«Time-Out»: Finale oder Mutter aller SCB-Blamagen
Aktualisiert

«Time-Out»Finale oder Mutter aller SCB-Blamagen

Läuft alles nach Plan, stehen die Tore ins Finale für den SC Bern sperrangelweit offen. Deshalb wäre ein Scheitern gegen Servette die Mutter aller Blamagen.

von
Klaus Zaugg

Wenn die SCB-Hockeystrategen auf ihren Tischen die Playofflandkarte ausbreiten, dann sehen sie einen direkten, leichten Weg ins Finale. Dann nämlich, wenn sich im Viertelfinale der SCB, Fribourg, der ZSC und Zug durchsetzen. So wie es allgemein erwartet wird. Das würde bedeuten, dass nach Servette im Halbfinale mit dem EV Zug ein zweites «Freilos» auf den SCB wartet.

Also eine rauschende Triumphfahrt ins Finale? In dieser verheissungsvollen Ausgangslage schlummert die grosse Gefahr für den SC Bern: Der Präsident, der Manager, der Sportchef, der Kommunikations-Direktor, der Trainer, sein Assistent, der Captain und die übrigen Spieler können sagen, was sie wollen: Die Gefahr der Hoffart, der Arroganz, des Unterschätzens des Gegners können sie nicht vertreiben. Gegen Servette haben die Berner zwar schon oft verloren. Aber noch nie eine Playoff-Serie. Niemand kann sich in Bern vorstellen, dass die Playoffs schon gegen Servette zu Ende gehen könnten. Es wäre die Mutter aller Blamagen. Die Position von Trainer Antti Törmänen, mit einem neuen Zweijahresvertrag ausgestattet, würde in den Grundfesten erschüttert.

Servette-General Chris McSorley wird den Bern-Feldzug mit der ihm eigenen Akribie planen. Für ihn ist ein Playoff-Triumph gegen die mächtigen Berner das Ziel aller Träume. Sein Verteidigungsminister Goran Bezina ist zwar durch Verletzung ausgefallen. Aber wenn nur jeder der 20 Feldspieler gegen den SC Bern 10 Prozent mehr leistet, sind das 200 Prozent mehr Leistung und damit wäre der Ausfall von Bezina bei weitem kompensiert. Auch wenn solche Zahlenspielereien nicht ernst zu nehmen sind: Das «System Chris McSorley», eingeübt seit elf Jahren, kann kurzzeitig durchaus über den Ausfall eines Schlüsselspielers hinweghelfen.

SCB-Defensive schwächelt

Der SC Bern hat seine Triumphe im 21. Jahrhundert immer über eine solide Defensive erarbeitet. Die Verteidigung ist das Fundament aller SCB-Erfolge. Und ausgerechnet in den letzten Partien vor den Playoffs 2013 hat der SCB defensiv so liederlich gearbeitet wie noch nie in diesem Jahrhundert: Zuletzt ein 3:7 auf eigenem Eis gegen die ZSC Lions. Und davor in vier Spielen drei Niederlagen nach klaren Führungen: 4:5 gegen Zug (nach 3:0), 4:5 gegen Davos (nach 2:0) und sogar ein 5:6 n.V. gegen Langnau (nach 2:0 und 5:3).

Bloss lässliche Sünden, wie sie sich grosse Teams oft in den letzten, fast bedeutungslosen Partien vor den Playoffs leisten (wie die ZSC Lions beim 0:7 in Biel)? Oder ist die SCB-Verteidigung, ein Bollwerk wie die Berner Alpen, durch die vielen Ausfälle doch ernsthaft geschwächt? Findet Torhüter Marco Bührer, der Vater von zwei Titeln und zwei Finalteilnahmen, nach den miserablen Spielen gegen Langnau (Abwehrquote 77,78 %), Zug (75 %) und die ZSC Lions (70 %) seine Form wieder? Zwischendurch hat er ja gegen Biel (3:0) seinen Kasten rein gehalten.

Kein vernünftiger Mensch wettet gegen den SC Bern. Aber die Ausgangslage ist heikel. Sollte es zur Sensation kommen, würden wir im Rückblick ausreichend Gründe finden, um von einer logischen Sensation zu sprechen.

Prognose: Der SC Bern in sechs Spielen und mit einer Kabinenrede von SCB-General Marc Lüthi.

Direktbegegnungen in dieser Saison

14. September: Servette – SC Bern 3:1

6. Oktober: SC Bern – Servette 5:1

3. November: Servette – SC Bern 5:2

4. Dezember: Servette – SC Bern 3:4

12. Januar: SC Bern – Servette 2:0

25. Januar: SC Bern – Servette 6:3

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