Bezirksgericht Zürich: Finanzberater wegen Brutalo-Filmen verurteilt
Aktualisiert

Bezirksgericht ZürichFinanzberater wegen Brutalo-Filmen verurteilt

Ein ehemaliger Finanzberater muss für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Der Beschuldigte hat reale Filmaufnahmen über grausame Tötungen heruntergeladen und mit Drogen gehandelt.

von
Attila Szenogrady
Das Bezirksgericht Zürich verurteilte den Finanzberater zu 3,5 Jahren. Das Urteil sei an der unteren Grenze, befand der Gerichtsvorsitzende.

Das Bezirksgericht Zürich verurteilte den Finanzberater zu 3,5 Jahren. Das Urteil sei an der unteren Grenze, befand der Gerichtsvorsitzende.

«In meinen Leben ging alles in die Brüche», erklärte der heute 49-jährige Finanzberater am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Zürich. Seine eingestandenen Delikte waren selbst für die erfahrene Staatsanwältin Susanne Fischer eine schwer verdaubare Zumutung. So musste sich die Untersuchungsrichterin nicht nur eine grosse Anzahl von Kinderpornographie und sexuelle Gewaltdarstellungen, sondern auch reale Filmaufzeichnungen über die grausame Tötung von Menschen anschauen.

Von Löwen zerfleischter Mann

Die Anklageschrift schilderte, wie der Beschuldigte die brutalen Streifen nicht nur auf seinen Computer herunterlud, sondern auch kopiert und speicherte. Die verbotenen Aufnahmen zeigten, wie ein Mann von mehreren Löwen gefressen oder ein in anderes Opfer durch ein Beil geköpft wird. Andere Filme beinhalteten echte Erschiessungen von mehreren Menschen.

Hinzu kamen Dateien, die sexuelle Handlungen mit Kindern, menschliche Ausscheidungen und sexuelle Gewalttätigkeiten beinhalten. «Ich war in einer Lebenskrise», erklärte dazu der Beschuldigte und machte dafür auch seinen exzessiven Drogenkonsum im Rahmen einer Midlife-Crisis dafür verantwortlich. Mit Kinderpornographie habe er sowieso nichts anfangen können, führte er aus. Der Gerichtsvorsitzende zeigte sich allerdings skeptisch, da der Beschuldigte Dateien über ein Fliesharing-Programm an gleichgesinnte Personen weiterleitete.

Absturz in die Drogen

Der zweite Teil der Anklage zeigte auf, wie der früher erfolgreiche Finanzberater nach der Scheidung massiv in die harten Drogen abstürzte. So konsumierte er täglich drei Gramm Kokain und ein Gramm Heroin.

Hinzu kamen Methadon und Marihuana. Zudem stieg er in den Drogenhandel ein, wobei er innerhalb von wenigen Monaten über 1,3 Kilogramm Kokain sowie rund 100 Gramm Heroin verkaufte. Mit der Folge, dass der inzwischen arbeitslos gewordene Ex-Kadermann nicht mehr von der Sozialhilfe leben musste: «Es dreht sich aber alles nur noch um die Drogen», erinnerte er sich zurück. Wobei er seine schwere Sucht als allein erziehender Vater vor seiner Tochter zu verstecken suchte. Vergeblich im August 2012, als er als Autolenker in Dielsdorf von der Polizei mit Heroin im Blut erwischt wurde.

Vergeblich milde Strafe verlangt

Der Verteidiger verwies auf das volle Geständnis seines Mandaten, der heute den Drogen abgeschworen habe und ein neues Leben beginnen wolle. Deshalb sei eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten angebracht. Zehn Monat davon unbedingt.

Das Plädoyer des Verteidigers war aber nicht von Erfolg gekrönt. So folgte das Gericht umfassend den Anträgen der Staatsanwältin und sprach immer noch von einem wohlwollenden Urteil. Das bedeutete anklagegemäss eine unbedingte Freiheitstrafe von 42 Monate. Wobei er sich während des Strafvollzugs einer ambulanten Suchtbehandlung unterziehen soll. Die Strafe bewege sich angesichts des erheblichen Verschuldens an der unteren Grenze, erklärte der Gerichtsvorsitzende.

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