ISL-Fall wird untersucht: Fifa nimmt Kampf gegen Korruption auf
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ISL-Fall wird untersuchtFifa nimmt Kampf gegen Korruption auf

Die Fifa ebnet sich den Weg zur Bekämpfung der Korruption. Das Exekutivkomitee setzt auf eine Ethikkommission - und verhilft so Präsident Sepp Blatter zu einem persönlichen Erfolg.

von
fox

Blatter, in den letzten Tagen selbst schwerstens in die Kritik geraten und von Exponenten des Deutschen Fussball-Bundes offiziell zum Rücktritt aufgefordert, kann nach dem klaren Votum der Mitglieder des Exekutiv-Komitees die Reformen im angeschlagenen Fussball-Weltverband weiter vorantreiben. «Ich bin ein glücklicher Präsident, weil unser Reformprozess weitergeht. Das Exekutiv-Komitee hat Solidarität und Geschlossenheit gezeigt. Ich als Präsident werde diesen Reformprozess weiter begleiten», sagte Blatter in Zürich.

Die neuesten Enthüllungen im FIFA-Bestechungsskandal und sein möglicher Abgang waren nach Angaben des Wallisers kein Thema bei der Sitzung. «Über die Position des FIFA-Präsidenten kann nur der Kongress entscheiden», sagte Blatter. Gelassen reagierte Blatter auch auf die von deutscher Seite geäusserte Forderung, ihm das Bundesverdienstkreuz zu entziehen. «Kein Kommentar. Wenn man mir das Kreuz wegnimmt, dann nimmt man es mir weg.» Den Orden hatte Blatter im Zuge der WM 2006 in Deutschland verliehen bekommen.

Die 24 Mitglieder des Exekutiv-Komitees ernannten den deutschen Richter Joachim Eckert und den amerikanischen Staatsanwalt Michael Garcia zu den Vorsitzenden der beiden Kammern der neuen Ethik-Kommission. Eckert wird der Abteilung «Rechtssprechung» vorstehen, Garcia jener für «Ermittlungen». «Die Vorsitzenden der beiden Kammern sind komplett unabhängig», erklärte Blatter. Für die Ethik-Kommission sehe er «keine Grenzen». Die Fifa werde alle ihre Entscheide akzeptieren. Eine Einmischung durch das Internationale Olympische Komitee hat sich die Fifa dagegen strikt verbeten. Nach den neuesten Enthüllungen in der Schmiergeld-Affäre rund um Blatters Vorgänger im Amt des FIFA-Präsidenten, den Brasilianer João Havelange, hatte das IOC angekündigt, sich am kommenden Wochenende bei einer Sitzung in London mit diesem Fall beschäftigen zu wollen.

Blatter souverän

Die Ethik-Kommission hat ihre erste Tagung auf Donnerstag, den 9. August, angesetzt. Havelange und sein Landsmann, das langjährige FIFA-Exekutiv-Mitglied Ricardo Teixeira, werden dannzumal im Mittelpunkt stehen, wenn sich die Kommission mit dem Fall der im Jahr 2001 konkurs gegangenen Marketing-Firma ISL beschäftigen wird. Havelange und Teixeira, bis vor kurzem federführend in der brasilianischen WM-Kampagne, hatten vor Jahren von der ISL rund 14 Millionen Schweizer Franken Schmiergeld kassiert. Von weiteren bestechlichen Personen, die sich ebenfalls durch Zahlungen der ISL bereichert haben, weiss Blatter nichts. Profitiert haben soll allerdings rund ein Dutzend Funktionäre. Geflossen sein sollen insgesamt über 130 Millionen Franken.

Hektisch wurde die Pressekonferenz nie. Im Vorfeld wurden diverse Stimmen gegen den Fifa-Boss laut, einmal mehr kam er gewaltig unter Druck. Doch Blatter parierte alle Angriffe gewohnt souverän und wies Rücktrittsforderungen oder -absichten weit von sich. Er betonte auch - allerdings erst auf Nachfragen -, dass er nicht von weiteren illegalen Zahlungen in seiner Fifa-Familie wisse (Video unten).

Sepp Blatter zum neuen Ethikcode. (Quelle: Keystone)

Sepp Blatter zu weiteren möglichen Korruptionszahlungen (Quelle: Keystone). (fox/si)

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