Hungerstreik: Filipino bricht am Klimagipfel in Tränen aus
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HungerstreikFilipino bricht am Klimagipfel in Tränen aus

Emotionen pur am Klimagipfel in Polen: Der Vertreter der Philippinen erklärte, er werde hungern, bis bedeutende Beschlüsse gefasst werden. Er erhielt stehende Ovationen.

von
pwe

Yeb Sano hielt gestern an der Eröffnung der UN-Klimakonferenz in Warschau eine bewegende Rede. In Anbetracht des grossen Leidens seiner Landsleute in den Philippinen erklärte der Vertreter des Inselstaates: «Aus Solidarität mit meinen Landsleuten, die Mühe haben, Essen zu finden und aus Solidarität mit meinem Bruder, der seit drei Tagen nichts zu Essen hat, beginne ich nun für das Klima zu fasten. Ich verweigere die Annahme von Nahrung, bis konkrete und bedeutende Beschlüsse für den globalen Klimafonds gemacht werden.» Man könne es sich nicht leisten, die Konferenz mit einem leeren Klimafonds zu verlassen.

Sano griff die häufig genannte, scharfe Kritik am Klimagipfel auf: «Diese Versammlung wurde eine Farce genannt, eine jährliche CO2-intensive Versammlung, die so nützlich ist wie Vielflieger.» Doch er schloss mit einem hoffnungsvollen Satz: «Wir schaffen das.» Danach musste er sich die Tränen abwischen und das Plenum feierte ihn spontan mit einer stehende Ovation.

Wer trägt welche Last des Klimawandels?

Tausende Delegierte aus aller Welt wollen bei der Klimakonferenz in den kommenden zwei Wochen die Basis für ein neues Bündnis im Kampf gegen die globale Erwärmung legen. Bei der Eröffnungsveranstaltung am Montag in Warschau sagte weiter Christiana Figueres, Generalsekretärin des Sekretariats der UN-Klimarahmenkonvention, es sei an der Zeit, zusätzliche Anstrengungen zu unternehmen, um den kommenden Generationen einen grösseren Klimaschutz bieten zu können. Ergebnisse der Warschauer Gespräche könnten ein Indikator dafür sein, wie die Chancen auf eine Einigung auf einen Klimavertrag stehen, der 2015 unterzeichnet werden könnte.

2015 wurde als neue Frist gesetzt, nachdem ein Gipfel unter Führung der UN 2009 in Kopenhagen gescheitert war. Heiss umstritten ist, wie die Lasten der Begrenzung von Schadstoff-Emissionen verteilt werden sollen. Seit Beginn der Klimaverhandlungen 1992 streiten reiche und arme Staaten über ihren Anteil daran.

«Haiyan» als ernüchternde Tatsache

Die Unterhändler stehen vor zahlreichen weiteren Hürden. Es geht beispielsweise um Geld, das armen Ländern helfen soll, auf saubere Energiequellen umzusteigen und sich an Klimaveränderungen anzupassen, die Auswirkungen auf Landwirtschaft, Zugang zu Trinkwasser und die Verbreitung von Krankheiten haben könnten. Streit wird auch um die Forderung kleiner Inselstaaten und anderer bedrohter Länder nach Entschädigung für die Schäden des Klimawandels in Folge von ansteigendem Meeresspiegel und Dürren erwartet.

Figueres sagte, eine ernüchternde Tatsache sei der Taifun «Haiyan», der auf den Philippinen zahlreiche Menschen in den Tod gerissen habe. Zwar sagen Wissenschaftler, man könne keinen Bezug zwischen einem einzelnen Sturm und einer weltweiten Erwärmung herstellen. Allerdings machen steigende Meeresspiegel tiefer liegende Länder anfälliger für Sturmfluten. (pwe/sda)

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