Filmbegleitung bis in den Tod
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Filmbegleitung bis in den Tod

Der Kanadier John Zaritsky heftete sich Dignitas an die Fersen: In seinem Film «The Suicide Tourist» zeigt er die Realität der Sterbebegleitung. Das SF signalisiert Interesse.

Craig Ewert (59) bittet seine Frau Mary, ihn am Augenlid zu kratzen – der kranke Amerikaner kann dies nicht mehr selbst tun. Dann füllt Dignitas-Begleiter Andreas Bernhard eine Flüssigkeit in einen Plastikbecher:

Sie wird Craig in einer Zürcher Wohnung den ersehnten Tod bringen. Diesen intimen Moment verfolgte der Kanadier John Zaritsky mit seiner Kamera: Der Oscar-gekrönte Filmer hatte ein Jahr lang Dignitas-Gründer Ludwig A. Minellis Segen.

Entstanden ist der bewegende Dokumentarfilm «The Suicide Tourist», der letzte Woche in Amsterdam Europapremiere feierte. Ob er auch hierzulande zu sehen sein wird, ist noch unklar: «Wir verhandeln mit einem internationalen Vertrieb», sagt Produzent Terence McKeown. «Der Film klingt interessant», sagt auch Otto C. Honegger, Dok-Leiter beim Schweizer Fernsehen. Er sei dem SF bisher jedoch nicht angeboten worden.

Dem zweiten im Film porträtierten Paar , George and Betty Coumbias aus Vancouver, wurde der Todeswunsch übrigens nicht erfüllt: Die gesunde Betty wollte dem kranken George in den Tod folgen – Ludwig A. Minelli lehnte die Doppelbegleitung ab.

Adrian Schulthess

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