MegaUpload-Studie: Filmpiraten schaden den Kinos nicht
Aktualisiert

MegaUpload-StudieFilmpiraten schaden den Kinos nicht

Neue Filme gratis im Netz – ein Problem für die Kinos? Im Gegenteil, sagt eine neue Studie: Filesharing könne den Umsatz an der Kinokasse steigern. Der Schweizer Verband widerspricht.

von
D. Schurter
Die MegaUpload-Betreiber wurden vom FBI gejagt, die Filesharing-Plattform stillgelegt.

Die MegaUpload-Betreiber wurden vom FBI gejagt, die Filesharing-Plattform stillgelegt.

Als das FBI im Januar 2012 die MegaUpload-Server abschaltete, dürften bei den Hollywood-Bossen die Korken geknallt haben. Galt doch Kim Dotcom mit seinen populären Filesharing-Seiten als einer der grössten Feinde der Unterhaltungsindustrie. Über seine Server wurden Tag für Tag Millionen von Filmkopien verbreitet; unzählige Nutzer schauten sich urheberrechtlich geschütztes Material gratis an.

Wie eine wissenschaftliche Studie nun zeigt, war der Schlag gegen MegaUpload nicht gewinnbringend, sondern – wenn überhaupt – eher kontraproduktiv. Die Autoren untersuchten über einen Zeitraum von fünf Jahren die Ticketverkäufe bei 1344 Kinofilmen in 49 Ländern. Das auf den ersten Blick überraschende Fazit: Die Schliessung von MegaUpload hatte keinen positiven Effekt auf die Umsätze an den Kinokassen. Im Gegenteil: Bei Filmen, die nicht zur Kategorie der Blockbuster gehörten, war sogar ein leichter Umsatzrückgang zu verzeichnen.

Filesharing als Marketinginstrument

Die Autoren liefern eine mögliche Erklärung für den Effekt: Während die Blockbuster mit einem Millionenbudget beworben werden, profitieren die kleineren Filmproduktionen von der Gratiswerbung durch die meist jüngeren Downloader. Diese Personen laden auch weniger stark beworbene Filme gratis herunter. Indem sie das Gesehene weiterempfehlen, wirken sie als Multiplikatoren. Abseits des Mainstream-Kinos wird Filesharing quasi zum Marketing-Instrument.

Die Studie, deren Endfassung noch nicht verfügbar ist, hat viel Wirbel ausgelöst. Die deutsche Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) reagierte mit einer geharnischten Stellungnahme und widersprach den Autoren. Wenn es darum gehe, einen Werbeeffekt von illegalen Downloads auf Kinobesuche nachzuweisen, dann müssten nicht Umsätze, sondern Besucherzahlen untersucht werden. Dabei zeige sich zumindest für Deutschland, dass die These nicht zutreffe.

Von Echo überrascht

Einer der Studien-Autoren nahm auf dem Blog Netzpolitik.org Stellung: «Wir sind selbst positiv überrascht von dem Echo, welches unsere Arbeit ausgelöst hat. Wesentlich für uns ist, dass wir nicht gefunden haben, was allgemein erwartet wurde – nämlich ein Anstieg der Einnahmen nach der Schliessung von MegaUpload.»

Auch der Schweizer Dachverband der Kinobetreiber und Filmverleiher, ProCinema, widerspricht der Studie: «Die vorliegende Studie verkürzt die Sicht auf einen Kanal – Kino – und auf die Schliessung einer einzigen illegalen Plattform – MegaUpload», sagt Geschäftsführer René Gerber. Daraus generelle Schlüsse zu ziehen, sei unzulässig.

Gemeinsam gegen Internetpiraterie

Illegale Angebote – wie MegaUpload und zahllose andere – würden den legalen Plattformen den Boden unter den Füssen wegziehen: Ohne Entschädigung würden legale Angebote gar nie rentabel. Wenn ein Rechteinhaber aus Marketinggründen seinen Film oder Ausschnitte davon gratis im Internet anbieten wolle, um vom behaupteten Effekt der Weiterempfehlung über Social Media zu profitieren, stehe ihm das frei, so Gerber.

ProCinema engagiert sich mit den anderen Verbänden gegen Internetpiraterie. Die Allianz hat den Bundesrat zum Umdenken gezwungen: Noch vor einem Jahr sah er in den illegalen Angeboten im Internet weder ein Problem noch Handlungsbedarf. Inzwischen hat Bundesrätin Simonetta Sommaruga eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die Vorschläge zur Durchsetzung des Urheberrechts machen soll. Bis heute gibt es gemäss ProCinema keine verlässlichen Schweizer Zahlen zur Problematik illegaler Angebote in den einzelnen Kulturbranchen.

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