hinter der Linie war oder nicht. Die Tests werden nicht nur bei Tageslicht, sondern auch in der Nacht durchgeführt. Damit soll überprüft werden, ob die Kameramessungen bei Dunkelheit bzw. unter Flutlichteinfluss funktionieren.

Die Empa-Tests ziehen sich bis zum 13. Februar hin. Die Fifa übermittelt die Ergebnisse im Anschluss an das International Football Association Board (IFAB), welches am 5. März in Süd-Wales tagt. Das IFAB wacht über die Fussballregeln und ist als einziges Gremium befugt, Änderungen zu beraten und zu beschliessen. Es setzt sich aus acht Mitgliedern zusammen: Vier Vertreter stellt die Fifa, je einer kommt aus den Traditionsverbänden England, Schottland, Wales und Nordirland.

Rechtsumkehrt bei Sepp Blatter

Fifa-Präsident Sepp Blatter war lange Zeit gegen die Einführung von technischen Hilfsmitteln im Fussball. Nachdem an der WM 2010 in Südafrika Frank Lampards klares Tor für England gegen Deutschland nicht gegeben wurde, wurde der Ruf nach dem Videobeweis wieder laut. Blatter geriet zunehmend unter Druck. Und reagierte. Anders als etwa Uefa-Präsident Michel Platini kann sich der Fifa-Boss inzwischen die Einführung von Technik vorstellen. «Meine Position ist, dass wir es machen sollten, wenn es funktioniert», sagte er kürzlich in einem Video-Interview mit dem Nachrichtensender CNN.

Blatter glaubt, dass nicht nur bei ihm, sondern auch im IFAB ein Umdenken eingesetzt hat und dass das Board die neue Technik unterstützen wird. Dies, obwohl er das Gremium als eine «sehr konservative Organisation» bezeichnet.

Der Trend hin zur Torlinien-Technologie ist jedenfalls Balsam auf die Wunden jener Fans von Nationalmannschaften und Teams, die schon um Tore betrogen wurden.

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