Abstimmung vom 15. Mai: Filmemacher wirft Nein-Lager Missbrauch von Erfolgsfilm vor
Publiziert

Abstimmung vom 15. MaiFilmemacher wirft Nein-Lager Missbrauch von Erfolgsfilm vor

Der Schweizer Kurzfilm «Ala Kachuu» wurde ohne staatliche Subventionen ein Erfolg. Die Befürworter von «Lex Netflix» behaupten, dass die Gegner diesen für ihre Zwecke benutzten. 

von
Lisa Horrer
1 / 7
Der Schweizer Kurzfilm «Ala Kachuu» ist international erfolgreich. 

Der Schweizer Kurzfilm «Ala Kachuu» ist international erfolgreich. 

Alakachuu.com
Bei den diesjährigen Oscars war «Ala Kachuu» als bester Kurzfilm nominiert. 

Bei den diesjährigen Oscars war «Ala Kachuu» als bester Kurzfilm nominiert. 

Ala Kachuu 
Produzent Flavio Gerber (l.), Produzentin Nadine Lüchinger und Regisseurin Maria Brendle (r.) bei einer Oscar-Veranstaltung in Los Angeles dieses Jahr. 

Produzent Flavio Gerber (l.), Produzentin Nadine Lüchinger und Regisseurin Maria Brendle (r.) bei einer Oscar-Veranstaltung in Los Angeles dieses Jahr. 

Facebook/Swiss Films

Darum gehts 

  • Der Schweizer Kurzfilm «Ala Kachuu» ist für den Oscar nominiert worden und gewinnt internationale Preise. 

  • Dass der Film auch ohne Fördergelder des Bundesamts für Kultur erfolgreich ist, greifen die Lex-Netflix-Gegner in ihrem «Faktencheck» auf. 

  • Damit senden die Gegner die Botschaft, der Kurzfilm sei Beweis dafür, dass erfolgreiches Filmemachen ohne staatliche Subventionen möglich ist. 

  • Der Produzent des Kurzfilms widerspricht und erklärt, wieso diese Schlussfolgerung problematisch ist. 

Der Schweizer Kurzfilm «Ala Kachuu» aus dem Jahr 2020 erhielt eine Nominierung für die diesjährigen Oscars. Dabei stand dem Team für den 38-minütigen Film ein Budget von 280’000 Franken zur Verfügung. An Filmfestivals im In- und Ausland wurde der Film vor internationalem Publikum gespielt und heimste Preise ein – und das alles ohne staatliche Finanzierung. 

Auch das Schweizer Publikum konnte diesen Frühling den Film in Arthouse-Kinos schauen. Rund 650 Zuschauer haben «Ala Kachuu» in den Schweizer Kinos gesehen. Dass ein Kurzfilm in den Schweizer Kinos gezeigt wurde, wertet Flavio Gerber, Produzent und Inhaber der «Filmgerberei», als Erfolg, denn «Kurzfilme haben aufgrund ihrer Länge und Wirtschaftlichkeit keine Kino-Tradition mehr». Doch der internationale Erfolg könnte für die Macher des Films einen Boomerang-Effekt haben. Denn die Gesetzesgegner beziehen sich im Abstimmungskampf um Lex Netflix ausgerechnet auf diesen Film.

«Nein-Lager bringt falsche Fakten in Umlauf»

In ihrem Faktencheck, in dem sie die Argumente der Filmlobby gegenprüfen, nennen sie «Ala Kachuu» als Beispiel eines erfolgreichen Schweizer Filmprojekts, dem das Bundesamt für Kultur Fördergelder verwehrt hatte. Die Botschaft der Gegner: «Ala Kachuu» sei der Beweis dafür, dass erfolgreiches Filmemachen ohne staatliche Subventionen möglich sei und dass es bereits ausreichend Finanzierungsmöglichkeiten gebe. Filmemacher Gerber stört sich daran: «Unser erfolgreicher Film wird vom Nein-Lager missbraucht und falsche Fakten werden in Umlauf gebracht.»

So sei der Film trotz eines geringen Budgets entstanden und wurde teils über Crowdfunding finanziert. Zudem haben sich Crew, Schauspielerinnen und Schauspieler sowie die Regisseurin laut Gerber finanziell zurückgenommen. 

Weiter sagt er, ein solcher Kurzfilm und dessen Finanzierungsstruktur könne «niemals» als Beispiel genommen werden für Serien oder Langspielfilme. Geld für solche Projekte aufzutreiben, werde in der Schweiz ohne die Unterstützung der Streamingdienste nicht mehr möglich sein.

Nicht nur Filmindustrie profitiert von Investitionen hierzulande

In der Schweizer Filmindustrie gebe es eine junge Generation, «die was bewegt und etwas bewegen kann», so Gerber. Auch er sehe sich als Teil davon und glaube daran, dass diese Generation mit internationalen Filmen und Serien sowie den Denkweisen mithalten kann.

Matthias Müller, Präsident des Filmgesetz-Referendumskomitees, wollte die Vorwürfe auf Anfrage nicht kommentieren. Bis zum Abstimmungssonntag versucht Gerber sein Umfeld aufzuklären und zu vermitteln, dass es nicht um höhere Abogebühren geht. Stattdessen gehe es darum, in der Schweiz in Film- und Serienprodukte zu investieren, dass die Leute auch hierzulande in der Filmbranche arbeiten können. Denn das nütze nicht nur der Filmindustrie, sondern auch Industrien wie etwa dem Tourismus.

«Expertise für Weltklasse-Filme»

Der Kurzfilm «Ala Kachuu» thematisiert die kirgisische Tradition des «Brautraubs» und basiert auf den Erfahrungen junger Kirgisinnen. Im Film geht es um Sezim, eine 19-jährige Kirgisin, die studieren möchte – doch dann entführen Männer die junge Frau. Sie zwingen sie, einen Fremden zu heiraten. 

Bei der Oscarverleihung unterlag «Ala Kachuu» dem britischen Kurzfilm «The Long Goodbye». Doch Produzent Flavio Gerber ist stolz, «dass wir die Schweiz in der ‹Filmhauptstadt› Los Angeles repräsentieren durften.» Der Erfolg zeige, «dass die Schweiz die Expertise für Weltklasse-Filme hat». Wenn es bei der Abstimmung zu einem «Nein» kommt, «sind wir noch abhängiger von den Fördergeldern. Und diese werden von den Gegnern mit der Halbierungsinitiative ebenso bekämpft», warnt Gerber. 

Bleibe über Politikthemen informiert

Interessierst du dich auch über Bundesratswahlen und Abstimmungen hinaus für das Politgeschehen im Land? Liest du gerne spannende Interviews, Analysen, aber auch Lustiges zu aktuellen Themen? Abonniere hier den Politik-Push (funktioniert nur in der App)!

So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten rechts auf «Cockpit», dann aufs «Einstellungen»-Zahnrad und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Beim Punkt «Themen» tippst du «Politik» an – schon läufts.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

11 Kommentare