Zürcher Obergericht: Finanzberater mit Snuff Movies soll zu Psychiater
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Zürcher ObergerichtFinanzberater mit Snuff Movies soll zu Psychiater

Ein drogenabhängiger Finanzberater aus Regensdorf ZH lud reale Filme über grausame Tötungen von Menschen auf seinen PC. Nun soll ein Gutachten über den Mann mehr Klarheit bringen.

von
Attila Szenogrady
Das Obergericht in Zürich hat im Fall des drogenabhängigen Finanzberaters noch kein Urteil gefällt.

Das Obergericht in Zürich hat im Fall des drogenabhängigen Finanzberaters noch kein Urteil gefällt.

Wegen mehrfacher Gewaltdarstellungen, Kinderpornographie und Handels von harten Drogen im Kilobereich hatte das Bezirksgericht Zürich den heute 50-jährigen Schweizer aus Regensdorf im vergangenen Herbst anklagegemäss zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Vor Gericht hatte der früher allein erziehende Vater einer Tochter ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Der Beschuldigte gab zu, dass er an seinem Wohnort bis zum Frühling 2013 nicht nur Kinderpornographie, sondern auch abscheuliche Brutalo-Filme auf seinen Computer heruntergeladen und gespeichert hatte. Die echten und verbotenen Aufnahmen – so genannte Snuff Movies – zeigten beispielsweise, wie ein Mann von mehreren Löwen gefressen wurde. Oder wie ein anderes Opfer durch ein Beil den Kopf verlor. Andere Filme beinhalteten reale Erschiessungen von mehreren Menschen.

Auto gefahren mit Heroin im Blut

Der Beschuldigte machte seine schwere Drogensucht für sein abnormales filmisches Konsumverhalten verantwortlich. So war er vor mehreren Jahren nach der Scheidung in die Drogen abgestürzt. Mit massiven Folgen: So verlor der früher erfolgreiche Finanzberater nicht nur endgültig seine Frau, sondern auch seinen Job und schliesslich seinen Führerausweis. Dies nachdem er in Dielsdorf als Autolenker von der Polizei mit Heroin im Blut erwischt worden war. Der Beschuldigte verzichtete auf Sozialhilfe und schlug sich als Drogenhändler von Heroin und Kokain durch.

Am Freitag stand der gesundheitlich angeschlagene Schweizer nun vor dem Zürcher Obergericht und hinterliess einen gebrochenen Eindruck. Er konsumiere immer noch harte Drogen und komme von diesen nicht mehr los, gestand er ein. Sein Verteidiger verlangte deshalb im Einverständnis mit seinem Klienten dessen Einweisung in eine stationäre Entzugsklinik. Das Bezirksgericht hatte noch eine ambulante Massnahme während des Vollzugs angeordnet. Zu wenig für den Rechtsanwalt, der mit der Anordnung einer stationären Massnahme auch den Aufschub des Strafvollzugs verlangte.

Entzugstherapie – «sonst droht der baldige Tod»

Das Obergericht kam noch zu keinem Urteil und ordnete stattdessen ein psychiatrisches Gutachten an. Dieses soll mehr Aufschluss über den Beschuldigten ergeben. Auch über seine Schuldfähigkeit während der Tatzeit. Das könnte sich auch auf die Strafzumessung auswirken. Das Wichtigste für den Beschuldigten wäre aber die schnelle Aufnahme einer Entzugstherapie. Sonst werde er nicht mehr lange leben, habe ihm kürzlich sein Arzt erklärt, sagte der Beschuldigte zum Schluss.

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