Howard Webb: Final-Schiri brauchte schon Polizei-Schutz
Aktualisiert

Howard WebbFinal-Schiri brauchte schon Polizei-Schutz

Der englische Schiedsrichter Howard Webb ist ein Spielleiter ohne grosse Skandale. Ein Pfiff vor zwei Jahren gab dennoch zu reden und führte zu Morddrohungen.

von
Herbie Egli

Webbs Penaltypfiff beim EM-08-Spiel Österreich - Polen. (Video: ORF)

Schiedsrichter zu sein ist keine einfache Aufgabe. Es braucht viel Fingerspitzengefühl. Howard Webb scheint dieses zu haben. Als früherer Polizist ist sich der heutige Profi-Referee heikle Situationen auch gewohnt. Seit 2005 pfeift Webb internationale Spiele und fiel bisher kaum gross auf.

Der englische Schiedsrichter sorgte in seiner Karriere erst einmal für Aufsehen. Vor zwei Jahren an der Euro 08. In der Vorrunde wurde Webb mit der Partie Österreich gegen Polen betraut. Beim Stand von 0:1 pfiff er in der Nachspielzeit einen Penalty für den Co-Gastgeber der Schweiz. Wohl zu Recht. Polens Lewandowski zupfte Österreichs Prödl am Trikot. Vastic traf per Elfmeter zum Ausgleich (siehe Video oben). Da beide Teams ihre letzten Gruppenspiele verloren, schieden sie ohne Einfluss dieses Penaltys aus.

Morddrohungen gegen Webb und seine Familie

In polnischen Medien wurde trotzdem eine Hetzjagd gegen Webb losgetreten. Der Schiedsrichter wurde mit einem Messer im Kopf oder einem Fadenkreuz auf der Stirn abgebildet. Polens Premier Donald Tusk leistete sich sogar einen Ausrutscher übelster Art: «Gestern hätte ich gerne getötet – Sie wissen, wen», wurde er bei «Die Presse» zitiert. Aufgrund dieser Aussage und weiteren Morddrohungen in der Öffentlichkeit wurden die EM-Schiedsrichter besser bewacht und Webbs Familie sogar unter Polizeitschutz gestellt.

Webb der Fernsehstar

Die Auftritte des englischen Schiedsrichters während der Euro 08 wurden erstmals auch von einem Kamerateam festgehalten. Webb war damit einer der Hauptdarsteller im Film «Referees at Work» (siehe Video ganz unten). Dieser dokumentiert die Arbeit der Schiedsrichter auf und neben dem Platz auf eindrückliche Art und Weise.

Champions-League- und WM-Final

Ohne Fehlpfiff im Endspiel wird dieses Jahr definitiv Webbs Höhepunkt. Im Mai wurde der Engländer für den Champions-League-Final zwischen Inter Mailand und Bayern München als Schiedsrichter berücksichtigt. Während der 38-Jährige dieses Highlight erleben durfte, bleibt es vielen Berufskollegen in ihrer Karriere verwehrt, ein solches Endspiel zu leiten. Dass derselbe Schiedsrichter im gleichen Jahr auch noch den WM-Final bekommt, ist nicht selbstverständlich. Die Fifa hat sich aber für Webb entschieden.

An dieser WM pfiff der Mann mit dem kahlen Kopf bisher drei Spiele. Als erstes Spanien – Schweiz (0:1), wo Webb mit dem einen Final-Teilnehmer schon einmal auf Tuchfühlung kam. Dass Fernandes beim Schweizer Gegentor kaum erkennbar im Offside stand, kreiden ihm spanische Medien nicht an. Vielmehr wurde in der Schweiz nicht verstanden, warum Webb fünf Minuten nachspielen liess. Weitere Spiele des englischen Schiedsrichters waren ebenfalls in der Vorrunde Slowakei – Italien (3:2) und im Achtelfinal Brasilien – Chile (3:0).

Ausschnit aus «Referees at Work»

Deine Meinung