Cyber-Bullying: Filmstar begeht Selbstmord nach Netz-Attacken
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Cyber-BullyingFilmstar begeht Selbstmord nach Netz-Attacken

Der Selbstmord einer populären Schauspielerin sorgt in Südkorea für Aufregung. Gerüchte im Internet sollen sie in den Tod getrieben haben. Die Regierung will nun harte Strafen gegen Cyber-Mobbing einführen.

Choi Jin-sil war die wohl beliebteste Schauspielerin Südkoreas, mit zahlreichen Erfolgen in Film und Fernsehen. Am Morgen des 2. Oktober aber wurde die 39-Jährige erhängt in ihrem Badezimmer aufgefunden. Ihre Mutter sagte der Polizei, Choi sei gegen Mitternacht betrunken heimgekommen und habe sich sehr über Gerüchte aufgeregt. Einen Abschiedsbrief hinterliess der Filmstar nicht, nur ein SMS an ihre Assistentin, in dem die zweifache Mutter bat: «Kümmert euch um meine Kinder, egal was geschieht.»

Der tragische Tod der Schauspielerin, die als «Liebling der Nation» galt, sorgte in Südkorea für Schock und Entsetzen unter ihren Fans. Denn nur wenige Wochen zuvor hatte sich bereits Ahn Jae-hwan, ein anderer bekannter Schauspieler, das Leben genommen. Worauf im Internet Anschuldigungen gegen Choi Jin-sil auftauchten. Sie habe ihrem Kollegen rund zwei Millionen Franken geliehen und ihn dermassen hartnäckig zur Rückzahlung gedrängt, dass Ahn keinen anderen Ausweg als den Selbstmord gesehen habe.

Choi wehrte sich gegen das Gerücht. Sie habe Ahn niemals Geld geliehen, betonte sie. Es war nicht ihre erste Erfahrung mit Cyber-Mobbing. Als sie sich vor einige Jahren mit ihrem damaligen Ehemann, dem Baseball-Star Cho Sung-min, einen Sorgerechtsstreit um die beiden Kinder lieferte, wurde Choi ebenfalls Zielscheibe heftiger Attacken im Internet. Seither musste sie nach Angaben der Polizei Antidepressiva nehmen. Noch im Juli sagte sie in einem TV-Interview, sie habe «schreckliche Angst» vor dem Internet.

Internet als «Toilettenwand»

Für viele Fans ist klar, dass Chois Selbstmord eine Folge der verleumderischen Attacken aus dem Cyberspace war und sich ihre letzten Äusserungen vor dem Tod darauf bezogen. Der Volkszorn ist Munition für die Regierung von Präsident Lee Myung-bak. Sie strebt gemäss «New York Times» eine schärfere Kontrolle des Internets an, das sich als beliebte Plattform für regierungsfeindliche Proteste etabliert hat. «Das Internet ist in unserem Land zur Toilettenwand geworden», sagte ein Vertreter der Regierungspartei.

Die Opposition lehnt eine verstärkte Regulierung ab mit der Begründung, die bestehenden Gesetze gegen üble Nachrede seien ausreichend. Die Regierung jedoch betont, es brauche ein härteres, eigenständiges Gesetz im Kampf gegen Online-Verleumdung, das diese den Opfern schneller und breiter Schaden zufüge. Die Statistik scheint ihr Recht zu geben: Im letzten Jahr verzeichnete die Polizei in Südkorea 10 028 Fälle von Ehrverletzung im Internet. 2004 waren es noch 3667.

(pbl)

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