Tod des Dialektfilms?: Filmförderung will mehr Kunst statt Kommerz

Aktualisiert

Tod des Dialektfilms?Filmförderung will mehr Kunst statt Kommerz

Der Bund will massentaugliche Unterhaltungsfilme im Stil von «Achtung, fertig, Charlie» weniger subventionieren. Stattdessen soll mehr auf Avantgardefilme gesetzt werden. Völlig falsch, so die Kritik.

von
kub
Klamauk statt Tiefe? Pascal Nussbaumer als Rekrut Furgler in einer Szene aus der RS-Komödie «Achtung Fertig Charlie!»

Klamauk statt Tiefe? Pascal Nussbaumer als Rekrut Furgler in einer Szene aus der RS-Komödie «Achtung Fertig Charlie!»

Kulturminister Alain Berset setzt in der Filmpolitik neue Prioritäten. Er will, dass der Bund künftig mehr innovative und künstlerische Autorenfilme fördert und weniger kommerzielle Unterhaltungsfilme für das Massenpublikum. Dies bestätigen mehrere Quellen der «NZZ am Sonntag».

Dies dürfte es für Produzenten von Filme wie «Achtung, fertig, Charlie 2» schwieriger machen, in den Genuss von Subventionen zu kommen. «Diese Stossrichtung ist völlig verkehrt», kritisiert SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli, Mitglied der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK). Es gebe in der Schweiz bald mehr Filmemacher als Leute, die ihre Werke sehen wollten.

Dialektfilme unter Druck

Die Filmbranche ist gespalten. Der erfolgreiche Schweizer Regisseur Michael Steiner übt Kritik: «Wenn der Bund keine kommerziellen Filme mehr fördert, bedeutet dies, dass wir keine erfolgreichen Dialektfilme mehr haben», sagt er. «Es gäbe keine Filme mehr wie ‹Sennentuntschi› oder ‹Der Verdingbub›.» Und schliesslich sei es schwierig, Kommerz und Avantgarde auseinander zu halten. Diese Korrektur des Kurses der letzten Jahre ist der richtige Weg, wird Kaspar Kasics, Präsident vom Verband Filmregie und Drehbuch Schweiz, in der «NZZ am Sonntag» zitiert.

Von einer «Gratwanderung» spricht CVP-Nationalrätin und WBK-Mitglied Kathy Riklin: «Wir dürfen erfolgreiche Filmemacher nicht bestrafen - aber auch nicht nur auf Erfolg schielen.» Positiv beurteilt der ehemalige Fernsehmann Matthias Aebischer Bersets Pläne. «Ich begrüsse die neue Stossrichtung von Bersets Filmpolitik sehr», sagt der SP-Nationalrat, der ebenfalls in der Kulturkommission sitzt. «Allerdings sollten wir nicht Quote und Qualität gegeneinander ausspielen. Es wäre besser, grundsätzlich mehr Geld in die Filmförderung zu investieren.»

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