Aktualisiert 22.04.2011 19:29

Erdbeben JapanFilzstift-Zeitung kommt ins Museum

Der Tsunami legte in Japan alles lahm, auch die Zeitungsredaktion der Hibi Shimbun. Die Journalisten griffen zum Stift - und nun sind ihre Ausgaben begehrte Museumsstücke.

von
ann
Die erste handgeschriebene Ausgabe der Hibi Shimbun vom 12. März 2011.

Die erste handgeschriebene Ausgabe der Hibi Shimbun vom 12. März 2011.

Als am 11. März 2011 das schwerste Erdbeben der Geschichte Japan erschütterte und Flutwellen die Küsten im Nordosten trafen, wurde die Stadt Ishinomaki in der Provinz Miyagi zu grossen Teilen überflutet.

Trotz der Katastrophe, die auch den Hauptsitz der lokalen Zeitung Hibi Shimbun unter Wasser setzte, wollten die Angestellten eine Ausgabe herausbringen. In seiner 99-jährigen Geschichte hatte das Blatt ausser während dem zweiten Weltkrieg keinen Drucktermin verpasst. Ohne Strom und Internet taten die Journalisten dies auf die einzige Art, die unter diesen Umständen möglich war: Mit Filzstift und Papier. Licht spendeten einige Taschenlampen.

Aufgehängt in den Notunterkünften der Stadt

So simpel wie ihr Werkzeug, war die Arbeitsteilung unter den Journalisten. Während sechs Personen Informationen zusammen suchten und daraus Artikel verfassten, schrieben drei die Geschichten von Hand auf postergrosse Blätter.

So rollt der Tsunami auf Japan zu

Die Hibi Shimbun wurde täglich in den Notunterkünften aufgehängt und war für die Bevölkerung der gebeutelten Stadt während sechs Tagen praktisch der einzige Zugang zu Informationen. In der ersten Extra-Ausgabe vom 12. März, titelten die Redakteure «Japans grösstes Erdbeben und ein Riesentsunami». Am zweiten Tag berichteten sie von ersten Rettungsteams, die im Gebiet ankamen. Um die Moral zu heben, riefen sie am 16. März die Bewohner auf, die grosse Not durch gegenseitige Unterstützung zu bewältigen. «In der Stadt gehen die Lichter wieder an» frohlockte die letzte handgeschriebene Hibi Shimbun.

Japan, 1 Monat nach dem Erdbeben

Starker Zeuge der Zeit

Die sechs Filzstift-Ausgaben sind mittlerweile begehrte Museumsstücke. Das Newseum in Washington D.C., in dem 500 Jahre Nachrichten-Geschichte bis in die neuste Zeit dokumentiert werden, hat gleich sieben Originale erworben und will sie in eine künftige Ausstellung integrieren. Das Newseum erfuhr von den heldenhaften Bemühungen der Hibi-Shimbun-Angestellten am 21. März durch einen Bericht in der «Washington Post» und bemühte sich sofort um die Orinigal-Ausgaben. «Diese Zeitung ist ein starker Zeuge des zeitlosen Bedürfnisses des Menschen nach Wissen und des Einsatzes der Journalisten, die Informationen zu liefern», sagt Kuratorin Carrie Christoffersen in der Medienmitteilung des Museums.

Schwarze Monsterwelle trifft auf Hafen

Auf der Redaktion des Hibi Shimbun ist seit den ersten Tagen wieder eine Spur von Normalität eingekehrt – sogar die Internetausgabe funktioniert wieder. Die Zerstörungen in Ishinomaki sind verheerend: 80 Prozent der Häuser stehen nicht mehr. Über 1000 Personen starben, gegen 3000 werden immer noch vermisst.

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